Wie lange Babys gestillt werden, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Information und Begleitung ihre Mütter bekommen: Daher findet jedes Jahr in der 40. Kalenderwoche die Weltstillwoche statt. "Muttermilch ist eine geniale Komposition", sagt Kinderarzt Berndt Urlesberger, der die Neonatologie der Med Uni Graz leitet. Sie verändert sich im Wachstumsprozess des Kindes - so ist die Milch von Müttern Frühgeborener eiweißreicher, damit Frühchen rasch zunehmen.

Der wahre Joker der Muttermilch ist jedoch, dass sie sogenannte bioaktive Substanzen mitliefert: Das sind Enzyme, die dem Baby bei der Verdauung der Muttermilch helfen. Und vor allem alle Antikörper, die die Mutter im Laufe ihres Lebens gebildet hat. Diese Immunglobuline formen das Immunsystem des Kindes - und zwar perfekt auf sein Lebensumfeld abgestimmt.

Weniger Allergien

Dadurch haben gestillte Kinder ein geringeres Risiko, Allergien zu entwickeln. Und: Gestillte Kinder werden im Erwachsenenalter auch seltener übergewichtig als Babys, die Fertignahrung bekommen. Dafür sei laut Urlesberger das Eiweiß mitverantwortlich: Babynahrung basiert auf Kuhmilch, die die dreifache Menge Eiweiß enthält. Dadurch werden im Körper Wachstumshormone angeregt, die im späteren Leben zu Übergewicht führen können. Und noch viele weitere Vorteile bringt das Stillen: Klicken Sie sich durch die Fotoserie:

 

"Der häufigste Grund, warum Mütter früh abstillen, ist die Angst, dass ihr Kind zu wenig Milch bekommt", erklärt Hebamme Moenie van der Kleyn (FH Joanneum). Doch diese Angst sei unbegründet: Wenn das Kind regelmäßig Stuhl hat und mindestens acht Mal am Tag trinkt, sei es gut versorgt. Damit das Stillen funktioniert, rät Urlesberger zu Gelassenheit: "Mütter sollen sich nicht unter Druck setzen, sondern auf die Natur vertrauen."

"Nicht immer einfach"

„Stillen ist ganz natürlich, aber nicht immer einfach“, erklären die leitenden Hebammen Beate Lamprecht vom Klinikum Klagenfurt und Lydia Liebhart vom LKH Villach. „Obwohl der Großteil der Mütter in Österreich mit dem Stillen beginnt, werden nicht einmal die Hälfte der Kinder bis zum sechsten Lebensmonat ausschließlich von Mamas Milch ernährt.“

Ist das Stillen aber nicht möglich, bietet Babynahrung eine sehr gute Alternative, die nur nicht ganz so "genial" sei wie Muttermilch, sagen die Experten.