Dossier
Covid-19-Impfung

Wer wird zuerst geimpft? Greift der Impfstoff in mein Erbgut ein?

In Österreich hat das große Impfen gegen Covid-19 begonnen. Wir haben schon vorab Experten um die wichtigsten Antworten gebeten: Welche Nebenwirkungen sind aufgetreten? Wer wird zuerst geimpft?

Am 27. Dezember hat die Impfkampagne gegen Covid-19 in Österreich begonnen: Die Pensionistin Theresia Hofer ist als erste Österreicherin gegen das Coronavirus geimpft worden. Ursula Wiedermann-Schmidt, Vorsitzende der österreichischen Impfkommission, injizierte Hofer und vier weiteren Patienten je eine Dosis der ersten in der EU zugelassenen Corona-Vakzine von BioNTech/Pfizer.

Wir haben Kleine-Zeitung-Leser schon vorab dazu aufgerufen, uns ihre Fragen zum Impfstoff gegen Covid-19 zu schicken – zahlreiche Mails sind bei uns eingegangen. Beantwortet werden die Fragen mit den Experten Clemens Maria Auer, Covid-Sonderbeauftragter im Gesundheitsministerium, Markus Zeitlinger, Vorstand der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der Med Uni Wien und Herwig Kollaritsch, Infektionsexperte und Mitglied des nationalen Impfgremiums.

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Die medizinischen Fakten

Wie kann es sein, dass die Impfstoffe schon jetzt zugelassen werden?

„Es gab schon einen riesigen Startvorteil, da man bereits Anfang Jänner die Virussequenz hatte und daher wusste, gegen welche Ziele am Virus sich der Impfstoff richten muss“, sagt Zeitlinger. Weiter beschleunigt wurde der Prozess dadurch, dass die Studienphasen ineinander verschachtelt wurden, wie der Experte erklärt: „Normalerweise mache ich die ersten Studien an Menschen mit verschiedenen Produkten, schaue mir dann an, welches ist das Beste, und picke mir das heraus. Dann beginne ich die nächste Studie zu planen“, sagt Zeitlinger – so vergehen Monate, bis der nächste Studienschritt überhaupt startet. In der Corona-Pandemie allerdings wurden diese nächsten Studienphasen schon geplant, während die vorhergehende Studie noch am Laufen war. „Hätte der Impfstoff nicht funktioniert, hätten die Firmen einfach Pech gehabt – dieses Risiko ist man eingegangen“, sagt Zeitlinger.

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Auch Florian Krammer, Impfstoffforscher mit steirischen Wurzeln in New York, sagt: "Was den Unterschied ausgemacht hat, war, dass kein Gedanke daran verschwendet werden musste, wie viel Geld hier verbraucht wird." Innerhalb kürzester Zeit wurden Milliarden ausgegeben - unter normalen Umständen versuchen Herstellerfirmen finanzielle Risiken tunlichst zu vermeiden, da sich erst nach einer Phase-3-Studie herausstellen kann, dass der Impfstoff nicht wirksam genug ist. Abgefedert durch Förderungen durch die öffentliche Hand spielte der Faktor Geld in der Pandemie aber keine Rolle.

Greift der Covid-Impfstoff in mein Erbgut ein?

Zeitlinger beruhigt: „Diese Impfstoffe können nicht in unsere DNA eingreifen.“ Der Experte erklärt das mit einem Vergleich: Die DNA ist wie ein Kochbuch voll mit Rezepten, um bestimmte Eiweißstoffe herzustellen. Das Rezept wird mittels der Messenger-RNA zu den Zellfabriken transportiert und dort hergestellt. Über den Impfstoff wird ein solches Rezept in den Körper gebracht und in den Zellfabriken produziert. „Das Rezept wird danach einfach verworfen, vom Körper abgebaut. Das Rezept kann sich nicht in das gebundene Buch unserer DNA eingliedern, das ist molekularbiologisch unmöglich“, sagt Zeitlinger.

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Ich hatte bereits Covid-19, brauche ich trotzdem eine Impfung?

Infektionsexperte Herwig Kollaritsch sagt: „Wir wissen noch nicht, wie lange ein Mensch nach einer Covid-19-Erkrankung immun gegen das Virus ist.“ Dass eine Immunität nach der Erkrankung besteht, davon gehen Experten jedoch aus – gibt es weltweit trotz Millionen Infizierter doch nur einige wenige beschriebene Fälle, wo es nach einer durchgemachten Infektion zu einer zweiten Ansteckung kam. „Wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, können sich auch Menschen, die bereits Covid-19 hatten, impfen lassen – es kann dadurch nichts passieren, die schon vorhandene Immunität wird durch die Impfung verstärkt“, sagt Kollaritsch. Ist der Impfstoff allerdings knapp, genüge es, sich nach sechs Monaten impfen zu lassen – denn so lange hält die Immunität nach der Erkrankung mindestens an, das traue man sich heute schon zu sagen. Wer wissen will, ob er schützende Antikörper hat, sollte laut dem Virologen Lukas Weseslindtner (Med Uni Wien) einen sogenannten Neutralisationstest machen: Dieser misst, ob vorhandene Antikörper das Virus auch wirklich unschädlich machen.

Was ist aus den Impfstoffstudien bekannt: Welche Nebenwirkungen sind aufgetaucht?

„Bevor wir einen Impfstoff tatsächlich verabreichen, werden die Impfstoffe einer Arzneimittelprüfung im Rahmen eines europäischen Zulassungsverfahrens unterzogen“, sagt Markus Zeitlinger. Nur wenn das Risiko-Nutzen-Profil positiv sei, würde der Impfstoff zugelassen. Laut Zeitlinger müsse man zum Thema Nebenwirkungen zwischen Impfreaktionen und Impfkomplikationen unterscheiden. „Impfreaktionen sind bei allen Impfungen aufgetreten, dazu gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, leichtes Fieber, aber alles nur kurzzeitig.“ Jene Impfstoffe, die nun kurz vor der Zulassung stünden, seien „sehr potent“, zeigten eine hohe Schutzwirkung zwischen 70 und 95 Prozent, sagt Zeitlinger – daher könnten die Impfreaktionen auch stärker ausfallen. „Diese Symptome zeigen: Das Immunsystem reagiert und das ist gut so.“

Herwig Kollaritsch: "Bei der Pfizer-Biontech-Studie sind zwei Dinge aufgefallen: Unter den Geimpften traten vier Fälle einer vorübergehenden Lähmung eines Gesichtsnervs auf, Faszialisparese genannt. Die Häufigkeit, mit der das auftrat, entsprach aber der sogenannten Hintergrund-Inzidenz: Die Erkrankung ist nicht häufiger vorgekommen, als man sie auch in der Allgemeinbevölkerung ohne Impfung erwarten würde. Zweitens haben wir von zwei Fällen von allergischen Reaktionen gehört, darauf sollte man ein Augenmerk haben, aber auch das ist etwas, das sofort auftritt. Als impfender Arzt weiß man, wie man damit umgeht."

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Die Studienprobanden wurden nur kurze Zeit beobachtet - was ist mit Langzeitfolgen?

