Wenn sich an einem noch kühlen Märztag in Schladming die Kulinarikszene des Landes versammelt, dann liegt etwas in der Luft, das über bloßen Genuss hinausgeht. Es ist Erwartung. Und diesmal auch ein leiser Aufbruch. Das frisch renovierte Haus Zirngast – nach Brand wiederauferstanden wie ein Versprechen – wurde an diesem Abend zur Bühne für das, was die österreichische Küche derzeit am besten kann: Haltung zeigen, ohne laut zu werden. Neun Köch:innen. Neun Gänge. Und ein Gedanke, der sich durchzieht wie ein roter Faden: Alleine kocht man gut. Gemeinsam besser.

Die Gastgeber Andrea und Marcel Zirngast, flankiert von der Chefin der Österreich Werbung Astrid Steharnig-Staudinger und Unterwirtin Sabrina Steindl.
Die Gastgeber Andrea und Marcel Zirngast, flankiert von der Chefin der Österreich Werbung Astrid Steharnig-Staudinger und Unterwirtin Sabrina Steindl. © Martin Huber

Der Abend, offiziell als „Taste of JRE Austria“ angesetzt, soll mehr als nur ein Side-Event zur MICHELIN Guide Ceremony sein. Ein Vorgeschmack auf das, was die Region unter dem programmatischen Titel The Heart of Food in den kommenden Tagen und hoffentlich darauffolgenden Monaten und Jahren verspricht: Kulinarik als verbindendes Element.

Kulinarischer Hausherr Thomas Gruber unterstützt Roland Huber bei seinem Dessert.
Kulinarischer Hausherr Thomas Gruber unterstützt Roland Huber bei seinem Dessert. © Martin Huber

Neun Gänge, ein Netzwerk

Was auf dem Papier nach Menüfolge klingt, ist in Wahrheit ein choreografiertes Zusammenspiel. Namen wie Klemens Gold, Thomas Gruber, Roman Pichler oder Josef Steffner stehen nicht nur für individuelle Handschrift, sondern für ein Netzwerk, das bewusst auf Austausch setzt. Die Jeunes Restaurateurs Österreich wollen kein elitäres Zirkelwesen sein, sondern ein lebendiges System. 44 Betriebe, verteilt über alle Bundesländer – verbunden durch die Überzeugung, dass Qualität nicht im Wettbewerb, sondern im Dialog wächst.

Graukäse, Holunder, Pastinake von Christian Rannacher vom Unterwirt in Tirol.
Graukäse, Holunder, Pastinake von Christian Rannacher vom Unterwirt in Tirol. © Martin Huber

Und so wird dieser Abend auch gelesen: als kulinarische Antwort auf eine Branche, die sich neu sortieren muss. Fachkräftemangel, steigende Kosten, veränderte Gästebedürfnisse – die Herausforderungen sind bekannt. Die Reaktion der JRE ist bemerkenswert unaufgeregt: Man rückt zusammen. Begleitet wird das Ganze von den Weinen der STK – ein Schulterschluss, der fast schon symbolisch wirkt. Auch hier: Gemeinschaft statt Einzelkämpfertum.

Waren repräsentativ für die STK-Winzer vor Ort: Erich Polz und Wolfgang Maitz schenkten die Weine ihrer Kollegen aus.
Waren repräsentativ für die STK-Winzer vor Ort: Erich Polz und Wolfgang Maitz schenkten die Weine ihrer Kollegen aus. © Martin Huber
Auch der Kärntner Sternekoch Roman Pichler war am Start und konnte mit Saiblingsnockerl überzeugen.
Auch der Kärntner Sternekoch Roman Pichler war am Start und konnte mit Saiblingsnockerl überzeugen. © Martin Huber

Mehr als ein Abend

Der Termin ist klug gewählt. Kurz nach der Präsentation des neuen Michelin Guides, mitten in einer Region, die sich bewusst als kulinarisches Zentrum inszeniert. Doch der eigentliche Wert dieses Abends liegt nicht in Sternen oder Punkten. Er liegt im Miteinander. Denn während vielerorts noch darüber diskutiert wird, wie sich Gastronomie neu erfinden muss, zeigt dieser Abend eine einfache Antwort: gar nicht allein.

Josef Steffner vom Mesnerhaus servierte Lungauer Eachtling mit konfiertem Eidotter.
Josef Steffner vom Mesnerhaus servierte Lungauer Eachtling mit konfiertem Eidotter. © Martin Huber

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft von „Taste of JRE Austria“ – und damit auch der stille Auftakt zu „The Heart of Food“: Dass die Zukunft der Küche nicht im Wettbewerb entschieden wird. Sondern am gemeinsamen Tisch.