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Schmerzherd Rücken

Rückenschmerzen gelten weithin als die Volkskrankheit Nummer eins. Oberarzt Peter Ferlic im Interview über den „richtigen“ Arbeitsplatz und weniger Schmerz im Homeoffice.

Praktisch jeder leidet zumindest einmal im Leben unter Rückenschmerzen © markoaliaksandr - stock.adobe.com
 

Weshalb ist eine gute Haltung so wichtig?
Peter Ferlic: Haltung ist zwar im Leben wichtig, jedoch gibt es nicht eine alleinige „gesunde“ Körperhaltung. Vielmehr kommt es auf Abwechslung und eine ausgeglichene Aktivierung der Muskulatur an. In einer zusammengekauerten Körperhaltung, wie sie viele im Sitzen einnehmen, wird die Muskulatur nur einseitig belastet. Die bessere Haltung im Sitzen orientiert sich am aufrechten Stand, es sind dabei sämtliche Muskeln gleichmäßig aktiv. Sogenannte haltungsbedingte Rückenbeschwerden sind primär funktioneller Natur. Das heißt, dass zum Beispiel das Zusammenspiel zwischen den Muskeln am Rumpf nicht ausgeglichen ist, wodurch Verspannungen auftreten, aber keine Erkrankung der Wirbelsäule dahintersteht.

Wie sieht die optimale Körperhaltung aus?
Grundsätzlich sollte man versuchen, möglichst aufrecht zu sitzen und zu stehen. Falsch ist die Annahme, dass man in der „einen“ korrekten Haltung verharren sollte. Das ist genauso schlecht. Stattdessen sollte man fortlaufend in Bewegung bleiben. Für eine konstante Haltung ist der menschliche Körper nicht gebaut. Auf diese Weise wären immer dieselben Muskelgruppen aktiviert, was auf Dauer zu Dysbalancen führt.
Macht sich das Homeoffice beim Patientenaufkommen bemerkbar?
Bei uns an der Universitätsklinik werden in erster Linie schwerere Erkrankungen der Wirbelsäule behandelt. Durch das Homeoffice treten eher Verspannungen und funktionelle Probleme auf, Betroffene wenden sich mit solchen Beschwerden meist an Hausärzte und niedergelassene Orthopäden. Von diesen hört man allerdings, dass vermehrt ansonsten gesunde Menschen mit Rückenschmerzen zu ihnen kommen. Die Umstellung von einem ergonomischen Arbeitsplatz zu einem improvisierten im Homeoffice kann sich auf jeden Fall durch tendenziell mehr Rückenschmerzen bemerkbar machen. Die aktuelle Situation hat aber keine langfristige Auswirkung auf die Rückengesundheit der meisten.

Dr. Peter Ferlic Foto © KK

Welche Folge hat ein nicht ­ergonomischer Arbeitsplatz im Homeoffice auf die Dauer?
Die Frage ist dabei, von welchem Zeitraum wir sprechen. Je länger man an einem nicht ergonomischen Arbeitsplatz tätig ist, desto stärker werden die Beschwerden. Wenn ich zum Beispiel nur einen Tag lang in verkrampfter Haltung arbeite, werden die daraus resultierenden Verspannungen verschwinden, sobald ich mich entsprechend bewege. Wenn dieser Zustand allerdings zur Norm wird, werden daraus längerfristige Schmerzen und Verspannungen resultieren – aber zum Glück keine schweren Erkrankungen. Das Homeoffice muss für die Rückengesundheit aber nicht unbedingt etwas Negatives sein, sondern kann auch Vorteile bringen. Die meisten Menschen brauchen mindestens 15 Minuten für ihren Weg in die Arbeit. Diese Zeit kann nun für Sport genutzt werden, zum Beispiel für eine online angebotene Yogaeinheit. Zudem ergibt sich im Homeoffice die Möglichkeit, Pausen für Bewegung oder kurze Spaziergänge zu nutzen. Arbeitsmedizinisch wird ein möglichst ergonomischer Arbeitsplatz empfohlen. Das heißt, zum Beispiel der Oberrand des Bildschirms sollte sich auf Augenhöhe befinden. Die meisten arbeiten im Homeoffice allerdings auf einem Laptop. Durch den fortwährenden Blick nach unten ergibt sich so eine verkrampfte Haltung.

Tipps für einen gesunden Rücken

Stets mobil: Langes Sitzen vermeiden.
Sport: Jeder Sport ist besser für den Rücken als keine ­Bewegung!
Bei Rückenschmerzen: Meist ist Aktivität bei einfachen Rückenschmerzen förder­licher als Ruhe.
Nur Mut: Alltagsaktivi­täten strapazieren die ­Wirbelsäule nicht.
Weitere Tipps gibt es bei der europäischen Wirbelsäulengesellschaft: www.eurospinepatientline.org

Worauf sollte man bei der Einrichtung seines Homeoffice besonderen Wert legen?
Da es sich für viele um eine vorübergehende Situation handelt und daher Investitionen in entsprechende Hardware meist keine Option sind, sind hier kreative Lösungen gefragt. Ideal wäre natürlich ein großer Bildschirm oder ein höhenverstellbarer Tisch. Alternativ kann der Laptop auf ein dickes Buch gestellt werden, um mit geradem Blick arbeiten zu können. Ich selbst habe zum Beispiel während des ersten Lockdowns mein Bügelbrett hochgestellt, sodass ich auf diesem mit dem Laptop im Stehen arbeiten konnte. Auch eine gewissen zeitliche Struktur, so wie man sie im Büro hätte, ist im Homeoffice wichtig. In der Mittagspause kann man sich kurz Zeit nehmen, um eine Runde zu spazieren und kleinere fixe Pausen können für Dehnübungen genutzt werden. Zudem sollte man immer wieder kurz aufstehen und sich bewegen. Dadurch wird das Verharren in eine verkrampfte Haltung verhindert.

Der menschliche Körper ist nicht dazu ausgerichtet, lange in derselben Position zu verharren.

Peter Ferlic, Oberarzt Team für Wirbelsäule, Universitätsklinik

Welchen Nutzen haben diverse Haltungskorrekturgurte, wie sie vermehrt im Internet angeboten werden?
Fast jeder Mensch hat zumindest einmal im Leben Rückenschmerzen. Dadurch ergeben sich für Unternehmen viele potenzielle Kunden. Um Rückenschmerzen effektiv zu begegnen, bedarf es aber meist keines großen finanziellen Aufwandes, vielmehr kommt es darauf an, sich einfach zu bewegen. Haltungskorrekturgurte verhelfen zwar zu einer geraden Haltung, allerdings wird man üblicherweise passiv aufgerichtet. Viel wichtiger ist es aber, die eigene Muskulatur zu aktivieren, denn langfristig und vor allem auch vorbeugend hilft nur Bewegung und körperliche Aktivität.

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