Darauf antwortet Impfexperte Herwig Kollaritsch: "Die überwiegende Zahl von schweren Nebenwirkungen nach einer Impfung treten innerhalb der ersten zwei Monate auf. Alles, was danach auftritt, ist sehr selten und auch in der kausalen Relation zur Impfung strittig. Bei Influenza-Impfstoffen kann in ein bis zwei Fällen pro einer Million Geimpfter ein Guillain-Barré-Syndrom, eine Form der Nervenentzündung auftreten. So seltene Nebenwirkungen sind in Studien einfach nicht erfassbar, die Wahrscheinlichkeit dafür ist einfach zu gering."

Foto © Markus Zeitlinger, Med Uni Wien

Bin ich durch eine Impfung vollständig vor der Erkrankung geschützt oder kann ich trotzdem eine milde Form bekommen?

Zeitlinger: Die Studien waren darauf angelegt, Unterschiede bei symptomatischen Infektionen zu zeigen. Zehntausende Menschen wurden geimpft. Wenn ein Studienteilnehmer Beschwerden zeigte, wurde ein Coronatest gemacht. „Wir wissen noch nicht, wie viele andere ohne Symptome sich infiziert haben“, sagt der Experte. Ausgehend vom Wirkmechanismus der Impfstoffe sei es aber „extrem wahrscheinlich“, dass auch asymptomatische Erkrankungen verhindert würden. Das werde anhand von Blutproben der Studienteilnehmer noch untersucht.

Kann ich trotz Impfung als Überträger in Frage kommen?

„Das lässt sich nicht hundertprozentig ausschließen“, sagt Zeitlinger – doch dieses Problem habe man auch ohne Impfung, da man sich
gesund fühlen und trotzdem ansteckend sein könne. Herwig Kollaritsch sagt: "Wir können heute einfach noch nicht sagen, ob die Impfung die Übertragung des Virus verhindert. Ich gehe aber davon aus, dass jemand, der geimpft ist und Antikörper gebildet hat in seiner Fähigkeit das Virus zu übertragen zumindest eingeschränkt ist. Das heißt: Er ist nicht so lange, nicht so massiv ansteckend. Abgesehen davon stellen wir bei den jetzigen Impfungen den Schutz des Einzelnen in den Vordergrund."

Die Impfung wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lebenslang schützen.

Markus Zeitlinger, Med Uni Wien

Wie lange wird der Impfschutz anhalten, wie oft muss die Impfung aufgefrischt werden?

Diese Daten fehlen noch, da sich der Beobachtungszeitraum erst über wenige Monate erstreckt. „Die Impfung wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lebenslang schützen“, sagt Zeitlinger. Es sei noch unklar, wann die Impfung aufgefrischt werden müsse. Einen Hinweis könnten jene Menschen geben, die in den allerersten Studienphasen geimpft wurden: Bei diesen einigen Hundert Probanden könne man untersuchen, wie sich die Antikörpertiter im Blut entwickelten. Was schon klar sei: Bei den drei Impfstoffen, die nun vor der Zulassung stünden, werde es zur Grundimmunisierung zwei Teilimpfungen im Abstand von wenigen Wochen brauchen.

Werden ältere Menschen die Impfung überhaupt vertragen?

Im Alter reagiert das Immunsystem nicht mehr so gut auf Impfungen. Was daher passieren könne, sei, dass die Schutzwirkung bei älteren Menschen nicht so hoch sei wie bei jüngeren. In der Folge würden bei Älteren aber auch weniger Impfreaktionen auftreten, das kenne man schon von anderen Impfungen. „Diese Menschen wären dann darauf angewiesen, dass sich viele Menschen in ihrem Umfeld impfen lassen, um sie zu schützen“, sagt Zeitlinger. Eine offene Frage ist, wie gut Menschen mit Vorerkrankungen (wie Bluthochdruck, Diabetes) auf die Impfstoffe ansprechen: Generell wurden zwar auch Menschen mit Vorerkrankungen in die Studien aufgenommen – wie viele es tatsächlich waren, zeigen erst die vollständigen Daten zur Zulassung, die von der europäischen Arzneimittelbehörde auch öffentlich zugänglich gemacht werden.

Wie wirkt die Impfung bei Menschen mit unterdrücktem Immunsystem?

Menschen, deren Immunsystem (zum Beispiel aufgrund einer Organtransplantation) unterdrückt wird, wurden nicht in die Studien eingeschlossen. „Für eine Zulassungsstudie gehe ich nicht in eine Bevölkerungsgruppe mit einem besonders schwachen Immunsystem“, sagt Zeitlinger. Hier müssen die Zulassungsdaten abgewartet werden. Bei Autoimmunerkrankungen wird generell von Lebendimpfstoffen abgeraten – von jenen vor der Zulassung befindlichen Impfstoffen ist der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca ein Lebendimpfstoff, die Messenger-RNA-Impfstoffe sind Totimpfstoffe.

Wird kontrolliert, ob die Impfung auch wirkt, zum Beispiel mit einer Titerbestimmung?

Zeitlinger sagt: „Im Rahmen der Studien wurde das teilweise gemacht, um herauszufinden, wie hoch die Antikörpertiter sein müssen, um geschützt zu sein.“ Der Mediziner geht aber nicht davon aus, dass eine solche Messung bei einer breiten Impfkampagne gemacht werde – der logistische Aufwand wäre zu groß, alle Geimpften einige Wochen nach der Impfung noch einmal auf ihre Antikörpertiter zu testen.

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Die Logistik der Covid-Impfung

Wie ist der genaue Zeitplan für die Impfung in Österreich?

Es gibt einen Impfplan, der in Österreich in drei Phasen abläuft. In Phase 1 im Jänner werden nur Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna zu Verfügung stehen, erklärt der Experte. In dieser Phase wird ausschließlich in den Kranken- und Pflegeheimen, in den Krankenanstalten und im engeren Sinn im Gesundheitssektor geimpft. Phase 2 soll anschließend folgen. „Ich gehe davon aus, dass wir dann zusätzlich schon einen anderen Impfstoff von Astra Zeneca dazunehmen können“, betont Auer. Hier kann dann auch von niedergelassenen Ärzten geimpft werden. Alle Menschen über 65 Jahre sollen von ihren Hausärzten eingeladen werden, sich impfen zu lassen. „Wenn wir noch ausreichend Impfstoff zur Verfügung haben, wird zusätzlich in den kritischen Infrastrukturen geimpft, wie Polizei, der Justizwache, aber auch Lehrer und Betreuer in Kindergärten“, so der Experte weiter. In der Phase 3 sollte dann genug Impfstoffe für die Masse zur Verfügung stehen. „Das wird allerdings nicht vor April sein“, betont Auer. Man wolle mit den Impfungen direkt in große Unternehmen gehen, aber auch mit den Gemeinden gemeinsam Impfstraßen aufbauen.

Foto © Clemens Martin Auer


Kann mir aussuchen, von welchem Hersteller meine Impfung kommen wird?

