Dossier
Covid-19-Impfung

Wer wird zuerst geimpft? Greift der Impfstoff in mein Erbgut ein?

In Österreich hat das große Impfen gegen Covid-19 begonnen. Wir haben schon vorab Experten um die wichtigsten Antworten gebeten: Welche Nebenwirkungen sind aufgetreten? Wer wird zuerst geimpft? Sonja Krause, Maria Schaunitzer, Sebastian Krause, Claudia Gigler, Michael Jungwirth, Anna Stockhammer, Michi Kloiber

Am 27. Dezember hat die Impfkampagne gegen Covid-19 in Österreich begonnen: Die Pensionistin Theresia Hofer ist als erste Österreicherin gegen das Coronavirus geimpft worden. Ursula Wiedermann-Schmidt, Vorsitzende der österreichischen Impfkommission, injizierte Hofer und vier weiteren Patienten je eine Dosis der ersten in der EU zugelassenen Corona-Vakzine von BioNTech/Pfizer.

Wir haben Kleine-Zeitung-Leser schon vorab dazu aufgerufen, uns ihre Fragen zum Impfstoff gegen Covid-19 zu schicken – zahlreiche Mails sind bei uns eingegangen. Beantwortet werden die Fragen unter anderem mit den Experten Clemens Maria Auer, Covid-Sonderbeauftragter im Gesundheitsministerium, Markus Zeitlinger, Vorstand der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der Med Uni Wien und Herwig Kollaritsch, Infektionsexperte und Mitglied des nationalen Impfgremiums.

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Die medizinischen Fakten

Wie kann es sein, dass die Impfstoffe innerhalb so kurzer Zeit zugelassen wurden?

„Es gab schon einen riesigen Startvorteil, da man bereits Anfang Jänner die Virussequenz hatte und daher wusste, gegen welche Ziele am Virus sich der Impfstoff richten muss“, sagt Zeitlinger. Weiter beschleunigt wurde der Prozess dadurch, dass die Studienphasen ineinander verschachtelt wurden, wie der Experte erklärt: „Normalerweise mache ich die ersten Studien an Menschen mit verschiedenen Produkten, schaue mir dann an, welches ist das Beste, und picke mir das heraus. Dann beginne ich die nächste Studie zu planen“, sagt Zeitlinger – so vergehen Monate, bis der nächste Studienschritt überhaupt startet. In der Corona-Pandemie allerdings wurden diese nächsten Studienphasen schon geplant, während die vorhergehende Studie noch am Laufen war. „Hätte der Impfstoff nicht funktioniert, hätten die Firmen einfach Pech gehabt – dieses Risiko ist man eingegangen“, sagt Zeitlinger.

Auch Florian Krammer, Impfstoffforscher mit steirischen Wurzeln in New York, sagt: "Was den Unterschied ausgemacht hat, war, dass kein Gedanke daran verschwendet werden musste, wie viel Geld hier verbraucht wird." Innerhalb kürzester Zeit wurden Milliarden ausgegeben - unter normalen Umständen versuchen Herstellerfirmen finanzielle Risiken tunlichst zu vermeiden, da sich erst nach einer Phase-3-Studie herausstellen kann, dass der Impfstoff nicht wirksam genug ist. Abgefedert durch Förderungen durch die öffentliche Hand spielte der Faktor Geld in der Pandemie aber keine Rolle.

Steckbrief: Impfstoff von Biontech/ Pfizer

  • Comirnaty ist ein Impfstoff gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2. Der Impfstoff wurde bislang in einer Studie mit etwa 43.500 Teilnehmenden erprobt. Nach den Ergebnissen kann er vor Covid-19 schützen, der Erkrankung durch dieses Virus. Vorübergehende Nebenwirkungen der Impfungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Kopfschmerzen oder Muskel- oder Gelenkschmerzen sind zwar häufig, bleiben aber meist leicht.
  • Comirnaty ist ein sogenannter mRNA-basierter Impfstoff (mRNA = Messenger-Ribonukleinsäure).
  • Comirnaty ist ein Totimpfstoff. Bei der Impfung werden keine Viren übertragen.
  • Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat den Impfstoff Comirnaty am 21. Dezember 2020 in Europa zur Zulassung für Personen ab 16 Jahren empfohlen.
  • Comirnaty wird in die Muskulatur eines Oberarms gespritzt. Es sind zwei Spritzen erforderlich: Die zweite Impfdosis wird 3 Wochen nach der ersten gegeben.
  • Wer nahm an den Studien teil? Die Teilnehmenden waren zwischen 12 und 91 Jahren alt. Etwa 40 % waren älter als 55 Jahre. Die Personen entsprachen grundsätzlich in etwa der normalen Bevölkerung: Neben Gesunden nahmen auch Personen mit leichteren Erkrankungen oder chronischen Krankheiten teil. Darunter waren auch Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes, bei denen das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöht ist. Es nahmen etwa gleich viele Frauen und Männer teil.

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Greift der Covid-Impfstoff in mein Erbgut ein?

Zeitlinger beruhigt: „Diese Impfstoffe können nicht in unsere DNA eingreifen.“ Der Experte erklärt das mit einem Vergleich: Die DNA ist wie ein Kochbuch voll mit Rezepten, um bestimmte Eiweißstoffe herzustellen. Das Rezept wird mittels der Messenger-RNA zu den Zellfabriken transportiert und dort hergestellt. Über den Impfstoff wird ein solches Rezept in den Körper gebracht und in den Zellfabriken produziert. „Das Rezept wird danach einfach verworfen, vom Körper abgebaut. Das Rezept kann sich nicht in das gebundene Buch unserer DNA eingliedern, das ist molekularbiologisch unmöglich“, sagt Zeitlinger.

Ich hatte bereits Covid-19, brauche ich trotzdem eine Impfung?

Infektionsexperte Herwig Kollaritsch sagt: „Wir wissen noch nicht, wie lange ein Mensch nach einer Covid-19-Erkrankung immun gegen das Virus ist.“ Dass eine Immunität nach der Erkrankung besteht, davon gehen Experten jedoch aus – gibt es weltweit trotz Millionen Infizierter doch nur einige wenige beschriebene Fälle, wo es nach einer durchgemachten Infektion zu einer zweiten Ansteckung kam. „Wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, können sich auch Menschen, die bereits Covid-19 hatten, impfen lassen – es kann dadurch nichts passieren, die schon vorhandene Immunität wird durch die Impfung verstärkt“, sagt Kollaritsch. Ist der Impfstoff allerdings knapp, genüge es, sich nach sechs Monaten impfen zu lassen – denn so lange hält die Immunität nach der Erkrankung mindestens an, das traue man sich heute schon zu sagen. Wer wissen will, ob er schützende Antikörper hat, sollte laut dem Virologen Lukas Weseslindtner (Med Uni Wien) einen sogenannten Neutralisationstest machen: Dieser misst, ob vorhandene Antikörper das Virus auch wirklich unschädlich machen.

Steckbrief: Impfstoff von Moderna

  • Moderna ("Covid-19 Vaccine Moderna") ist ein Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Der Impfstoff wurde bislang in einer Studie mit etwa 30.000 Teilnehmenden erprobt. Nach den Ergebnissen kann er vor Covid-19 schützen. Vorübergehende Nebenwirkungen der Impfungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Kopfschmerzen oder Muskel- oder Gelenkschmerzen sind zwar häufig, bleiben aber meist leicht.
  • Moderna ist ein sogenannter mRNA-basierter Impfstoff (mRNA = Messenger-Ribonukleinsäure).
  • Moderna ist ein Totimpfstoff. Bei der Impfung werden keine Viren übertragen.
  • Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat den Impfstoff Moderna am 6. Januar 2021 in Europa zur Zulassung für Personen ab 18 Jahren empfohlen.
  • Moderna wird in die Muskulatur eines Oberarms gespritzt. Es sind zwei Spritzen erforderlich: Die zweite Impfdosis wird 4 Wochen nach der ersten gegeben.
  • Wer nahm an der Studie teil? Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 95 Jahren alt. Etwa 25 Prozent waren älter als 65 Jahre. Die Personen entsprachen grundsätzlich in etwa der normalen Bevölkerung: Neben Gesunden nahmen auch Personen mit leichteren Erkrankungen oder chronischen Krankheiten teil. Unter letzteren waren auch Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes oder COPD, bei denen das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöht ist. Es nahmen etwa gleich viele Frauen und Männer teil.
  • Wie wirksam ist die Impfung? Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, sank durch die  Impfung deutlich: Sie schützte die jüngere Altersgruppen etwas besser (96 %) als Menschen über 65 Jahren (86 %). Bei Menschen mit Vorerkrankungen war der Corona-Impfstoff ebenso wirksam.

