Zunahme an FällenOsteoporose wird in Österreich immer "männlicher"

Studie von Grazer und Vorarlberger Wissenschafterinnen und Wissenschaftern zeigt eine Abnahme der Oberschenkelhalsbrüche bei Frauen. Die Zahl der Männer mit Hüftfrakturen im Spital steigt ständig.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Osteoporose
© (c) crevis - stock.adobe.com
 

Bei den Daten zu Osteoporose-Knochenbrüchen ist Österreich in den vergangenen Jahrzehnten im internationalen Vergleich schlecht gelegen. Jetzt zeichnet sich laut einer neuen Studie eine Besserung ab. Die Häufigkeit von Oberschenkelhalsbrüchen nimmt besonders bei Frauen ab. Die Absolutzahlen bei Männern haben sich in den vergangenen 30 Jahren konstant erhöht und mehr als verdoppelt.

"30 Jahre Inzidenz (Häufigkeit pro 100.000/Jahr; Anm.) von Hüftfrakturen in Österreich. Ist das schlimmste vorüber?", schrieben jetzt Hans Peter Dimai (Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der MedUni Graz) und die Co-Autoren in ihrer wissenschaftlichen Studie (Osteoporosis International), in der sie die vorliegenden Daten einer ähnlichen Untersuchung mit dem Zeitraum 1989 bis 2008 verwendeten und die Informationen für die Jahre bis 2018 anschlossen.

Knochenschwund

Die Osteoporose ist mit einer im höheren Alter stark abnehmenden Knochendichte und -Festigkeit in Österreich ein Riesenproblem. Rund 370.000 Frauen und etwa 90.000 Männer dürften an krankhaftem Knochenschwund leiden. Laut Experten werden nur rund 20 Prozent der Fälle diagnostiziert. Selbst nach einer ersten Fraktur erhielten nur etwa 22 Prozent der Betroffenen eine Therapie, hieß es von Experten im Jahr 2018. Bei der Zahl der Oberschenkelhalsbrüche würde man im internationalen Vergleich sehr schlecht abschneiden. Die Kosten durch Osteoporose wurden für Österreich auf mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

Allerdings könnte sich für die jüngere Vergangenheit eine Verbesserung der Situation abzeichnen. Die Wissenschafter: "Die Gesamtzahl der Hüftfrakturen erhöhte sich von 13.984 (2009) auf 14.640 (2015) und fiel dann auf 14.457 im Jahr 2018 - dies trotz einen ständigen Anstiegs bei den Männern." 2010 sei es mit 476 Fällen von Oberschenkelhalsbrüchen pro 100.000 Einwohnern über 50 Jahren (altersstandardisiert) zum Gipfelpunkt der vorläufigen Entwicklung gekommen. Bis 2018 ist dieser Inzidenzwert auf 408 pro 100.000 Personen in der Altersgruppe über 50 gefallen. Das ist laut den Wissenschaftern vor allem auf die Entwicklung bei den Frauen zurückzuführen. Insgesamt könne das als ein Trend in eine positive Richtung gedeutet werden, weil die altersstandardisierte Häufigkeit bei Männern und Frauen zurückgegangen sei.

Osteoporose

Knochenbrüche durch Osteoporose bedeuten für die Betroffenen auch ein erhöhtes Sterberisiko. Die Mortalität von Frauen mit einem Wirbelkörpereinbruch steigt auf das Fünffache, nach Hüftfrakturen verdoppelt es sich.

Nach Oberschenkelhalsbrüchen ist die Sterblichkeit innerhalb der ersten drei bis sechs Monate am größten. 20 bis 30 Prozent der Sterbefälle sind direkt mit den Komplikationen durch eine Hüftfraktur verbunden. So enden Stürze Hochbetagter durch diese Verletzung oft tödlich.

Unterschiedliche Entwicklung bei Männern und Frauen

Bei den Spitalsdaten zeigt eine Grafik der Autoren die deutlich unterschiedliche Entwicklung von Männern und Frauen bei den absoluten Zahlen. Die Zahl der jährlichen Krankenhausentlassungen nach Hüftfraktur betrug für Frauen im Jahr 1989 etwas unter 8.000, um bis 2018 auf etwas mehr als 11.000 anzusteigen. Bei Frauen lässt sich eine Abnahme bereits eine Abnahme ab 2005 beobachten. Die Zahl der Männer, die wegen einer Hüftfraktur im Krankenhaus versorgt werden müssen, stieg von 1989 (rund 2.000) kontinuierlich an. Sie erreichte 2018 etwa 5.000. Jedenfalls wird die Osteoporose derzeit offenbar "männlicher" und reduziert in der Gesamtsicht die positive Entwicklung bei den Frauen.

Wahrscheinlich gibt es keine einfache Erklärung für die relativ positive Entwicklung. Ein möglicher Faktor könnte die Zunahme der Zahl der Übergewichtigen sein. Ein höherer Body-Mass-Index (BMI) wird mit weniger Osteoporose in Verbindung gebracht. Bei den Frauen könnte auch die in den vergangenen Jahrzehnten häufiger verwendete Hormonersatztherapie nach der Menopause eine Rolle gespielt haben. Darüber hinaus dürfte sich die Ernährung langfristig verbessert, die Raucherquote in der älteren Bevölkerung reduziert haben. Seit rund 20 Jahren gibt es auch wirksame Osteoporosemedikamente, die breit eingesetzt werden. Dazu ist aber die Diagnose eines krankhaften Knochenschwundes notwendig.

 

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!