Nein, das hängt von der Verfügbarkeit und der Beschaffenheit der Impfstoffe ab. „Ich gehe davon aus, dass die Impfstoffe, die in Europa zugelassen werden, alle gute Impfstoffe sind, sonst würden sie keine Zulassung bekommen“, betont Auer. „Wir werden am Beginn den Biontech und den Moderna-Impfstoff haben, die sind sehr kompliziert in der Handhabung, sie brauchen eine Minus 80 Grad-Lagertemperatur. Daher werden wir diesen Impfstoff nur im organisierten Bereich einsetzen können, also in Alten- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern und wahrscheinlich auch in den gut organisierten Impfstraßen“, erklärt der Experte. Impfstoffe von Astra Zeneca und Johnson & Johnson – das sind Vektor-Impfstoffe – seien einfacher in der Handhabung und könnten im auch im Bereich der niedergelassenen Ärzte verabreicht werden.

Die Impfstoffkandidaten

  • BIONTECH/PFIZER: Studien mit dem Impfstoff zeigten, dass das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, um 95 Prozent geringer ist als ohne Impfung. Die Zulassungsstudie mit dem Impfstoff BNT162b2 hatte Ende Juli begonnen. Sie umfasst bis zu 44.000 Teilnehmer. Der Impfstoff basiert auf einem neuen Ansatz, der sogenannten Boten-RNA (mRNA). Ein solcher Impfstoff soll schneller in großem Maßstab hergestellt werden können als herkömmliche, er benötigt aber auch eine stärkere Kühlung, was die Logistik erschwert.
  • MODERNA: Als zweites Unternehmen veröffentlichte der US-Konzern im November positive Egebnisse aus seiner zulassungsrelevanten Studie. Demnach zeigt der Impfstoff, der ebenfalls auf dem mRNA-Ansatz basiert, eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent beim Schutz vor Covid-19.
  • ASTRAZENECA: Auch der britische Pharmakonzern veröffentlichte schon Studienergebnisse zu seinem Impfstoff-Kandidaten, den er zusammen mit der Universität Oxford entwickelt. Die Zwischenanalyse ergab, dass der Impfstoff eine Wirksamkeit von 90 Prozent zeigt, wenn zunächst eine halbe Dosis verabreicht wurde, gefolgt von einer vollen Dosis mindestens einen Monat später. Im Durchschnitt lag die Wirksamkeit bei 70 Prozent. Der Zulassungsprozess kann sich hier noch verzögern. Das Vakzin von AstraZeneca beruht auf einer eher herkömmlichen Herstellungsweise.
  • CUREVAC: Der Tübinger Impfstoffentwickler hat im Juni mit der klinischen Erprobung seines Vakzins begonnen. In der Phase-I-Studie, an der mehr als 250 Probanden teilnahmen, wurde der Impfstoff von CureVac in verschiedenen Dosierungen getestet. Er zeigte eine gute Verträglichkeit und eine ausgewogene Immunantwort. Noch vor Jahresende soll nun die entscheidende Wirksamkeitsstudie mit weltweit mehr als 30.000 Probanden starten.
  • JOHNSON & JOHNSON: Der US-Pharmakonzern hat die Phase-3-Wirksamkeitsstudie, an der rund 60.000 Menschen teilnehmen sollen, Ende September gestartet. Ergebnisse sollten bis Anfang kommenden Jahres vorliegen.
  • SINOVAC: Der Impfstoff CoronaVac des chinesischen Biotechunternehmens befindet sich als einer von einer Handvoll chinesischen Impfstoffkandidaten in der klinischen Phase-III. Nach vorläufigen Studienergebnissen, die Mitte November veröffentlich wurden, erzeugte das Vakzin eine schnelle Immunantwort, das Level an Antikörpern lag aber unter dem von genesenen ehemaligen Covid-19-Patienten.
  • SINOPHARM: Der staatliche chinesische Biotechkonzern testet zwei verschiedene Impfstoffprojekte in Phase-III-Studien. Das Wall Street Journal hatte berichtet, Sinopharm biete seine Impfstoffe kostenlos chinesischen Studenten an, die für ihr Studium ins Ausland gehen. Mit dem Impfstoff seien bereits rund 480.000 Personen geimpft worden, weitere rund 93.000 hätten die Impfung beantragt.
  • GAMALEYA-INSTITUT: Das russische Gesundheitsministerium hat den Impfstoff, der im Ausland unter dem Namen "Sputnik V" auf den Markt gebracht werden soll, am 11. August freigegeben - noch bevor die Ergebnisse der Phase III-Studien vorlagen. Zwischenergebnissen zufolge zeigte der Impfstoff eine Wirksamkeit von 92 Prozent gegen Covid-19.

 

Man wird sich den Impfstoff nicht aussuchen können. Wird jedoch auf Vorerkrankungen Rücksicht genommen?

„Im Bereich der hochchronisch Kranken wird sorgfältiger darauf geachtet werden, welchen Impfstoff diese Personen bekommen werden“, betont Clemens Martin Auer, Covid-Sonderbeauftragter im Gesundheitsministerium. Das Impfgremium werde dies festlegen, sobald genauere Daten dazu von den Herstellern vorhanden sind.

Wird es eine Impfpflicht geben – eventuell für einzelne Berufsgruppen?

„Es wird sicherlich keine gesetzliche Impfpflicht geben, für niemanden, auch nicht für einzelne Berufsgruppen. Das hat der Nationalrat noch nie beschlossen, weil es keinen politischen Konsens darüber gibt. Es gibt in Wahrheit einen Grundkonsens, dass keine Impfpflicht kommen soll“, stellt Auer klar.

Es wird sicherlich keine gesetzliche Impfpflicht geben.

Clemens Auer, Gesundheitsministerium

Wenn ich geimpft bin, brauche ich dann keine Maske mehr?

Es können nicht alle Menschen in Österreich gleichzeitig geimpft werden, daher wird die Maske weiterhin wichtig sein. „Wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate von 65 Prozent oder darüber erreichen und die Epidemiologen sagen, jetzt haben wir einen Zustand erreicht, wo die Ansteckungsgefahr nicht mehr so groß ist, dann werden wir auf die Maske verzichten können“, sagt Auer. Die Maske werde uns aber sicher noch tief bis ins Jahr 2021 begleiten.

Welche Durchimpfungsrate wird angestrebt?

„Ein normales Leben wird nur wieder möglich sein, wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate erreichen“, sagt Thomas Staudinger, Leiter Intensivstation 13.i2 der Med Uni Wien. Aus epidemiologischer Sicht, so Ministeriumsvertreter Auer, sei eine Durchimpfungsrate von 60 bis 65 Prozent in der Bevölkerung notwendig. Auch für die erste Impfphase in den Alten- und Pflegeheimen werden diese 60 bis 65 Prozent angestrebt, sagt Auer – und zwar für Bewohner und alle Mitarbeiter. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hofft auf eine Durchimpfungsrate von zumindest 50 Prozent. Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission des Bundeskanzleramts setzt sich dafür ein, dass es eine klare Empfehlung zur Impfung in der Öffentlichkeit geben soll – eine Impfpflicht schließen die Verantwortlichen aber sowohl für die breite Bevölkerung als auch für bestimmte Berufsgruppen aus.

Wie werden Risikopatienten verständigt, wann sie dran sind?