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Was ist aus den Impfstoffstudien bekannt: Welche Nebenwirkungen sind aufgetaucht?

„Bevor wir einen Impfstoff tatsächlich verabreichen, werden die Impfstoffe einer Arzneimittelprüfung im Rahmen eines europäischen Zulassungsverfahrens unterzogen“, sagt Markus Zeitlinger. Nur wenn das Risiko-Nutzen-Profil positiv sei, würde der Impfstoff zugelassen. Laut Zeitlinger müsse man zum Thema Nebenwirkungen zwischen Impfreaktionen und Impfkomplikationen unterscheiden. „Impfreaktionen sind bei allen Impfungen aufgetreten, dazu gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, leichtes Fieber, aber alles nur kurzzeitig.“ Die Messenger-RNA-Impfstoffe seien „sehr potent“, zeigten eine hohe Schutzwirkung bis zu 95 Prozent, sagt Zeitlinger – daher könnten die Impfreaktionen auch stärker ausfallen. „Diese Symptome zeigen: Das Immunsystem reagiert und das ist gut so.“

Herwig Kollaritsch: "Bei der Pfizer-Biontech-Studie sind zwei Dinge aufgefallen: Unter den Geimpften traten vier Fälle einer vorübergehenden Lähmung eines Gesichtsnervs auf, Faszialisparese genannt. Die Häufigkeit, mit der das auftrat, entsprach aber der sogenannten Hintergrund-Inzidenz: Die Erkrankung ist nicht häufiger vorgekommen, als man sie auch in der Allgemeinbevölkerung ohne Impfung erwarten würde. Zweitens haben wir von zwei Fällen von allergischen Reaktionen gehört, darauf sollte man ein Augenmerk haben, aber auch das ist etwas, das sofort auftritt. Als impfender Arzt weiß man, wie man damit umgeht."

Die Studienprobanden wurden nur kurze Zeit beobachtet - was ist mit Langzeitfolgen?

Darauf antwortet Impfexperte Herwig Kollaritsch: "Die überwiegende Zahl von schweren Nebenwirkungen nach einer Impfung treten innerhalb der ersten zwei Monate auf. Alles, was danach auftritt, ist sehr selten und auch in der kausalen Relation zur Impfung strittig. Bei Influenza-Impfstoffen kann in ein bis zwei Fällen pro einer Million Geimpfter ein Guillain-Barré-Syndrom, eine Form der Nervenentzündung auftreten. So seltene Nebenwirkungen sind in Studien einfach nicht erfassbar, die Wahrscheinlichkeit dafür ist einfach zu gering."

Foto © Markus Zeitlinger, Med Uni Wien

Bin ich durch eine Impfung vollständig vor der Erkrankung geschützt oder kann ich trotzdem eine milde Form bekommen?

Zeitlinger: Die Studien waren darauf angelegt, Unterschiede bei symptomatischen Infektionen zu zeigen. Zehntausende Menschen wurden geimpft. Wenn ein Studienteilnehmer Beschwerden zeigte, wurde ein Coronatest gemacht. „Wir wissen noch nicht, wie viele andere ohne Symptome sich infiziert haben“, sagt der Experte. Ausgehend vom Wirkmechanismus der Impfstoffe sei es aber „extrem wahrscheinlich“, dass auch asymptomatische Erkrankungen verhindert würden. Das werde anhand von Blutproben der Studienteilnehmer noch untersucht.

Steckbrief: Impfstoff von AstraZeneca

  • Der Impfstoff von AstraZeneca („COVID-19 Vaccine AstraZeneca“) ist ein Impfstoff gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2. Der Impfstoff wurde bislang in vier Studien mit knapp 24.000 Teilnehmenden erprobt. Nach den Ergebnissen kann er vor Covid-19 schützen. Vorübergehende Nebenwirkungen der Impfungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, und Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen sind zwar häufig, bleiben aber meist leicht.
  • Der Impfstoff AstraZeneca ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff. Der Impfstoff besteht aus harmlosen, von Schimpansen stammenden Erkältungsviren, die den „Bauplan“ für ein Eiweiß auf der Oberfläche des Coronavius SARS-CoV-2 enthalten.
  • Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat am 29. Januar 2021 die Zulassung des Corona-Impfstoffs für Personen ab 18 Jahren empfohlen.
  • Das nationale Impfgremium in Österreich  empfiehlt den Impfstoff AstraZeneca nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren.
  • AstraZeneca wird in die Muskulatur eines Oberarms gespritzt. Es sind insgesamt zwei Spritzen erforderlich: Die zweite Impfdosis soll 4 bis 12 Wochen nach der ersten gegeben werden.
  • Wie wirksam ist die Impfung? Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, sank durch die Impfung mit AstraZeneca um etwa 60 Prozent.

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Kann ich trotz Impfung als Überträger in Frage kommen?

„Das lässt sich nicht hundertprozentig ausschließen“, sagt Zeitlinger – doch dieses Problem habe man auch ohne Impfung, da man sich
gesund fühlen und trotzdem ansteckend sein könne. Herwig Kollaritsch sagt: "Wir können heute einfach noch nicht sagen, ob die Impfung die Übertragung des Virus verhindert. Ich gehe aber davon aus, dass jemand, der geimpft ist und Antikörper gebildet hat in seiner Fähigkeit das Virus zu übertragen zumindest eingeschränkt ist. Das heißt: Er ist nicht so lange, nicht so massiv ansteckend. Abgesehen davon stellen wir bei den jetzigen Impfungen den Schutz des Einzelnen in den Vordergrund."

Die Impfung wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lebenslang schützen.

Markus Zeitlinger, Med Uni Wien

Wie lange wird der Impfschutz anhalten, wie oft muss die Impfung aufgefrischt werden?

Diese Daten fehlen noch, da sich der Beobachtungszeitraum erst über wenige Monate erstreckt. „Die Impfung wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lebenslang schützen“, sagt Zeitlinger. Es sei noch unklar, wann die Impfung aufgefrischt werden müsse. Einen Hinweis könnten jene Menschen geben, die in den allerersten Studienphasen geimpft wurden: Bei diesen einigen Hundert Probanden könne man untersuchen, wie sich die Antikörpertiter im Blut entwickelten. Was schon klar sei: Bei den drei Impfstoffen, die nun zugelassen sind, braucht es zur Grundimmunisierung zwei Teilimpfungen im Abstand von wenigen Wochen.

Werden ältere Menschen die Impfung überhaupt vertragen?

Im Alter reagiert das Immunsystem nicht mehr so gut auf Impfungen. Was daher passieren könne, sei, dass die Schutzwirkung bei älteren Menschen nicht so hoch sei wie bei jüngeren. In der Folge würden bei Älteren aber auch weniger Impfreaktionen auftreten, das kenne man schon von anderen Impfungen. „Diese Menschen wären dann darauf angewiesen, dass sich viele Menschen in ihrem Umfeld impfen lassen, um sie zu schützen“, sagt Zeitlinger.

Wird kontrolliert, ob die Impfung auch wirkt, zum Beispiel mit einer Titerbestimmung?

