Seuchenbehörde ECDC: Auffrischungsimpfung nicht allgemein nötig

Die Europäische Seuchenbehörde ECDC ist der Meinung, dass eine Auffrischungsimpfung nicht für die breite Bevölkerung notwendig ist. Sehr wohl aber für jene Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist.

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© APA/THEMENBILD
 

Die europäische Seuchenbehörde ECDC sieht gegenwärtig keine dringende Indikation für Auffrischungsimpfungen bei komplett Geimpften. Die Behörde verweist auf die vorliegenden Daten. „Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht keine dringende Notwendigkeit, Auffrischungsdosen an vollständig geimpfte Personen in der Allgemeinbevölkerung zu verabreichen“, so das ECDC. „Die Priorität sollte darin bestehen, die infrage kommenden Personen zu impfen, die ihre Impfung noch nicht abgeschlossen haben.“

Bei einigen Personen mit einem geschwächten Immunsystem hingegen, sollte dagegen jetzt schon eine derartige Drittimpfung erwogen werden, heißt es am Mittwochabend. Ähnliches sagten auch österreichische Expertinnen und Experten am Dienstag, die vor allem Krebs- und Hochrisikopatienten den dritten Stich nahelegen.

Umfangreiche Untersuchungen

Wie lange die Immunität wirklich anhält, ist noch Gegenstand umfangreicher Untersuchungen. Es gibt Studien, die besagen, dass vor allem die zelluläre Immunantwort länger als einige Monate anhält. Dem gegenüber stehen die belegt sinkenden Antikörper, weswegen etwa auch Israel schon eine breit angelegte Kampagne zum dritten Stich gestartet hat.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Praxis der EU in Bezug auf die Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 wegen der weltweiten Ungleichverteilung des Impfstoffs kritisiert. Dies wurde aber vonseiten der Europäischen Union zurückgewiesen. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sagte am Mittwoch, die EU benötige für mögliche Auffrischungsimpfungen geschätzt 300 bis 350 Millionen Impfdosen - so viel Corona-Impfstoff werde in der EU in einem Monat produziert.

Zielvorgabe

Die WHO hatte das Ziel formuliert, dass jedes Land bis Ende September mindestens zehn Prozent seiner Bevölkerung geimpft haben soll. Bis Ende des Jahres sollen es 40 Prozent sein und 70 Prozent bis Mitte 2022. Davon sind viele Länder noch sehr weit entfernt.

"Ich verstehe die Botschaft, aber die Zahlen geben das nicht her", sagte Breton, der für den Ausbau der Produktionskapazitäten in der EU zuständig ist. Zusammengenommen produzierten die EU und die USA 500 bis 600 Millionen Impfdosen pro Monat. Die EU exportiere zudem hunderte Millionen Impfdosen in bedürftige Länder.

WHO plädiert: Impfstoff fairer verteilen

Die WHO hatte die reichen Länder im August aufgefordert, auf Auffrischungsimpfungen zu verzichten, solange viele Millionen Menschen in armen Länder noch auf ihre erste Impfdosis warten. WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan sagte, Länder wie die USA, die bereits mit Auffrischungsimpfungen begonnen haben, teilten "zusätzliche Rettungswesten an Menschen" aus, "die schon Rettungswesten haben, während wir andere Menschen ertrinken lassen".

 

Kommentare (1)
umo10
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