Bereits im Frühjahr wurden Risikogruppen definiert. Man werde diese Gruppe durch ihre Ärzte aktiv ansprechen und sie einladen – so bei ihrem Krankheitszustand eine Impfung ratsam ist – sich impfen zu lassen. „Ich kann mich als Betroffener aber auch bei meinem Arzt oder bei meiner Betreuungsstelle melden und und aktiv nachfragen“, betont Auer

Was ist mit Kindern? Wann werden sie geimpft?

Jene Impfstoffe, die am Anfang in Europa zur Verfügung stehen werden, haben zum momentanen Zeitpunkt keine Zulassung für Kinder. „Sie werden daher nicht geimpft werden können, weil die Impfstoffe keine Zulassung dafür haben. Ob sich das ändert, kann ich heute noch nicht sagen, denn das ist eine Angelegenheit von entsprechenden Studien und der Zulassungsbehörde“, erklärt Auer.

Was ist mit Politikern, wann werden sie geimpft?

Es wäre denkbar Politiker in der zweiten Phase zu impfen, da sie zu kritischer Infrastruktur gehören. Es habe diesbezüglich auch schon eine Anfrage des Parlaments gegeben, betont Auer: „Das wird aber nicht vor Februar sein.“ Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte kürzlich in einem Interview, dass er davon ausgehe aufgrund seines Alters nicht unter den Ersten zu sein.

Sollte es zu Impfschäden kommen, wer kommt dafür auf?

Das sei gleich, wie bei allen öffentlichen Impfaktion. In Österreich gibt es ein Impfschadengesetz, wo Ersatzleistungen genau definiert sind. „Falls so etwas passiert, was niemand hofft, dann greift das Impfschaden-Gesetz und der Staat, also die Gemeinschaft, übernimmt das Risiko“, sagt Auer.

Wie kann ich etwa bei Fluglinien nachweisen, dass ich bereits geimpft wurde?

Es wird Teil der Impfdokumentation sein, die wir ja alle haben. „Es wird im Impfpass vermerkt werden“, so Auer.

Wird die Covid-Impfung eine Voraussetzung fürs Reisen sein?

„Das ist eine politische Frage und diese stellt sich für den gesamten Schengenraum“, sagt Clemens Martin Auer. Im Moment sei sie noch nicht auf der Tagesordnung, es gebe aber Überlegungen der Weltgesundheitsorganisation WHO die Covid-19-Impfung in den internationalen Impfpass aufzunehmen.

Wird die Impfung etwas kosten?

Nein, wird sie uns nicht. „Die Impfung wird dem Steuerzahler etwas kosten, aber nicht uns als Individuum. Die Republik Österreich kauft diese Impfstoffe und wird sie auch kostenfrei verteilen auch die Kosten für die Verimpfung übernehmen“, beruhigt Auer.

Experte Herwig Kollaritsch

"Ohne Impfung stehen wir dem Virus nackt gegenüber"

Impfen gegen Covid-19 oder nicht? Eine Entscheidungshilfe in Buchform legt der Impfexperte Herwig Kollaritsch vor und sagt: Bei hoher Impfakzeptanz können wir im nächsten Herbst ein "einigermaßen normales Leben führen".

Ihr Buch trägt den Untertitel: Tipps für die persönliche Impfentscheidung. Wie persönlich kann die Entscheidung sein, schließlich ist Impfen immer auch ein sozialer Akt – in diesem Fall geht es um nichts weniger als darum, eine Pandemie zu beenden.

Herwig Kollaritsch: Mittels einer freiwilligen Impfung in die körperliche Integrität einzugreifen, ist imer eine persönliche Einzelentscheidung. Diese Entscheidung sollte aber auf drei Grundlagen basieren: Das sind erstens medizinische Gründe: Die medizinischen Daten liegen auf dem Tisch, wir wissen, dass wir mit der Impfung den Menschen keinen gravierenden Schaden zufügen.  Die zweite Frage ist: Sind wir bereit für unser Zusammenleben einen gesellschaftlichen Akt zu setzen? Und die dritte Frage: Wollen wir die nächsten Jahre ständig in einer Phase von Einschränkungen leben, wollen wir weiterhin wirtschaftlichen und sozialen Schaden nehmen?

Zur Person

Herwig Kollaritsch studierte in seiner Heimatstadt Wien Medizin und spezialisierte sich auf Reisemedizin, Impfwesen, Epidemiologie, und Mikrobiologie. Er ist Mitglied des österreichischen nationalen Impfgremiums und war maßgeblich am Aufbau des Fachgebietes „Reisemedizin“ in Österreich beteiligt.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen sich 56 Prozent der Österreicher gegen Covid-19 impfen lassen, die allgemeine Impfbereitschaft in Österreich liegt bei 70 Prozent. Welche Impfbereitschaft erwarten Sie bei Covid-19?

Das wird stark von der Kommunikation der nächsten Wochen abhängen. Wie stark werden sich Impfgegner formieren - das ist im Moment unser größtes Problem. Eine Schlüsselrolle spielt auch das medizinische Personal: Wenn der Vertrauensarzt eines Patienten von der Impfung überzeugt ist, ist der Patient zu mehr als 80 Prozent bereit, dieser Empfehlung zu folgen. Auch die Rückmeldungen aus jenen Ländern, die schon mit den Massenimpfungen gestartet sind, werden eine Rolle spielen: Welche Auffälligkeiten treten auf? Ich denke auch, dass in Österreich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen die Impfung unterschiedlich annehmen werden: Diejenigen, die in Covid-19 eine unmittelbare Bedrohung für sich selbst sehen, weil sie Grundkrankheiten haben oder weil sie jemanden kennen, der an Covid-19 gestorben ist, werden eine andere Haltung haben als junge, gesunde  Menschen, die mit einer gewissen Sorglosigkeit an dieses Thema herangehen.   

Ein Erklärungsansatz dafür, dass die Impfskepsis zunimmt, ist: Impfungen sind Opfer des eigenen Erfolgs. Durch Impfungen verschwinden die Krankheiten, vor denen sie schützen, die Angst vor Nebenwirkungen rückt in den Fokus. Nun leben wir aber in der Pandemie, wir sehen die Auswirkung von Covid-19 jeden Tag. Wieso ist die Impfbereitschaft trotzdem gering?

Die Impfentscheidung wird extrem emotional beurteilt, das hat nichts mit rationalen Überlegungen zu tun. Denn rational gesehen ist es eine Milchmädchenrechnung, jeder kann sich ausrechnen, was für ihn der höhere Nutzen ist. Wir haben in Österreich bis jetzt über 4.000 Corona-Tote. Bei einer 90-prozentigen Wirksamkeit der Impfung, könnten wir die Todeszahl von 4000 auf 400 oder 500 Tote senken, die Zahl der Patienten im Spital im ähnlichen Maß. Demgegenüber steht ein fiktives Impfrisiko, das so gering ist, dass es bisher in den Studien überhaupt nicht aufgetaucht ist. Abgesehen vom medizinischen Bereich: Ich bin 65 Jahre alt und ich möchte mich wieder frei bewegen können. Wir werden Anfang bis Mitte Februar die nächste Welle haben und es wird wieder Restriktionen geben müssen. Wollen wir so wirklich die nächsten Jahre leben? Dieses Virus verschwindet nicht einfach wieder.