Zeitlinger sagt: „Im Rahmen der Studien wurde das teilweise gemacht, um herauszufinden, wie hoch die Antikörpertiter sein müssen, um geschützt zu sein.“ Der Mediziner geht aber nicht davon aus, dass eine solche Messung bei einer breiten Impfkampagne gemacht werde – der logistische Aufwand wäre zu groß, alle Geimpften einige Wochen nach der Impfung noch einmal auf ihre Antikörpertiter zu testen.

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Die Logistik der Covid-Impfung

Wer wird zuerst geimpft?

 Als Erstes  wird in Alters- und Pflegeheimen sowie das Gesundheitspersonal in Spitälern geimpft.

Wann gibt es die Impfung für die Masse der Bevölkerung?

In Phase 3 werden alle geimpft, die das möchten.

Wie kann ich mich zur Impfung anmelden?

Unter der Webseite oesterreich-impft.at kann man sich zur Impfung voranmelden. Hier findet man  -  unterteilt nach Bundesländern - Informationen zum Prozedere.

Werden Personengruppen vorgezogen?

Ja. Hochrisikopatienten, etwa mit Dialyse oder einer aktuellen Krebstherapie, sollen früher an der Reihe sein – auch wenn sie jünger sind. Das Land unterscheidet sie von anderen Risikopatienten, etwa Asthmatikern, die ihre Impfung in einem zweiten Schritt bekommen. Daher werden die Krankheitsbilder bei der Anmeldung abgefragt. Darüber hinaus sollen die engsten Kontaktpersonen von Schwangeren rasch immunisiert werden. Abseits des medizinischen Personals, zu dem auch die 24-Stunden-Pflege und mobile Angebote zählen, wird es keine Bevorzugung von Berufsgruppen oder Unternehmen geben.

Wie viele Dosen werden verimpft?

Verwirrung herrschte zuletzt um die Zahl der Impfdosen aus einer Ampulle des Herstellers Biontech/Pfizer. Bis mindestens 8. Jänner wurden mit einem Fläschchen fünf Personen immunisiert. Dann, nach einer Empfehlung der EU, sechs. Bestellt haben viele Heime aber nach dem damaligen Wissensstand, nur fünf Personen pro Ampulle impfen zu können. Deshalb blieben auch in der zweiten Jännerwoche noch Einheiten übrig, wie Bogner-Stauß gestern betonte. Mittlerweile ist oft von einer siebenten Einheit die Rede, doch dafür ist ein spezielles Impfbesteck nötig. Seitens des Landes kalkuliert man derzeit mit sechs Spritzen pro Ampulle.

Wer gilt als Risikopatient?

Im Impfplan der Bundesregierung sind im Detail aufgelistet: Trisomie21, Organtransplantierte, Demenz, Dialyse, Adipositas (BMI >30), chronische Nieren-, Leber- und Lungenkrankheit, Immundefizienz, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern, HIV, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, zerebrovaskuläre Erkrankungen/Apoplex, Autoimmunerkrankungen, Krebs, arterielle Hypertonie, Rheuma, Asthma sowie Personen mit geistiger oder körperlicher Einschränkung.

 Gibt es Menschen, die sich nicht impfen lassen sollten?

Grundsätzlich nicht, aber bei Personen mit Allergien oder schweren Krankheiten wird ein allfälliges Risiko im Gespräch mit dem Arzt ausgelotet. Schwangeren wird der Impfstoff derzeit noch nicht verabreicht, weil es diesbezüglich keine Erfahrungswerte gibt. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche (unter 15/16).

Was soll ich tun, wenn ich gegen Inhaltsstoffe allergisch bin?

In diesem Fall sollte man sich vorab mit seinem behandelnden Arzt absprechen und diesen auch bei der Anmeldung zur Impfung nennen. Personen, die allergisch auf einen Inhaltsstoff sind, werden laut  dem steirischen Impfkoordinator Michael Koren.auch jenen Impfstoff bekommen, der zu ihnen passt.

Kann mir aussuchen, von welchem Hersteller meine Impfung kommen wird?

Nein, das hängt von der Verfügbarkeit und der Beschaffenheit der Impfstoffe ab. „Ich gehe davon aus, dass die Impfstoffe, die in Europa zugelassen werden, alle gute Impfstoffe sind, sonst würden sie keine Zulassung bekommen“, betont Covid-Sonderbeauftrager Clemens Martin Auer. „Wir werden am Beginn den Biontech und den Moderna-Impfstoff haben, die sind sehr kompliziert in der Handhabung, sie brauchen eine Minus 80 Grad-Lagertemperatur. Daher werden wir diesen Impfstoff nur im organisierten Bereich einsetzen können, also in Alten- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern und wahrscheinlich auch in den gut organisierten Impfstraßen“, erklärt der Experte. Impfstoffe von Astra Zeneca und Johnson & Johnson – das sind Vektor-Impfstoffe – seien einfacher in der Handhabung und könnten im auch im Bereich der niedergelassenen Ärzte verabreicht werden.

Kann ich mich auf eigene Kosten privat und früher impfen lassen?

Nein, derzeit ist der Impfstoff nur gratis zu bekommen und es gibt keine Möglichkeit, sich privat Impfstoff am freien Markt zu beschaffen.

Wird es eine Impfpflicht geben – eventuell für einzelne Berufsgruppen?

„Es wird sicherlich keine gesetzliche Impfpflicht geben, für niemanden, auch nicht für einzelne Berufsgruppen. Das hat der Nationalrat noch nie beschlossen, weil es keinen politischen Konsens darüber gibt. Es gibt in Wahrheit einen Grundkonsens, dass keine Impfpflicht kommen soll“, stellt Auer klar.

Es wird sicherlich keine gesetzliche Impfpflicht geben.

Clemens Auer, Gesundheitsministerium

Wenn ich geimpft bin, brauche ich dann keine Maske mehr?

Es können nicht alle Menschen in Österreich gleichzeitig geimpft werden, daher wird die Maske weiterhin wichtig sein. „Wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate von 65 Prozent oder darüber erreichen und die Epidemiologen sagen, jetzt haben wir einen Zustand erreicht, wo die Ansteckungsgefahr nicht mehr so groß ist, dann werden wir auf die Maske verzichten können“, sagt Auer. Die Maske werde uns aber sicher noch tief bis ins Jahr 2021 begleiten.

Welche Durchimpfungsrate wird angestrebt?

„Ein normales Leben wird nur wieder möglich sein, wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate erreichen“, sagt Thomas Staudinger, Leiter Intensivstation 13.i2 der Med Uni Wien. Aus epidemiologischer Sicht, so Ministeriumsvertreter Auer, sei eine Durchimpfungsrate von 60 bis 65 Prozent in der Bevölkerung notwendig. Auch für die erste Impfphase in den Alten- und Pflegeheimen werden diese 60 bis 65 Prozent angestrebt, sagt Auer – und zwar für Bewohner und alle Mitarbeiter. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hofft auf eine Durchimpfungsrate von zumindest 50 Prozent. Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission des Bundeskanzleramts setzt sich dafür ein, dass es eine klare Empfehlung zur Impfung in der Öffentlichkeit geben soll – eine Impfpflicht schließen die Verantwortlichen aber sowohl für die breite Bevölkerung als auch für bestimmte Berufsgruppen aus.

Was ist mit Kindern? Wann werden sie geimpft?

Jene Impfstoffe, die am Anfang in Europa zur Verfügung stehen werden, haben zum momentanen Zeitpunkt keine Zulassung für Kinder. „Sie werden daher nicht geimpft werden können, weil die Impfstoffe keine Zulassung dafür haben. Ob sich das ändert, kann ich heute noch nicht sagen, denn das ist eine Angelegenheit von entsprechenden Studien und der Zulassungsbehörde“, erklärt Auer.

Sollte es zu Impfschäden kommen, wer kommt dafür auf?

Das sei gleich, wie bei allen öffentlichen Impfaktion. In Österreich gibt es ein Impfschadengesetz, wo Ersatzleistungen genau definiert sind. „Falls so etwas passiert, was niemand hofft, dann greift das Impfschaden-Gesetz und der Staat, also die Gemeinschaft, übernimmt das Risiko“, sagt Auer.

