Die Meldung über einen Diphtherie-Todesfall in Österreich hat am Donnerstag in Erinnerung gerufen, dass es sich bei der klassischen Diphtherie um eine schwere Infektionskrankheit handelt, die ohne adäquate Therapie tödlich enden kann. Dies hält die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) als Nationale Referenzzentrale für Diphtherie online fest. Grund zur Sorge besteht für die großteils geimpfte heimische Bevölkerung nicht, Fälle sind im Inland zudem selten.

Diphtherie wird durch bestimmte toxinbildende Bakterien verursacht, Corynebacterium diphtheriae. Bei der nun in zwei Fällen in Österreich aufgetretenen respiratorischen Diphtherie spricht man von der klassischen Diphtherie. Auch Wund- und Hautdiphtherie kommen vor, aber selten, erläutert das Gesundheitsministerium auf seiner Internetseite.

Ansteckung und Symptome 

Das ursprüngliche Reservoir von Corynebacterium diphtheriae ist der Mensch, im Tierreich kommen andere Corynebakterien vor. Die Übertragung erfolgt bei respiratorischem Befall in der Regel über Tröpfchen. Bei der Hautdiphtherie sind es der direkte Kontakt mit offenen Wunden oder mit infektiösen Ausscheidungen. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis fünf Tage, selten wenige Tage länger.

Symptome bei der Rachendiphtherie sind zunächst Halsschmerzen, hohes Fieber, Schluckbeschwerden mit darauffolgender Heiserkeit, ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen und Schwellungen der Halslymphknoten. Die Bakterien siedeln sich im Rachen – besonders in der Gegend der Mandeln – an, vermehren sich mit weißlich-gräulichen oder bräunlichen Schleimhautbelägen und bilden ihren Giftstoff (Toxin).

Schwerer Verlauf 

Die schwere Verlaufsform kann durch die Toxinwirkung schwere Schädigungen hervorrufen, besonders an der Herzmuskulatur und an Nerven, Nieren und Leber. Behandelt wird Diphtherie mit Diphtherie-Antitoxin. Das ist das Gegengift, das im Körper im Rahmen der Infektion bereits gebildet wurde. Zusätzlich werden Antibiotika verabreicht.

In Ländern mit hoher Durchimpfungsrate ist die Diphtherie sehr selten geworden. In vielen Regionen der Welt ist sie aber nach wie vor endemisch, wie etwa Fern- und Nahost, Südamerika oder Afrika. In Österreich wurde in den vergangenen zehn Jahren eine tendenzielle Zunahme der an die Nationale Referenzzentrale für Diphtherie eingesandten Proben festgestellt, heißt es im Diphtherie-Jahresbericht 2021 der Ages. Der Anteil von toxinbildenden Erkrankungen blieb auf einige wenige Fälle beschränkt. Im Jahr 2014 wurden allerdings – erstmals nach über 20 diphtheriefreien Jahren in Österreich – zwei Fälle von importierter Wunddiphtherie diagnostiziert und in einzelnen Jahren seither ebenfalls sporadische Fälle.

In Europa hat die Zahl der Fälle, die auf Corynebacterium diphtheriae zurückzuführen sind, laut dem AGES-Bericht in den vergangenen Jahren zugenommen, insbesondere die der importierten Hautdiphtherie. Im Jahr 2016 verlief in Belgien ein Fall von Rachendiphtherie bei einem dreijährigen, nicht geimpften Kind tödlich. 2015 war ein tödlicher Fall von Rachendiphtherie bei einem sechsjährigen, nicht geimpften Kind in Spanien dokumentiert worden.

Mit der Prävention durch Impfung sollte also bereits im Kindesalter begonnen werden. Nach der dreiteiligen Grundimmunisierung im Säuglingsalter und der Auffrischung im siebenten bis neunten Lebensjahr laut Gratis-Kinderimpfprogramm wird bis zum vollendeten 60. Lebensjahr eine Auffrischung als Kombinationsimpfstoff mit Tetanus, Pertussis (und ggf. Polio) alle zehn Jahre sowie ab dem vollendeten 60. Lebensjahr alle fünf Jahre empfohlen. Bei geimpften Personen kann ein abgeschwächter Verlauf vorkommen, dieser ähnelt klinisch einer bakteriellen Angina oder Pharyngitis (Rachenentzündung).