Foto © Das Buch: Pro & Contra Corona-Impfung

Das Buch

Herwig Kollaritsch im Gespräch mit Silvia Jelincic. Pro & Contra: Corona-Impfung, edition a
128 Seiten gebunden, Preis: 18 Euro

Herwig Kollaritsch spendet das ihm im Rahmen
der Publikation dieses Buches zustehende Autorenhonorar in voller Höhe an die  Kindernothilfe.

Die Alternative wäre die natürliche Herdenimmunität.

Dafür müssen 70 Prozent der Bevölkerung immun sein. Das bedeutet, zigtausend Tote und den Zusammenbruch des Gesundheits- und Wirtschaftssystems. Und dann wissen wir nicht, wie lange die Immunität nach einer Infektion hält. Es kann sein, dass nach drei bis vier Jahren das Spiel wieder von vorne losgeht. Das kann keine Zukunftsoption sein.

Doch junge Menschen könnten für sich denken: Mache ich eben die Infektion durch und habe so eine natürliche Immunität, bevor ich mir eine Impfung mit noch unbekannten Nebenwirkungen geben lasse.

Das Risiko durch die Infektion schwer zu erkranken, ist auch für jüngere Menschen gegeben. Das Durchschnittsalter der Covid-Intensivpatienten am AKH Wien liegt bei 55 Jahren – auch Jüngere müssen kämpfen, brauchen oft wochenlange Rehabilitation. Das Risiko der Erkrankung ist nicht kalkulierbar – das Risiko der Impfung hingegen ist kalkulierbar: Dazu gibt es Studiendaten. Für mich ist ein kalkulierbares Risiko eine angenehmere Aussicht.

Warum ist gerade die Impfdebatte eine so emotionale -  über Blutdrucksenker oder Antibiotika wird selten so emotional diskutiert.

Als Edward Jenner vor mehr als 200 Jahren mit der Pockenimpfung begonnen hat, dauerte es nur wenige Wochen, bis sich Impfgegner formiert haben. Das Phänomenn ist auch für mich etwas unerklärlich, es hängt vielleicht damit zusammen, dass wir Impfungen an Gesunde verabreichen. Die Gefährdung, die wir mit Impfungen bekämpfen, ist für manche nicht unmittelbar fassbar. Habe ich jedoch einen Meniskusschaden, der mir Schmerzen bereitet, ist da ein unmittelbarer Leidensdruck. Wenn mich eine Operation von den Schmerzen befreien kann, muss ich trotzdem das Operationsrisiko abwägen – die Motivation für den Eingriff wird aber durch meine Schmerzen dominiert. Das ist bei Impfungen anders: Der Mensch ist gesund, denkt sich: Mir kann eh nichts passieren. Leider ist eine egoistische Grundhaltung sehr oft der ausschlaggebende Motivator.

Nun basieren zwei der ersten Covid-Impfstoffe auf der messenger-RNA-Technologie. Eine solche Impfung wurde noch nie zugelassen, was für Unsicherheit sorgt. Worauf muss man sich einstellen, wenn man diesen Impfstoff bekommt?

Die Technologie gibt es seit 1990, sie ist also nicht ganz neu. Bis dato war das Hauptproblem, dass nackte RNA vom Körper sofort abgebaut wird, sie konnte nicht geimpft werden. Nun ist es gelungen eine Verpackung für die RNA zu finden, sodass sie unangreifbar ist, bis sie die Muskelzelle erreicht. Gelangt diese RNA nun in den Körper wird sie von den Zellfabriken in unseren Zellen, den Ribosomen abgelesen und das notwendige Protein wird hergestellt. Das ist im Grunde ein biologischer Vorgang, der in unseren Zellen ständig abläuft. Wir machen uns das körpereigene System zunutze. Es ist technisch nicht möglich, dass diese RNA in den Zellkern gelangt und unser Erbgut verändert. Das geht genauso wenig wie ich mit einem Auto nicht fliegen kann. Wenn die Proteine hergestellt sind, wird die RNA in der Zelle zerstört und recycelt.

Foto © Impfexperte Herwig Kollaritsch

Diese Art von Impfstoff, so wurde es auch in den Studien beobachtet, kann zu starken Impfreaktionen führen.

Für mich als Vakzinologen ist das eine erfreuliche Sache – nicht weil ich Sadist bin, sondern weil es ein Zeichen für eine gute Immunantwort ist. Wir spüren, dass unser Immunsystem aktiv wird – die Symptome, die dabei auftreten, sind breit gestreut: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, es kann auch an der Impfstelle selbst zu entzündlichen Reaktionen kommen und das tut weh. Das alles ist zwar unangenehm, aber es ist nicht gesundheitsschädlich und es geht schnell wieder weg, längstens nach drei Tagen.

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Können diese Impfreaktionen für ältere oder vorerkrankte Menschen zum Problem werden?

Gerade ältere Menschen haben eine geringere Chance, dass sie von der Intensität der Nebenwirkungen Probleme bekommen. Warum? Unser Immunsystem altert und ist nicht mehr so aktiv – das hat den Vorteil geringerer Impfreaktionen, der Nachteil könnte sein, dass der Impfschutz bei Älteren vielleicht kürzer hält.

Die Covid-Impfstoffe wurden so schnell auf den Markt gebracht wie noch nie eine Impfung zuvor. Das verunsichert zusätzlich, denn: Es muss ja irgendwo Zeit gespart worden sein.

Schnell bedeutet nicht zwangsläufig schlampig. Firmen machen normalerweise bei der Impfstoff-Entwicklung ein Zug-um-Zug-System, um das kaufmännische Risiko zu minimieren. Eine Impfstoff-Entwicklung kostet bis zu einer Milliarde Euro. In der Pandemie war es aber so, dass jene Firmen, die ganz vorne in der Entwicklung stehen, massivste staatliche Unterstützung bekommen haben, um ihr kaufmännisches Risiko abzufedern. In der Folge haben die Herstellerfirmen ihre ganze Arbeitskraft in die Entwicklung gesteckt und schon begonnen Impfstoff zu produzieren als noch völlig unklar war, ob er wirkt. Das verfügbare Geld und die Arbeitskraft hat den Unterschied gemacht.

Der Faktor Zeit bereitet auch deshalb Sorgen, weil es keine Langzeitbeobachtung der Studienprobanden gibt.