Wie kann ich etwa bei Fluglinien nachweisen, dass ich bereits geimpft wurde?

Es wird Teil der Impfdokumentation sein, die wir ja alle haben. „Es wird im Impfpass vermerkt werden“, so Auer.

Wird die Covid-Impfung eine Voraussetzung fürs Reisen sein?

„Das ist eine politische Frage und diese stellt sich für den gesamten Schengenraum“, sagt Clemens Martin Auer. Im Moment sei sie noch nicht auf der Tagesordnung, es gebe aber Überlegungen der Weltgesundheitsorganisation WHO die Covid-19-Impfung in den internationalen Impfpass aufzunehmen.

Wird die Impfung etwas kosten?

Nein, wird sie uns nicht. „Die Impfung wird dem Steuerzahler etwas kosten, aber nicht uns als Individuum. Die Republik Österreich kauft diese Impfstoffe und wird sie auch kostenfrei verteilen auch die Kosten für die Verimpfung übernehmen“, beruhigt Auer.

Experte Herwig Kollaritsch

"Ohne Impfung stehen wir dem Virus nackt gegenüber"

Impfen gegen Covid-19 oder nicht? Eine Entscheidungshilfe in Buchform legt der Impfexperte Herwig Kollaritsch vor und sagt: Bei hoher Impfakzeptanz können wir im nächsten Herbst ein "einigermaßen normales Leben führen".

Ihr Buch trägt den Untertitel: Tipps für die persönliche Impfentscheidung. Wie persönlich kann die Entscheidung sein, schließlich ist Impfen immer auch ein sozialer Akt – in diesem Fall geht es um nichts weniger als darum, eine Pandemie zu beenden.

Herwig Kollaritsch: Mittels einer freiwilligen Impfung in die körperliche Integrität einzugreifen, ist imer eine persönliche Einzelentscheidung. Diese Entscheidung sollte aber auf drei Grundlagen basieren: Das sind erstens medizinische Gründe: Die medizinischen Daten liegen auf dem Tisch, wir wissen, dass wir mit der Impfung den Menschen keinen gravierenden Schaden zufügen.  Die zweite Frage ist: Sind wir bereit für unser Zusammenleben einen gesellschaftlichen Akt zu setzen? Und die dritte Frage: Wollen wir die nächsten Jahre ständig in einer Phase von Einschränkungen leben, wollen wir weiterhin wirtschaftlichen und sozialen Schaden nehmen?

Zur Person

Herwig Kollaritsch studierte in seiner Heimatstadt Wien Medizin und spezialisierte sich auf Reisemedizin, Impfwesen, Epidemiologie, und Mikrobiologie. Er ist Mitglied des österreichischen nationalen Impfgremiums und war maßgeblich am Aufbau des Fachgebietes „Reisemedizin“ in Österreich beteiligt.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen sich 56 Prozent der Österreicher gegen Covid-19 impfen lassen, die allgemeine Impfbereitschaft in Österreich liegt bei 70 Prozent. Welche Impfbereitschaft erwarten Sie bei Covid-19?

Das wird stark von der Kommunikation der nächsten Wochen abhängen. Wie stark werden sich Impfgegner formieren - das ist im Moment unser größtes Problem. Eine Schlüsselrolle spielt auch das medizinische Personal: Wenn der Vertrauensarzt eines Patienten von der Impfung überzeugt ist, ist der Patient zu mehr als 80 Prozent bereit, dieser Empfehlung zu folgen. Auch die Rückmeldungen aus jenen Ländern, die schon mit den Massenimpfungen gestartet sind, werden eine Rolle spielen: Welche Auffälligkeiten treten auf? Ich denke auch, dass in Österreich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen die Impfung unterschiedlich annehmen werden: Diejenigen, die in Covid-19 eine unmittelbare Bedrohung für sich selbst sehen, weil sie Grundkrankheiten haben oder weil sie jemanden kennen, der an Covid-19 gestorben ist, werden eine andere Haltung haben als junge, gesunde  Menschen, die mit einer gewissen Sorglosigkeit an dieses Thema herangehen.   

Ein Erklärungsansatz dafür, dass die Impfskepsis zunimmt, ist: Impfungen sind Opfer des eigenen Erfolgs. Durch Impfungen verschwinden die Krankheiten, vor denen sie schützen, die Angst vor Nebenwirkungen rückt in den Fokus. Nun leben wir aber in der Pandemie, wir sehen die Auswirkung von Covid-19 jeden Tag. Wieso ist die Impfbereitschaft trotzdem gering?

Die Impfentscheidung wird extrem emotional beurteilt, das hat nichts mit rationalen Überlegungen zu tun. Denn rational gesehen ist es eine Milchmädchenrechnung, jeder kann sich ausrechnen, was für ihn der höhere Nutzen ist. Wir haben in Österreich bis jetzt über 4.000 Corona-Tote. Bei einer 90-prozentigen Wirksamkeit der Impfung, könnten wir die Todeszahl von 4000 auf 400 oder 500 Tote senken, die Zahl der Patienten im Spital im ähnlichen Maß. Demgegenüber steht ein fiktives Impfrisiko, das so gering ist, dass es bisher in den Studien überhaupt nicht aufgetaucht ist. Abgesehen vom medizinischen Bereich: Ich bin 65 Jahre alt und ich möchte mich wieder frei bewegen können. Wir werden Anfang bis Mitte Februar die nächste Welle haben und es wird wieder Restriktionen geben müssen. Wollen wir so wirklich die nächsten Jahre leben? Dieses Virus verschwindet nicht einfach wieder.

Foto © Das Buch: Pro & Contra Corona-Impfung

Das Buch

Herwig Kollaritsch im Gespräch mit Silvia Jelincic. Pro & Contra: Corona-Impfung, edition a
128 Seiten gebunden, Preis: 18 Euro

Herwig Kollaritsch spendet das ihm im Rahmen
der Publikation dieses Buches zustehende Autorenhonorar in voller Höhe an die  Kindernothilfe.

Die Alternative wäre die natürliche Herdenimmunität.

Dafür müssen 70 Prozent der Bevölkerung immun sein. Das bedeutet, zigtausend Tote und den Zusammenbruch des Gesundheits- und Wirtschaftssystems. Und dann wissen wir nicht, wie lange die Immunität nach einer Infektion hält. Es kann sein, dass nach drei bis vier Jahren das Spiel wieder von vorne losgeht. Das kann keine Zukunftsoption sein.

Doch junge Menschen könnten für sich denken: Mache ich eben die Infektion durch und habe so eine natürliche Immunität, bevor ich mir eine Impfung mit noch unbekannten Nebenwirkungen geben lasse.

Das Risiko durch die Infektion schwer zu erkranken, ist auch für jüngere Menschen gegeben. Das Durchschnittsalter der Covid-Intensivpatienten am AKH Wien liegt bei 55 Jahren – auch Jüngere müssen kämpfen, brauchen oft wochenlange Rehabilitation. Das Risiko der Erkrankung ist nicht kalkulierbar – das Risiko der Impfung hingegen ist kalkulierbar: Dazu gibt es Studiendaten. Für mich ist ein kalkulierbares Risiko eine angenehmere Aussicht.

Warum ist gerade die Impfdebatte eine so emotionale -  über Blutdrucksenker oder Antibiotika wird selten so emotional diskutiert.

Als Edward Jenner vor mehr als 200 Jahren mit der Pockenimpfung begonnen hat, dauerte es nur wenige Wochen, bis sich Impfgegner formiert haben. Das Phänomenn ist auch für mich etwas unerklärlich, es hängt vielleicht damit zusammen, dass wir Impfungen an Gesunde verabreichen. Die Gefährdung, die wir mit Impfungen bekämpfen, ist für manche nicht unmittelbar fassbar. Habe ich jedoch einen Meniskusschaden, der mir Schmerzen bereitet, ist da ein unmittelbarer Leidensdruck. Wenn mich eine Operation von den Schmerzen befreien kann, muss ich trotzdem das Operationsrisiko abwägen – die Motivation für den Eingriff wird aber durch meine Schmerzen dominiert. Das ist bei Impfungen anders: Der Mensch ist gesund, denkt sich: Mir kann eh nichts passieren. Leider ist eine egoistische Grundhaltung sehr oft der ausschlaggebende Motivator.

