Görz, Gorizia, Nova Gorica, die zwischen Italien und Slowenien zweigeteilte Stadt mit österreichischer Vergangenheit, ist als europäische Kulturhauptstadt Publikumsmagnet, wer zu den Wochenenden Hotelzimmer benötigt, sollte früh buchen und aufs Glück vertrauen. Aber das 47.000-Einwohner Stadt-Duo nahe der Collio-Weinhügel ist von Kärnten aus auch als Tagesausflugsziel und via Ljubljana (kürzer) oder via Udine (bequemer) erreichbar.

Als Kulturhauptstadt stehen Ausstellungen, Museen-Schwerpunkte und Events am Programm, im slowenischen Teil der Stadt ist das GO-Logo der Veranstaltung präsenter, im italienischen Teil waren Infos schwieriger zu bekommen. Dafür punkten die Italiener in puncto Kulinarik für Otto Normalverbraucher, in Slowenien sind eher hochpreisige Gourmet-Restaurants (Dam, Pikol) erwähnenswert. Die im Gault Millau Slowenien mit zwei Hauben dekorierte einfachere Gostilna „Pri Hrastu“ würden wir nach einem Besuch nicht empfehlen.

Dafür aber auf italienischer Seite die Trattoria Alla Luna (zum Mond). Die findet man im Zentrum in Marktnähe, sie ist üppig mit Küchenaccessoires dekoriert, hat fast musealen und reizenden Charakter. Die Speisenkarte ist handgeschrieben, umfangreich und regional geprägt, sowohl italienisch als auch slowenisch, es gibt ein Menü der Gräfin von Görz, saisonal Rosa-di-Gorizia-Salat, Palačinke, Krajner Würste, Frico und andere Regionalspezialitäten.

Großartig schmecken mit cremigem Frischkäse gefüllte Rollen vom Lardo (weißer Speck) mit Granatapfelsplittern, spannend und köstlich der Salat von Radicchio mit Grammeln, Nüssen und säuerlich-süßlicher Marinade. Dem Orzotto (wie Risotto, aber mit Rollgerste) mit Gemüsecreme, Kräuterpesto und karamellisierter Zwiebel verleihen wir das Prädikat Weltklasse – noch nie so ein gutes Orzotto gegessen. Rustikaler präsentieren sich die nockerl-artigen Gnocchi di Pane mit Fleischsugo und krokanten Bröseln. Für ein Secondo – z.B. Kalbsfilet in Refosco-Creme oder Lamm mit Polenta – ist kein Platz mehr, sehr wohl für die ebenfalls sensationelle, lauwarme Gibanica, den slowenischen Schichtkuchen mit Apfel, Mohn, Topfen. Das Weinangebot orientiert sich an der vinophilen Umgebung, der Service ist freundlich kompetent, der Wiederkommenwunsch riesig groß.