Die überwiegende Zahl von schweren Nebenwirkungen nach einer Impfung treten innerhalb der ersten zwei Monate auf. Alles, was danach auftritt, ist sehr selten und auch in der kausalen Relation zur Impfung strittig. Bei Influenza-Impfstoffen kann in ein bis zwei Fällen pro einer Million Geimpfter ein Guillain-Barré-Syndrom, eine Form der Nervenentzündung auftreten. So seltene Nebenwirkungen sind in Studien einfach nicht erfassbar, die Wahrscheinlichkeit dafür ist einfach zu gering. Bei der Pfizer-Biontech-Studie sind zwei Dinge aufgefallen: Unter den Geimpften traten vier Fälle eine vorübergehende Lähmung im Gesicht auf, Faszialisparese genannt. Die Häufigkeit, mit der das auftrat, entsprach aber der sogenannten Hintergrund-Inzidenz: Die Erkrankung ist nicht häufiger vorgekommen, als man sie auch in der Allgemeinbevölkerung ohne Impfung erwarten würde. Zweitens haben wir von zwei Fällen von allergischen Reaktionen gehört, darauf sollte man ein Augenmerk haben, aber auch das ist etwas, das sofort auftritt. Als impfender Arzt weiß man, wie man damit umgeht.

Ich bin 65 Jahre alt und hätte die Impfung schon gerne heute.

Herwig Kollaritsch, Impfexperte

Das letzte Wort in der Zulassung haben die Behörden der europäischen Arzneimittelbehörde: Wer sitzt da drin und können die im Angesicht einer Pandemie überhaupt sagen: Wir wollen mehr Daten, wir sind uns nicht sicher?

Ich habe selbst einige Impfstudien gemacht und ich weiß, dass das Beurteilungsverfahren der Arzneimittelbehörde gefürchtet ist. Die Prüfer zerlegen ein Studienzentrum in seine Einzelteile, da wird jeder Beistrich geprüft. Diese Verfahren sind gesetzlich haargenau geregelt, das gilt auch in einer Pandemie.

Sie haben die ethische Verantwortung beim Thema Impfen angesprochen, doch noch ist völlig unklar, ob ein Geimpfter das Virus nicht trotzdem weitergeben kann. Zählt das Argument der sozialen Verantwortung damit überhaupt?

Wir können heute einfach noch nicht sagen, ob die Impfung die Übertragung des Virus verhindert. Ich gehe aber davon aus, dass jemand, der geimpft ist und Antikörper gebildet hat in seiner Fähigkeit das Virus zu übertragen zumindest eingeschränkt ist. Das heißt: Er ist nicht so lange, nicht so massiv ansteckend. Abgesehen davon stellen wir bei den jetzigen Impfungen den Schutz des Einzelnen in den Vordergrund. Wir haben jetzt die erste Generation des Impfstoffes. Es kommen im Laufe des Jahres 2021 ein weiteres halbes bis Dutzend Impfstoffe heraus und vielleicht hat einer von denen das Potenzial, die Übertragung nachhaltig zu beeinträchtigen.

Wann können wir die Masken wegwerfen?

Ich gehe davon aus, dass wir die gesamte Winter- und Frühjahrs-Saison arge Probleme haben werden. Ich hoffe, dass der Sommer auch durch die Saisonalität des Virus die ersten Erleichterungen bringen wird, glaube aber nicht, dass wir da schon die üblichen Regeln außer Acht lassen dürfen. Es hängt von der Bevölkerung ab: Ist die Impf-Akzeptanz hoch, lassen sich deutlich über 50 Prozent der Menschen impfen und entstehen gerade in den Risikogruppen keine Impflücken, dann können wir im nächsten Herbst ein einigermaßen normales Leben führen.

Haben Sie Ihre persönliche Impfentscheidung schon getroffen?

Ich bin 65 Jahre alt und ich hätte die Impfung schon gerne heute.

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Antworten von Experten

Wie wirkt die Covid-Impfung bei Krebspatienten?

Die Immunantwort von Krebspatienten könnte schlechter ausfallen - verlässliche Daten fehlen aber noch, da Krebspatienten nicht in die Studien eingeschlossen waren.

Wie die Covid-Impfung bei Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem wirkt, ist eine große offene Frage. In diese Gruppe können auch Menschen fallen, die gerade gegen Krebs behandelt werden, denn Therapien wie eine Chemotherapien unterdrücken die Immunantwort. Andere Therapien hingegen regen das Immunsystem an. Noch sind deshalb viele Fragen offen, einige Experten haben ihre Einschätzung abgegeben.

Etwa 360.000 Menschen sind in Österreich von Krebs betroffen. US-Chefinfektiologe Anthony Fauci rät zur Impfung. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Wiener Onkologen Christoph Zielinski dürften die Vakzine an sich kein Risiko darstellen. Die Frage ist eher, wie stark und verlässlich bei Krebspatienten der Effekt der Impfstoffe ist - wie gut sie also vor einer Ansteckung schützen.

Individuelle Einschätzung mit dem Arzt

Anthony Fauci, Chef der US-Institute für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) hat sich jetzt für die Impfung von Krebskranken ausgesprochen. In einem Interview mit der Präsidentin der amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie, Stephanie Lee, erklärte er: "Ich denke, Krebskranke sollten zur (Covid-19-)Impfung ermutigt werden. Aber sie werden eventuell weniger Immunität erlangen. Wir wissen nicht, wie viel an Schutz wir mit der Vakzine auslösen können. Deshalb argumentieren wir ja für die Impfung Gesunder, um eine 'Herdenimmunität' zu erzeugen, die Menschen mit geschädigtem Immunsystem schützt." Die US-Zentren für Krankheitskontrolle  stellten fest, Krebskranke könnten gegen Covid-19 geimpft werden, wenn nicht erhebliche Fakten dagegen sprechen würden. Man sollte individuell vorgehen.

Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des DKFZ in Heidelberg, erklärte zur generellen Einstufung der Betroffenen in den Impfkonzepten gegen Covid-19: "Das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ist bei Krebspatienten sehr differenziert zu betrachten. Denn Faktoren wie Krebsart, Erkrankungssituation, erforderliche Therapie und Begleiterkrankungen sowie weitere Risiken, wie Alter oder Rauchen, spielen eine wichtige Rolle. Eine pauschale Einstufung ist daher nicht möglich. Wir empfehlen Betroffenen, ihre behandelnden Ärzte um eine Einschätzung zu bitten." Die Ausgangssituation, gerade erfolgende oder erfolgte Krebstherapie - und hier auch noch deren Art - sind viele Faktoren, die dabei zu berücksichtigen sind.

Die deutsche Expertin erklärte dazu: "Bei starker Immununterdrückung, beispielsweise durch eine hoch dosierte Chemotherapie, ist eine Impfung eines Krebspatienten unter Umständen nicht möglich. Dann kann es sinnvoll sein, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, indem sich nahe Angehörige bzw. allgemein Personen, die im gleichen Haushalt leben, gegen Covid-19 impfen lassen."

Impfstoffe stellen kein Risiko dar

Vom Prinzip her dürften die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer oder Moderna kein Risiko darstellen. Sie enthalten ja bloß den Bauplan für die Produktion des S-Proteins von SARS-CoV-2 durch Zellen des Geimpften. Dagegen soll dann eine Immunantwort in Gang kommen. Es sind also keine abgeschwächten lebenden Viren enthalten. "Sogenannte Totimpfstoffe konnten Krebspatienten aber immer schon bekommen", sagte der Wiener Onkologe Christoph Zielinski. Grundsätzlich würden die Covid-19-Vakzine, welche gerade die Zulassung erhalten haben oder vor der Zulassung stünden, Totimpfstoffen entsprechen. "Ein ganz anderes Prinzip, aber jedenfalls ohne jegliche Verwendung von lebenden Viren."