Nun basieren zwei der ersten Covid-Impfstoffe auf der messenger-RNA-Technologie. Eine solche Impfung wurde noch nie zugelassen, was für Unsicherheit sorgt. Worauf muss man sich einstellen, wenn man diesen Impfstoff bekommt?

Die Technologie gibt es seit 1990, sie ist also nicht ganz neu. Bis dato war das Hauptproblem, dass nackte RNA vom Körper sofort abgebaut wird, sie konnte nicht geimpft werden. Nun ist es gelungen eine Verpackung für die RNA zu finden, sodass sie unangreifbar ist, bis sie die Muskelzelle erreicht. Gelangt diese RNA nun in den Körper wird sie von den Zellfabriken in unseren Zellen, den Ribosomen abgelesen und das notwendige Protein wird hergestellt. Das ist im Grunde ein biologischer Vorgang, der in unseren Zellen ständig abläuft. Wir machen uns das körpereigene System zunutze. Es ist technisch nicht möglich, dass diese RNA in den Zellkern gelangt und unser Erbgut verändert. Das geht genauso wenig wie ich mit einem Auto nicht fliegen kann. Wenn die Proteine hergestellt sind, wird die RNA in der Zelle zerstört und recycelt.

Foto © Impfexperte Herwig Kollaritsch

Diese Art von Impfstoff, so wurde es auch in den Studien beobachtet, kann zu starken Impfreaktionen führen.

Für mich als Vakzinologen ist das eine erfreuliche Sache – nicht weil ich Sadist bin, sondern weil es ein Zeichen für eine gute Immunantwort ist. Wir spüren, dass unser Immunsystem aktiv wird – die Symptome, die dabei auftreten, sind breit gestreut: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, es kann auch an der Impfstelle selbst zu entzündlichen Reaktionen kommen und das tut weh. Das alles ist zwar unangenehm, aber es ist nicht gesundheitsschädlich und es geht schnell wieder weg, längstens nach drei Tagen.

Können diese Impfreaktionen für ältere oder vorerkrankte Menschen zum Problem werden?

Gerade ältere Menschen haben eine geringere Chance, dass sie von der Intensität der Nebenwirkungen Probleme bekommen. Warum? Unser Immunsystem altert und ist nicht mehr so aktiv – das hat den Vorteil geringerer Impfreaktionen, der Nachteil könnte sein, dass der Impfschutz bei Älteren vielleicht kürzer hält.

Die Covid-Impfstoffe wurden so schnell auf den Markt gebracht wie noch nie eine Impfung zuvor. Das verunsichert zusätzlich, denn: Es muss ja irgendwo Zeit gespart worden sein.

Schnell bedeutet nicht zwangsläufig schlampig. Firmen machen normalerweise bei der Impfstoff-Entwicklung ein Zug-um-Zug-System, um das kaufmännische Risiko zu minimieren. Eine Impfstoff-Entwicklung kostet bis zu einer Milliarde Euro. In der Pandemie war es aber so, dass jene Firmen, die ganz vorne in der Entwicklung stehen, massivste staatliche Unterstützung bekommen haben, um ihr kaufmännisches Risiko abzufedern. In der Folge haben die Herstellerfirmen ihre ganze Arbeitskraft in die Entwicklung gesteckt und schon begonnen Impfstoff zu produzieren als noch völlig unklar war, ob er wirkt. Das verfügbare Geld und die Arbeitskraft hat den Unterschied gemacht.

Der Faktor Zeit bereitet auch deshalb Sorgen, weil es keine Langzeitbeobachtung der Studienprobanden gibt.

Die überwiegende Zahl von schweren Nebenwirkungen nach einer Impfung treten innerhalb der ersten zwei Monate auf. Alles, was danach auftritt, ist sehr selten und auch in der kausalen Relation zur Impfung strittig. Bei Influenza-Impfstoffen kann in ein bis zwei Fällen pro einer Million Geimpfter ein Guillain-Barré-Syndrom, eine Form der Nervenentzündung auftreten. So seltene Nebenwirkungen sind in Studien einfach nicht erfassbar, die Wahrscheinlichkeit dafür ist einfach zu gering. Bei der Pfizer-Biontech-Studie sind zwei Dinge aufgefallen: Unter den Geimpften traten vier Fälle eine vorübergehende Lähmung im Gesicht auf, Faszialisparese genannt. Die Häufigkeit, mit der das auftrat, entsprach aber der sogenannten Hintergrund-Inzidenz: Die Erkrankung ist nicht häufiger vorgekommen, als man sie auch in der Allgemeinbevölkerung ohne Impfung erwarten würde. Zweitens haben wir von zwei Fällen von allergischen Reaktionen gehört, darauf sollte man ein Augenmerk haben, aber auch das ist etwas, das sofort auftritt. Als impfender Arzt weiß man, wie man damit umgeht.

Ich bin 65 Jahre alt und hätte die Impfung schon gerne heute.

Herwig Kollaritsch, Impfexperte

Das letzte Wort in der Zulassung haben die Behörden der europäischen Arzneimittelbehörde: Wer sitzt da drin und können die im Angesicht einer Pandemie überhaupt sagen: Wir wollen mehr Daten, wir sind uns nicht sicher?

Ich habe selbst einige Impfstudien gemacht und ich weiß, dass das Beurteilungsverfahren der Arzneimittelbehörde gefürchtet ist. Die Prüfer zerlegen ein Studienzentrum in seine Einzelteile, da wird jeder Beistrich geprüft. Diese Verfahren sind gesetzlich haargenau geregelt, das gilt auch in einer Pandemie.

Sie haben die ethische Verantwortung beim Thema Impfen angesprochen, doch noch ist völlig unklar, ob ein Geimpfter das Virus nicht trotzdem weitergeben kann. Zählt das Argument der sozialen Verantwortung damit überhaupt?

Wir können heute einfach noch nicht sagen, ob die Impfung die Übertragung des Virus verhindert. Ich gehe aber davon aus, dass jemand, der geimpft ist und Antikörper gebildet hat in seiner Fähigkeit das Virus zu übertragen zumindest eingeschränkt ist. Das heißt: Er ist nicht so lange, nicht so massiv ansteckend. Abgesehen davon stellen wir bei den jetzigen Impfungen den Schutz des Einzelnen in den Vordergrund. Wir haben jetzt die erste Generation des Impfstoffes. Es kommen im Laufe des Jahres 2021 ein weiteres halbes bis Dutzend Impfstoffe heraus und vielleicht hat einer von denen das Potenzial, die Übertragung nachhaltig zu beeinträchtigen.

Wann können wir die Masken wegwerfen?

Ich gehe davon aus, dass wir die gesamte Winter- und Frühjahrs-Saison arge Probleme haben werden. Ich hoffe, dass der Sommer auch durch die Saisonalität des Virus die ersten Erleichterungen bringen wird, glaube aber nicht, dass wir da schon die üblichen Regeln außer Acht lassen dürfen. Es hängt von der Bevölkerung ab: Ist die Impf-Akzeptanz hoch, lassen sich deutlich über 50 Prozent der Menschen impfen und entstehen gerade in den Risikogruppen keine Impflücken, dann können wir im nächsten Herbst ein einigermaßen normales Leben führen.

Haben Sie Ihre persönliche Impfentscheidung schon getroffen?

Ich bin 65 Jahre alt und ich hätte die Impfung schon gerne heute.

