Es gibt Tage im Jahr, da ist Essen plötzlich mehr als nur Nahrungsaufnahme. Der Valentinstag ist so einer. Da zählt nicht die Kalorie, sondern der Augenaufschlag. Nicht die Portionsgröße, sondern die Frage: „Liegt mir das morgen noch im Magen?“ Und genau an dieser heiklen Stelle tritt Jaimy Reisinger auf den Plan – Pâtissière, Pop-up-Köchin, Süßspeisen-Dompteurin und neuerdings auch diskrete Verbündete der romantischen Leichtigkeit.
Video – So wird es gemacht
Reisinger hat sechs Jahre Spitzengastronomie hinter sich, was in dieser Branche ungefähr so viel bedeutet wie ein abgeschlossenes Hochleistungsstudium in Stressresistenz. Jetzt macht sie „ihr eigenes Ding“, wie man das heute nennt, wenn jemand weiß, was er tut, und trotzdem alles neu denkt. Ihr Konzept heißt „Bija“ – ein Wort aus dem Sanskrit, das Samen, Ursprung, Anfang bedeutet. Passt gut, denn was da keimt, ist eine sehr moderne Idee von Dessert: leicht, verspielt, technisch präzise – und ganz bewusst nicht pappsüß. Die Premiere steigt an zwei Pop-up-Abenden, am 13. und 14. Februar im Grazer Gewürzhaus Van den Berg.
Gleich nachmachen!
Zum Valentinstag serviert Reisinger ein Gericht, das schon beim Namen verdächtig wird: Mango-Passionsfrucht-Salat mit Safran-Espuma. Kein Schokoladenexzess, keine Obersorgie, keine kulinarische Umarmung, aus der man nur mit Mühe wieder auftaucht. Sondern Frische. Säure. Schärfe. Und diese Gewürz-Magie, bei der man sich fragt, ob das jetzt noch Einbildung ist oder schon Wirkung.
Mango und Passionsfrucht sind ja an sich schon die extrovertierten Cousins unter den Früchten. Süß, saftig, leicht tropisch übermotiviert. Dazu ein Spritzer Limette – ohne Zucker, bewusst. Denn wer flirtet, darf ruhig Ecken zeigen. Ein bisschen Chili kommt auch dazu. Fördert die Durchblutung, sagt man. Was im medizinischen Kontext nüchtern klingt, bekommt am 14. Februar plötzlich eine ganz andere Note.
Krönung ist der Safran-Espuma. Safran, dieses Gewürz, das teurer ist als so mancher Blumenstrauß und seit Jahrhunderten als Stimmungsaufheller gilt. Fett braucht er, sagt Reisinger, Obers ist sein bester Freund. Honig kommt dazu, ein wenig Gelatine, Eiklar für die Fluffigkeit. Heraus kommt ein Espuma, so leicht, dass er mehr schwebt als liegt. Einer, der nicht satt macht, sondern neugierig.
Dekoriert wird mit einer Vanille-Hippe, leicht bestäubt mit Madras-Curry. Vanille, sagt Reisinger, davon kann man nie zu viel verwenden. Die Hippe bringt Knusper, das Curry Würze – und spätestens hier ist klar: Das ist kein Dessert zum Nebenbei-Essen. Das ist ein Gesprächsstarter auf dem Teller. Natürlich schwingt bei all dem das große „Vielleicht“ mit. Vielleicht wirkt das aphrodisierend. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es nur die Kombination aus Schärfe, Säure und Safran, die den Puls minimal beschleunigt. Vielleicht aber auch einfach das gute Gefühl, nach dem Essen noch Platz für alles andere zu haben, was ein Valentinsabend so bereithält.
Sicher ist: Dieses Gericht ist kein Liebesversprechen, aber eine Einladung. Zum Teilen. Zum Kosten. Zum Lächeln über goldene Löffel, Mangokerne als Glücksspiel und Safran, der bloß nicht aufkochen darf, weil er sonst „medizinisch“ wird – was man an diesem Tag wirklich niemandem wünscht. Und wenn am Ende alles gut geht, war es entweder die Liebe. Oder die Mango. Oder beides.