Schwieriger ist die Frage, ob die Covid-19-Vakzine das Abwehrsystem von Krebspatienten so aktivieren, dass es zu einer schützenden Immunantwort kommt. "Wie wirksam mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 speziell bei Krebspatienten sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher beantwortet werden. Gleiches gilt auch für die Verträglichkeit der Impfung im Zusammenspiel mit bestimmten Krebstherapien wie einer Chemotherapie oder zielgerichteten Medikamenten. (...) Menschen, deren Immunsystem durch die Krebserkrankung oder die Krebstherapie unterdrückt ist, waren bei der bisherigen Zulassungsstudie nicht als Probanden vertreten", schrieb das DKFZ. Es gebe eben bisher keine verlässlichen Informationen.

Immunantwort untersuchen

"Viel wichtiger wird sein, dass nach einer Covid-19-Impfung bei einem Krebspatienten bestimmt wird, ob es zu einer schützenden Immunantwort gekommen ist. Das lässt sich durch eine Laboruntersuchung feststellen", sagte Zielinski. Zu solchen Laboruntersuchungen gehen viele Menschen, wenn sie wissen wollen, ob sie beispielsweise noch im Impfschutz bei FSME sind. In Sachen Covid-19 könnte das bei Menschen mit unterdrücktem Immunsystem besonders wichtig sein, weil gerade sie sich ja auf den Schutz verlassen können müssten.

Anders könnte das bei Krebspatienten unter Immuntherapie sein, erklärte der Experte: "Bei Krebskranken, die eine Immuntherapie bekommen, könnte es sogar zu einer verstärkten Antwort auf die Impfung kommen, weil diese Krebstherapie ja das Abwehrsystem stärkt." Hinweise dafür gebe es aber derzeit nur aus einer kleinen Studie mit wenigen Patienten. An einer der Zulassungsstudien für die neuen Covid-19-Impfstoffe nahmen auch einige HIV-positive Menschen teil. Informationen über deren Immunantwort auf die Vakzine gibt es aber bisher noch nicht.

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Covid-19-Impfstoff

Was die Warnung an Allergiker bedeutet

Britische Behörden warnen vor Impfungen bei Menschen mit schwerer Allergie-Vorgeschichte: Was das bedeutet und wie häufig Allergien auf Impfungen sind.

Kurz nach Beginn der Covid-19-Impfkampagne in Großbritannien traten dort bei zwei Mitarbeitern des Gesundheitssystems allergische Reaktionen auf – die britische Arzneimittelaufsicht hat deshalb dazu geraten, vorerst niemanden mit einer "signifikanten" Allergiegeschichte den Biontech-Pfizer-Impfstoff zu verabreichen. Die beiden Betroffenen haben eine entsprechende Vorgeschichte mit schweren allergischen Symptomen und haben deshalb auch immer ein Notfallset mit einem Adrenalin-Pen bei sich getragen. Sie mussten nach der Impfung behandelt werden, erholen sich jetzt aber gut, wie ein Zuständiger berichtet.

Die Warnung der britischen Behörden richtet sich nun an Menschen, die in der Vergangenheit signifikante allergische Reaktionen auf Impfstoffe, Arzneimittel oder Lebensmittel hatten. Bei der Warnung handle es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, fügten Verantwortliche hinzu.

Allergische Reaktionen sind selten

Wie außergewöhnlich ist diese allergische Reaktion nun und was bedeutet das für Allergiker? „Wie bei jedem anderen Medikament auch, kann es bei Impfungen zu allergischen Reaktionen kommen“, sagt Elisabeth König, Fachärztin für Klinische Mikrobiologie und Hygiene am Institut für Hygiene der Med Uni Graz. Solche allergischen Reaktionen können von einem juckendem Hautausschlag bis hin zu schweren anaphylaktischen Symptomen mit Atemnot, Kreislaufschwäche oder Schwellungen im Mund- und Rachenraum reichen. „Generell sind allergische Reaktionen auf Impfungen aber selten“, sagt König. Laut dem österreichischen Impfplan treten allergische Reaktionen mit einer geschätzten Häufigkeit von einem Fall auf 500.000 bis zu einer Million verimpfte Dosen auf. Dass die Allergie lebensbedrohlich verläuft, sei sehr selten und passiere mit einer geschätzten Häufigkeit von 1 auf 1,5 Millionen Impfdosen.

Die Allergie tritt in den meisten Fällen auf einen Inhaltsstoff der Impfung auf – welcher Inhaltsstoff im Fall der Covid-19-Impfung von Biontech/Pfizer der Auslöser war, ist noch nicht bekannt. Expertin König ist sich aber sicher, dass nun mit Hochdruck danach gesucht werde, den Auslöser zu identifizieren.

Foto © Elisabeth König, Med Uni Graz

Reaktion auf Inhaltsstoff

So gebe es Impfstoffe, die Hühnereiweiß enthalten, wie zum Beispiel die Gelbfieberimpfung. „Menschen, die eine bekannte Allergie gegen Hühnereiweiß haben, können diese Impfstoffe nicht bekommen“, sagt König. Allerdings ist der in Großbritannien verwendete Impfstoff frei von Hühnereiweiß. Tritt eine Allergie erstmals nach einer Impfung auf, sollte durch Tests untersucht werden, auf welchen Inhaltsstoff der oder die Betroffene reagiert hat – um in Zukunft Impfungen mit solchen Inhaltsstoffen für sich selbst auszuschließen oder auf Impfungen anderer Hersteller zu setzen.

Solche allergischen Reaktionen im Vorfeld auszuschließen sei schwierig, denn: „In Studien werden Menschen mit einer schweren allergischen Vorgeschichte ausgeschlossen oder sie machen gar nicht erst mit“, sagt Markus Zeitlinger, Vorstand Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Med Uni Wien.

Warnung an schwere Allergiker

Wichtig sei, so König, zu unterstreichen, dass sich diese Warnung momentan an Patienten mit einer „relevanten Allergie-Vorgeschichte“ richtet: Das sind in aller Regel Menschen, die so schwer reagieren, dass sie einen sogenannten Epi-Pen bei sich tragen. Und: „Solche schweren allergischen Reaktionen treten meist innerhalb von Minuten nach der Impfung auf“, sagt König – ein Grund dafür, warum es nach Impfungen beim Arzt einen Beobachtungszeitraum gibt.

Die zuständigen Behörden in den USA und Europa, die FDA und die EMA, prüfen gegenwärtig noch eine Zulassung des Mittels von Biontech und Pfizer. Am Donnerstag soll sich der Beratungsausschuss für Impfstoffe der FDA zur Überprüfung der Daten der beiden Pharmaunternehmen treffen und eine Empfehlung abgeben. Die EMA will über das Vakzin von Biontech und Pfizer bis spätestens 29. Dezember, über das des US-Konzerns Moderna bis 12. Jänner entscheiden.

Aktuelle Forschung

Covid-19: Wie lange hält die Immunität?