Covid-Impfung

Kollaritsch: "AstraZeneca-Impfstoff ist für Ältere ja nicht verboten"

Herwig Kollaritsch vom nationalen Impfgremium erklärt, warum es zur Entscheidung kam, den Impfstoff von AstraZeneca nur bis zum Alter von 64 Jahren zu empfehlen – und unter welchen Umständen Ärzte Risikopatienten trotzdem damit impfen sollten.

Das nationale Impfgremium in Österreich empfiehlt den Covid-Impfstoff von AstraZeneca nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren: Wie kam es zu der Entscheidung?

Herwig Kollaritsch: Die Entscheidung war einfach, sie beruht darauf, dass wir nur Studiendaten haben, die die Wirksamkeit der Impfung für Menschen bis 64 Jahre belegen. Für Ältere haben wir nicht genug Daten, die Gruppe der Menschen, die in den Studien eingeschlossen waren, waren einfach zu klein. Was wir für diese Altersgruppe ab 65 Jahre haben, sind sogenannte Daten zur Immunogenität: Dazu wurden die Antikörperspiegel im Blut von Älteren nach einer Impfung gemessen – dabei hat man gesehen, die Spiegel sind in etwa so hoch wie bei Jüngeren. Doch das ist nicht Eins-zu-Eins umlegbar auf die Wirksamkeit in der Realität.

Warum nicht?

Das muss man sich vorstellen wie bei einem Auto: Der Abgastest unter Laborbedingungen und die Werte im tatsächlichen Gebrauch können sich unterscheiden.

Kann sich die Empfehlung des Impfgremiums noch ändern?

Wir warten mit der Empfehlung für Über-64-Jährige bis wir ausreichend Daten haben, die uns höchstwahrscheinlich bestätigen werden, dass der Impfstoff auch bei Über-64-Jährigen wirksam ist. Diese Daten werden wir in vier bis sechs Wochen haben, dazu laufen Studien in Großbritannien und den USA – wann genau es sein wird, kann ich aber nicht sagen.

Foto © Herwig Kollaritsch, Mitglied des nationalen Impfgremiums

Empfehlung des Nationalen Impfgremiums

Die Empfehlung des nationalen Impfgremiums (NIG) im Wortlaut:

  • Das NIG empfiehlt die Anwendung des AZ Impfstoffes in der Altersgruppe der 18- bis 64-Jährigen. Für diese Altersgruppe liegen genügend gute Daten zur Sicherheit und Effektivität vor, um den Impfstoff als gut wirksam gegen symptomatische Infektion und schwere Erkrankungsfälle (Hospitalisierung, ICU, Tod) für 18 bis 64 Jahre zu empfehlen.
  • Für die Altersgruppe 65+ sind die immunologischen und Sicherheitsdaten vergleichbar gut wie bei den jüngeren Personen. Aufgrund der kleinen Gruppengröße und der niedrigen Zahl
    aufgetretener Erkrankungsfälle ist für diese Altersgruppe zum jetzigen Zeitpunkt (!) keine sichere Aussage zur Wirksamkeit möglich.
  • Das NIG geht aber davon aus, dass beim Vorliegen von weiteren Daten (entsprechende
    Studien sind derzeit u.a. in USA und UK im Laufen) eine uneingeschränkte Empfehlung
    ausgesprochen werden kann. Besonders die Daten hinsichtlich Immunogenität lassen eine
    vergleichbare Wirksamkeit wie bei den jüngeren Probanden erwarten.

Heißt die Empfehlung, dass die Impfung für Ältere auch nicht sicher ist?

Nein! Die Sicherheitsdaten sind ausreichend, damit gibt es sicher kein Problem. Unsere Empfehlung heißt ja auch nicht, dass der Impfstoff bei Älteren nicht angewendet werden darf. Wir empfehlen nur: Für die ältere Bevölkerung über 64 Jahre sollte bevorzugt einer der beiden Messenger-RNA-Impfstoff von Biontech/ Pfizer oder Moderna verwendet werden. Steht aber keiner dieser Impfstoffe zur Verfügung, dann kann man trotzdem auf AstraZeneca zurückgreifen, auch für ältere Menschen.

Was bedeutet das für die Praxis: Der impfende Arzt entscheidet das schlussendliche Vorgehen?

Es ist jedenfalls nicht verboten, den AstraZeneca-Impfstoff auch bei Älteren zu verwenden – immerhin haben wir ja die Zulassung der EMA (europäische Arzneimittelbehörde), die den Impfstoff ohne Altersbegrenzung nach oben zugelassen hat. Wenn ich als Arzt einen Hochrisikopatienten vor mir habe und es ist kein anderer Impfstoff als jener von AstraZeneca verfügbar, werde ich ihm diesen Impfstoff geben, bevor ich ihn gar nicht impfen kann.

Wird es möglich sein, die Impfstoffe zu mischen: Zum Beispiel die erste Dosis von Biontech/Pfizer, die zweite von AstraZeneca?

Nein, das wird nicht möglich sein, denn dazu haben wir keine Daten!

Wird es möglich sein, sich den Impfstoff auszusuchen?

Vielleicht in zwei bis drei Jahren, wenn ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Antworten von Experten

Kinderwunsch und Covid-Impfung: Das müssen Sie wissen

Kinderwunsch und Impfung: Leserinnen fragen, ob es bei geplantem Kinderwunsch sicher ist, sich davor gegen Covid-19 impfen zu lassen. Das sagen Experten.

Viele Fragen zum Thema Impfung gegen Covid-19 haben die Redaktion der Kleinen Zeitung erreicht, eine wiederkehrende dabei war: Was müssen Frauen mit Kinderwunsch über diese Impfung wissen? Ist eine Impfung vor einer geplanten Schwangerschaft empfehlenswert? Und wie sieht es mit Schwangeren und der Impfung aus?

„Ja, die Impfung gegen Covid-19 ist für Frauen, die schwanger werden wollen, dezidiert empfohlen“, sagt Karl Tamussino, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie am LKH-Uniklinikum Graz. Diese Empfehlung beruht darauf, dass bisherige Studien gezeigt haben, dass schwangere Frauen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben: Während bei nicht-schwangeren Frauen in 5,8 Prozent der Fälle ein schwerer Covid-Verlauf (Spitalsaufenthalt notwendig) auftrat, waren es unter schwangeren Frauen rund 15 Prozent der Erkrankten, die im Krankenhaus oder sogar auf der Intensivstation betreut werden mussten.

Die Impfung gegen Covid-19 ist für Frauen, die schwanger werden wollen, dezidiert empfohlen.

Karl Tamussino, Gynäkologe

Foto © Karl Tamussino, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie am LKH-Uniklinikum Graz

Impfungen vor der Schwangerschaft

Unter dem Motto "Prepare for Pregnancy!" (Bereite dich auf die Schwangerschaft vor!) sollten notwendige Impfungen vor einer geplanten Schwangerschaft erfolgen bzw. aufgefrischt werden.

Ausführliche Informationen dazu gibt es zum Beispiel auf der Seite des Gesundheitsministeriums.

Generell gilt: Es können während der Schwangerschaft Impfungen mit Totimpfstoffen durchgeführt werden, jedoch ist ein Verschieben der Impfung in das zweite oder dritte Trimester als generelle Vorsichtsmaßnahme angezeigt, um theoretischen Bedenken zu entgegnen.

Lebendimpfungen (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) sollten in der Schwangerschaft nicht durchgeführt werden, allerdings ist ein Impfrisiko eher theoretisch.

Dezidiert empfohlen ist für Schwangere die Impfung gegen die saisonale Influenza, da die Influenza während der Schwangerschaft oft schwere Verläufe zeigt.

„Es gibt keine Hinweise darauf und auch keinen rationalen Grund zu glauben, die verfügbaren Covid-19-Impfstoffe hätten einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit“, sagt Tamussino. Die Sorge, dass die Messenger-RNA-Impfstoffe (von Biontech/Pfizer und Moderna) in die DNA oder in die Keimbahn des Menschen eingreifen könnten, halten sich hartnäckig – wurde von Wissenschaftlern und Medizinerin aber klar widerlegt. „Dass die geimpfte RNA im Körper verbleibt, ist völlig unmöglich“, sagte Arzt und Impfexperte Herwig Kollaritsch erst kürzlich bei einer Informationsveranstaltung. „Es ist unmöglich, dass RNA in unseren Zellkern gelangt – die Proteine werden vom Körper sehr schnell wieder abgebaut.“

Pharmakologe Markus Zeitlinger (Med Uni Wien) erklärt das mit einem Vergleich: Die DNA ist wie ein Kochbuch voll mit Rezepten, um bestimmte Eiweißstoffe herzustellen. Das Rezept wird mittels der Messenger-RNA zu den Zellfabriken transportiert und dort hergestellt. Über den Impfstoff wird ein solches Rezept in den Körper gebracht und in den Zellfabriken produziert. „Das Rezept wird danach einfach verworfen, vom Körper abgebaut. Das Rezept kann sich nicht in das gebundene Buch unserer DNA eingliedern, das ist molekularbiologisch unmöglich“, sagt Zeitlinger.

Rat der Experten

Die Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie zu Kinderwunsch und Impfung gegen Covid-19 finden Sie hier.

Keine Zulassung für Schwangere

Auch die Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie (ÖGGG) empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch die Impfung, rät sicherheitshalber dazu, die Impfung einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft durchführen zu lassen. Dort heißt es auch: „In den Studien zur Impfstoffzulassung waren auch Frauen, die schwanger wurden – bis dato sind keine negativen Auswirkungen bekannt.“ Auch wird in der Stellungnahme festgehalten: „Eine Impfung, welche versehentlich (d.h. bei nicht bekannter) Frühschwangerschaft durchgeführt wurde, stellt keinen Grund für einen Schwangerschaftsabbruch dar.“

Für Frauen aber, die bereits schwanger sind, wird die Impfung nicht empfohlen – das liegt daran, dass keine Schwangeren in den Zulassungsstudien eingeschlossen waren. „Da wir keine Daten haben, können wir auch keine Empfehlung geben“, sagt Tamussino – die Impfstoffe wurden von den Zulassungsbehörden auch nicht für Schwangere zugelassen. Nun gebe es aber Fälle, wo man individuell entscheiden müsste – zum Beispiel, wenn schwangere Frauen durch eine Vorerkrankung (z.B. Diabetes, schwere Herzkreislauf-Erkrankungen) ein besonders hohes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf haben. Hier müsste mit dem behandelnden Arzt eine Nutzen-Risiko-Abwägung getroffen werden.

In der Stellungnahme der ÖGGG wird auch darauf hingewiesen, dass Schwangere zwar nicht in die Studien eingeschlossen waren, aber es gab vereinzelt Frauen, die zum Zeitpunkt der Impfung unwissentlich schwanger waren – auch bei ihnen habe sich keine negativen Auswirkungen gezeigt.

Fazit: Vor der Schwangerschaft impfen

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Gynäkologen empfehlen Frauen mit Kinderwunsch sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, da das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung in der Schwangerschaft steigt. Für Schwangere hingegen sind die Impfstoffe nicht zugelassen, da es keine Studiendaten dazu gibt – in Einzelfällen muss individuell entschieden werden.

Rheuma & Co.

Autoimmunerkrankung: Kann ich gegen Covid-19 geimpft werden?

Leser fragen, Experten antworten: Rheuma, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Was Patienten mit Autoimmunerkrankungen zur Impfung wissen müssen.

Viele Fragen zum Thema Impfung gegen Covid-19 haben die Redaktion der Kleinen Zeitung erreicht, eine wiederkehrende: Können Menschen, die an einer Autoimmunerkrankung wie zum Beispiel einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder Rheuma leiden, eine Covid-19-Impfung bekommen?

„Prinzipiell haben viele Patienten, die an einer Autoimmunerkrankung leiden Angst davor, dass ihre Erkrankung durch eine Impfung schlimmer werden könnte“, weiß Martin Stradner von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie und Immunologie an der Med Uni Graz. Doch Studien zu Impfungen bei Autoimmunerkrankten haben gezeigt: Diese Angst ist unberechtigt, eine Impfung verschlechtert eine Autoimmunerkrankung nicht.

Patienten gehören zur Risikogruppe

Für die neuen Covid-19-Impfstoffe fehlen solche Daten allerdings, denn diese Patienten waren in die Zulassungsstudien nicht eingeschlossen. „Wir können also nur Rückschlüsse von anderen Impfungen ziehen“, sagt Stradner – und daraus leitet der Experte ab, dass auch diese Impfstoffe nicht dazu führen werden, dass eine bestehende Autoimmunerkrankung „schlimmer“ wird. „Auch alle großen medizinischen Fachgesellschaften, zum Beispiel jene für Rheumatologie, empfehlen, dass sich Betroffene gegen Covid-19 impfen lassen“, sagt Stradner. In der Stellungnahme der Fachgesellschaft für Rheumatologie heißt es: „Von einem erhöhten Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen der Impfung bei Rheuma-Patienten ist nach aktuellem Wissensstand nicht auszugehen.“

Gleichzeitig gehören Menschen mit Autoimmunerkrankungen, die eine immunsuppressive Therapie (Medikamente, die das eigene Immunsystem unterdrücken oder modulieren) einnehmen zur Hochrisikogruppe für eine schwere Covid-19-Erkrankung. „Durch diese Therapien ist das Immunsystem geschwächt und die Gefahr eines schweren Verlaufs ist größer“, sagt Stradner – daher gehört diese Patientengruppe auch zur Prioritätengruppe 2 und sollten schnellstmöglich eine Impfung erhalten.

Schlechtere Wirksamkeit

Unerwünschte Nebenwirkungen sind eine Sache – eine reduzierte Wirksamkeit der Impfung jedoch eine andere. Und genau dazu kann es kommen, wenn Menschen mit Autoimmunerkrankungen eine Therapie einnehmen, die das Immunsystem beeinflusst. „Nehme ich eine immunsuppressive Therapie, wie zum Beispiel Cortison, besteht die Gefahr, dass die Impfung nicht so gut wirkt“, sagt Stradner – trotzdem überwiegt die Chance, durch die Impfung geschützt zu sein, im Vergleich mit dem geringen Risiko für Impf-Nebenwirkungen. Und so wird die Covid-19-Impfung auch bei bestehender immunsuppressiver Therapie empfohlen, so der Experte.

Foto © Martin Stradner, Immunologe

Eine weitere Frage, die sich Patienten stellen: Soll ich meine immunsuppressive Therapie abbrechen, um mich impfen lassen zu können? „Nein“, ist die klare Antwort von Stradner – für eine immunsuppressive Therapie gibt es immer einen triftigen Grund, daher sollten Medikamente keinesfalls selbstständig abgesetzt werden.

Rücksprache mit Facharzt

Generell rät der Experte: „Wenn es Unklarheiten gibt, sollte man diese am besten mit seinem behandelnden Arzt besprechen.“ Auch müsse man beim Schweregrad der Autoimmunerkrankung unterscheiden: So ist ein Hashimoto-Thyreoiditis (eine chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse) sicher kein Grund, sich nicht impfen zu lassen. Bei komplizierten oder seltenen Autoimmunerkrankungen kann die Rücksprache mit dem Facharzt sinnvoll sein.

Covid-19-Impfung

Kann ich mich als Krebspatient impfen lassen?

Leser fragen, Experten antworten: Wie vertragen sich Chemotherapie und Covid-19-Impfung? Wirksamkeit kann eingeschränkt sein, verstärkte Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten.

Viele Fragen zum Thema Impfung gegen Covid-19 haben die Redaktion der Kleinen Zeitung erreicht, eine wiederkehrende: Ich habe oder hatte eine Krebserkrankung – kann ich mich gegen Covid-19 impfen lassen? Das sagt der Experte Philipp Jost, Leiter der klinischen Abteilung für Onkologie an der Med Uni Graz.