Wer Covid-19 schon einmal durchgemacht hat, fragt sich in dieser zweiten Welle: Hält die Immunität noch an? Und wenn ja, wie lange? Die Forschung lernt dabei von Schnupfenviren und hofft auf das Immungedächtnis.

1. Was ist heute schon über Immunität gegen Covid-19 bekannt?

„Generell müssen wir uns vor Augen halten: Wir kennen das Virus noch immer erst sehr kurze Zeit“, sagt Lukas Weseslindtner, Virologe an der Med Uni Wien. „Wir konnten Menschen, die in der ersten Welle erkrankt sind, noch nicht einmal ein Jahr lang beobachten.“ Auch wurde das Infektionsgeschehen in vielen Teilen der Welt zum Glück erfolgreich verlangsamt – auch Antikörperstudien in Österreich zeigen, dass „wir noch am Anfang der Pandemie stehen“, sagt der Experte – der Anteil Genesener in der Bevölkerung ist also noch gering. Daher beruhen viele Annahmen noch auf relativ wenigen Daten – oder auf Rückschlüssen aus Erfahrungen mit jenen Coronaviren, mit denen wir als saisonale Schnupfen-Auslöser schon lange leben.

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2. Was ist die Voraussetzung für Immunität gegen das Virus?

Um sich nicht mehr anstecken zu können, braucht es sogenannte neutralisierende Antikörper: Diese verhindern, dass das Virus in den Körper eindringen kann. Um diese Antikörper nachzuweisen, braucht es einen sogenannten Neutralisationstest, sagt Weseslindtner. „Aktuelle Studien zeigen, dass diese Antikörper nicht so schnell abfallen wie befürchtet: Wir gehen davon aus, dass diese etwa sechs bis zwölf Monate erhalten bleiben“, sagt der Experte. Jedoch hängt die Höhe der Antikörper nach der Genesung auch mit der Schwere der Erkrankung zusammen. Hier gilt generell: Je schwerer die Erkrankung, desto höher die Konzentration der Antikörper.

Foto © Lukas Weseslindtner, Virologe Med Uni Wien

3. Ich hatte bereits im Frühjahr Covid-19: Bin ich in der zweiten Welle geschützt?

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zunächst fragen: Wie schwer war ich krank? „Musste jemand ins Krankenhaus, hat er so viele Antikörper produziert, dass dieser Patient wohl länger immun ist als andere“, sagt Weseslindtner. Hatte man einen moderaten Krankheitsverlauf mit Husten und Fieber, halten die Antikörper wahrscheinlich für sechs bis 12 Monate. „Hier ist es aber wichtig testen zu lassen, ob es sich um neutralisierende Antikörper handelt“, so der Experte. War man allerdings nur ganz milde erkrankt, hatte kaum Symptome, ist unklar, ob ausreichend Antikörper vorhanden sind – „trotzdem kann es ein immunologisches Gedächtnis geben, das schützt“, sagt Weseslindtner (siehe nächste Frage). Was man jedenfalls nicht tun sollte: Man war bereits im April erkrankt, bekommt kurz vor Weihnachten wieder typische Symptome und denkt sich: Covid-19 kann es nicht sein und geht die Oma besuchen. „Man muss sich trotzdem testen lassen, denn auch wenn man selbst bei der zweiten Infektion einen nur sehr milden Verlauf hat, kann man trotzdem ansteckend sein“, sagt der Virologe.

4. Wenn keine Antikörper messbar sind – bin ich dann trotz durchgemachter Infektion gar nicht geschützt?

Zunächst hängt ein solches Testergebnis auch von der Qualität des Antikörpertests ab: „Manche Antikörpertests (z.B. bestimmte Schnelltests) haben keine so hohe Sensitivität, können geringere Antikörper-Konzentrationen also nicht mehr messen“, sagt Weseslindtner. Doch Antikörper sind in der Immunantwort längst nicht alles und hier macht eine aktuelle Studie aus Deutschland Hoffnung: Ein Team um Robert Thimme von der Uniklinik Freiburg konnte zeigen, dass Covid-Erkrankte ein immunologisches T-Zell-Gedächtnis ausbilden. „Wir haben Patienten, da sind zwar die Antikörper verschwunden, die T-Zell-Immunantwort bleibt aber erhalten“, sagt Thimme in einem Pressegespräch. „Das ist eine sehr positive Nachricht, da es zeigt: Auch wenn die Antikörper verschwinden, bleiben schützende T-Zellen“, sagt Thimme. Diese Gedächtniszellen schützen zwar nicht vollständig vor der neuerlichen Infektion, mildern aber ihren Verlauf, wie Weseslindtner erklärt. Auch die bisher dokumentierten Reinfektionen – weltweit gibt es davon nur eine Handvoll dokumentierter  Fälle – zeigen in den meisten Fällen, dass die zweite Infektion mild oder asymptomatisch verläuft. „Das einzige Problem: Von den Schnupfen-Coronaviren wissen wir, dass diese Personen selbst  zwar nur milde Symptome haben, aber trotzdem ansteckend sein können.“ Für die Pandemie hieße das: Es kann zu erneuten  Übertragungen auf Personen kommen, die noch nicht immun sind.

Dass wir eine lebenslange Immunität erreichen, ist sehr unwahrscheinlich.

Lukas Weseslindtner, Virologe Med Uni Wien

5. Was bedeutet das für unser weiteres Leben mit dem Virus?

„Dass wir eine lebenslange Immunität erreichen, ist sehr unwahrscheinlich – das wird auch eine Impfung kaum leisten können“, sagt Weseslindtner – doch es ist wichtig festzuhalten, dass eine Impfung eine andere, eine stärkere Immunantwort auslösen kann als eine natürliche Infektion. Die Erfahrungen mit den Corona-Schnupfenviren zeigen: Diese vier Viren kommen jedes Jahr in der kalten Jahreszeit wieder. „Einen kompletten Schutz werden wir nicht erreichen“, sagt auch Forscher Thimme – SARS-CoV-2 wird ein saisonales Virus bleiben.

6. Welche Bedrohung stellen Mutationen für die Immunität dar? Stichwort Nerz-Mutation.

Eine Mutation von SARS-CoV-2, die in dänischen Nerzfarmen aufgetreten ist, alarmierte Behörden und Experten weltweit. „Ja, dieser Fall zeigt, dass SARS-CoV-2 prinzipiell auch an jenen Stellen mutieren könnte, die sich auf die Immunität auswirken“, sagt Weseslindtner. Dazu müsse man aber auch wissen, dass Nerzfarmen „wie ein Teilchenbeschleuniger für die Virusmutation wirken“, sagt Weseslindtner: Auf engstem Raum stecken sich binnen kürzester Zeit eine große Menge von Tieren an, durch diese rasante Verbreitung treten auch mehr Mutationen auf. „Generell mutieren Coronaviren eher langsam, es ist nicht so wie bei der Influenza, die sich jedes Jahr verändert“, sagt Weseslindtner. Die Möglichkeit, dass es zu Mutationen kommt, die dazu führen, dass Antikörper das Virus nicht mehr neutralisieren, besteht prinzipiell – Mutationsforscher wie Andreas Bergthaler (CeMM) gehen aber davon aus, dass diese Gefahr gering ist.