„Grundsätzlich sind Impfungen für Krebspatienten genauso sinnvoll und nebenwirkungsarm wie für alle anderen“, sagt Jost. Aber: Die Krebserkrankung selbst oder die notwendige Therapie können das Immunsystem schwächen – und damit die Wirksamkeit der Impfung reduzieren. „Haben Patienten eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems wie Leukämie oder ein Lymphom, kann die Impfung nicht so gut schützen wie bei anderen Menschen“, sagt Jost – Nebenwirkungen der Impfung sind dadurch aber nicht zu befürchten.

Foto © Philipp Jost, Onkologe

„Für Patienten vor, während oder nach einer Chemotherapie gibt es auch keine Hinweise, dass verstärkte Impf-Nebenwirkungen auftreten“, sagt Jost. Herwig Kollaritsch, Mitglied des nationalen Impfgremiums unterstreicht, dass eine solche Impfentscheidung gemeinsam mit dem behandelnden Arzt besprochen werden sollte. Generell gelte aber: „Je stärker das Immunsystem durch eine Therapie unterdrückt wird, desto fraglicher ist die Wirksamkeit der Impfung.“ Im Zentrum sollte die Frage stehen: Profitiert der Patient von der Impfung? Generell muss auch gesagt werden, dass in die Zulassungsstudien nur sehr wenige Patienten mit einer Krebserkrankung eingeschlossen waren.

Abstand zur Therapie einhalten

Die österreichische Krebshilfe hat eine Empfehlung zur Covid-19-Impfung herausgegeben: Auch dort wird betont, dass die Impfentscheidung gemeinsam mit dem Arzt getroffen werden soll. Besonders empfohlen wird die Covid-19-Impfung Patienten mit Krebserkrankungen im blutbildenden System (wie Leukämie, Lymphom, multiples Myelom). Auch Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren (aktiv Erkrankte ebenso wie jene, deren Erkrankungsbeginn weniger als fünf Jahre zurückliegt) wird die Impfung besonders empfohlen – ebenso wie Patienten mit aktueller systemischer Therapie.

Da bisherige Studien schon gezeigt haben, dass die Impfung bei Patienten während einer Chemo- oder Kortisontherapie schlechter wirken kann, empfiehlt die Krebshilfe einen Mindestabstand von zwei Wochen zwischen Therapie und Covid-19-Impfung – so soll eine bessere Schutzwirkung erzielt werden.

Krebspatienten sollten generell keine Angst vor Impfungen haben“, sagt Onkologe Jost: Gerade Krebspatienten hätten ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung, die Impfung biete daher einen wichtigen Schutz.

Allergische Reaktion

Ist die Covid-Impfung für Allergiker sicher?

Leser fragen, Experten antworten: Fälle von schweren allergischen Reaktionen nach der Impfung gegen Covid-19 sorgen für Unsicherheit - wir haben nachgefragt.

Kurz nach Beginn der Covid-19-Impfkampagne in Großbritannien traten dort zwei Fälle von schweren allergischen Reaktionen nach der  Impfung auf – seither sind Allergiker verunsichert: Kann ich mich überhaupt gegen Covid-19 impfen lassen? Wir haben nachgefragt.

„Wie bei jedem anderen Medikament auch, kann es bei Impfungen zu allergischen Reaktionen kommen“, sagt Elisabeth König, Fachärztin für Mikrobiologie am Institut für Hygiene der Med Uni Graz. Solche allergischen Reaktionen können von einem ungefährlichen Hautausschlag bis hin zu schweren anaphylaktischen Symptomen mit Atemnot, Kreislaufschwäche oder Schwellungen im Mund- und Rachenraum führen. „Generell sind allergische Reaktionen auf Impfungen selten“, sagt König.

Wie hoch ist das Risiko für eine schwere allergische Reaktion?

Das Risiko für eine schwere allergische Reaktion liegt bei den zwei am Markt befindlichen mRNA-Impfstoffen bei 1:100.000. "Das ist zwar etwa zehnmal höher als bei anderen bekannten Impfungen, wie zum Beispiel der Influenza-Impfung, aber noch immer sehr, sehr gering", erläutert Allergie-Experte Fritz Horak vom Arbeitskreis Allergie und Asthma der Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) in einer Aussendung. "Dabei haben mit jetzigem Stand bereits 60 Millionen Menschen die erste Dosis und weitere rund sechs Millionen auch schon die zweite Dosis erhalten und es wurde über keinen einzigen Todesfall aufgrund einer allergischen Reaktion berichtet."

Für die Covid-19-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna liegen nun auch Daten zu aufgetretenen Allergien aus den USA vor – und zeigen, wie selten eine schwere allergische Reaktion auf einen der beiden RNA-Impfstoffe ist. Bei Biontech/Pfizer kamen auf zwei Millionen verimpfte Dosen 21 Fälle einer Anaphylaxie, bei Moderna waren es zehn solcher Fälle bei vier Millionen verabreichter Impfdosen. „Die Betroffenen erholten sich alle wieder, es gab keinen Todesfall durch eine allergische Reaktion“, sagt König.

Mehr Infos

Die Fachgesellschaft für Allergologie hat eine Stellungnahme zur Covid-19-Impfung verfasst > mehr dazu finden Sie hier.

Was müssen nun aber Allergiker wissen? Die Fachgesellschaft für Allergologie hat dazu eine klare Stellungnahme verfasst: Die einzige Gruppe von Menschen, die keine Covid-19-Impfung erhalten sollten, sind jene, die auf die erste Covid-Teilimpfung eine schwere allergische Reaktion gezeigt haben, früher allergisch auf einen anderen RNA-Impfstoff reagiert haben (bis dato gab es aber keine zugelassenen Impfstoffe dieser Art) oder eine bekannte und nachgewiesene Allergie gegen den Inhaltsstoff Polyethylenglykol haben, der im Verdacht steht die allergischen Reaktionen auszulösen.

Die Fachgesellschaft listet eine ganz Reihe von Allergikern auf, für die kein erhöhtes Risiko durch die Covid-19-Impfung besteht:

  • Neurodermitis,
  • Heuschnupfen,
  • Asthma bronchiale,
  • Nasenpolypen,
  • Nahrungsmittelallergie,
  • Insektengiftallergie,
  • Antibiotikaallergie,
  • Kontaktallergien

Jedoch sei es immer sinnvoll, vor der Impfung die eigene Allergie-Geschichte beim Arzt anzusprechen. Bei Menschen mit einer Allergie-Vorgeschichte – solche, die zum Beispiel einen Epi-Pen bei sich tragen – ist es notwendig, nach der Impfung 30 Minuten Nachbeobachtungszeit einzuhalten. „Und sollte wirklich eine Reaktion auftreten, muss es sofort möglich sein, medizinisch zu reagieren“, sagt König.

Prinzipiell sollte bei allen Ärzten und Impfzentren, die eine Covid-19-Impfung durchführen, eine Notfallausrüstung zur Verfügung stehen, um eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie) behandeln zu können. Wer schon einmal eine Anaphylaxie gegen eine Impfung erlitten hat oder wenn eine gesicherte Allergie gegen verschiedene Medikamente vorliegt oder eine Mastozytose (Mastzellerkrankung) besteht, muss dies vor der Impfung mit dem Arzt besprochen werden. "Auch dann kann zumeist geimpft werden. Allerdings wird eine längere Nachbeobachtung empfohlen. Betroffene Personen sollten 15 bis 30 Minuten zur Nachbeobachtung in der Impf-Ordination bleiben. Eventuell wird auch schon eine Vorbehandlung mit Antihistaminika eingeplant werden", erklärt Allergie-Spezialist Horak. 

Auch für Menschen, die gerade eine Hyposensibilisierung aufgrund einer Allergie durchmachen, hat die Fachgesellschaft einen wichtigen Hinweis: Zwischen der Therapie und der Impfung sollte ein Mindestabstand von einer Woche eingehalten werden.