Alkohol ist neben Nikotin weltweit die Substanz mit der größten Krankheitslast. In Summe konsumieren 14 Prozent der Bevölkerung (rund eine Million Menschen) in Österreich Alkohol in einem problematischen Ausmaß. 370.000 Österreicher (fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung) gelten als alkoholkrank. Zudem konsumieren weitere neun Prozent Alkohol in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß.

"Durch übermäßigen Alkoholkonsum können bis zu 17 Lebensjahre verloren gehen", betont Dr. Alexander Biach, Vorsitzender des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

1. Wie problematisch ist der Umgang mit Alkohol hierzulande?

Die Suchtpräventionsstelle Vivid zeigt auf: 14 Prozent der Österreicher – das sind eine Million Menschen – trinken Alkohol in einem problematischen Ausmaß – davon sind 370.000 Menschen alkoholkrank. Eine positive Entwicklung sieht Gert Weilharter von Vivid aber bei Jugendlichen: „Der Konsum nimmt bei Jugendlichen ab, Alkohol scheint seinen Reiz zu verlieren“ – bei Erwachsenen hingegen sind die Konsummengen stabil. Was bei Jugendlichen jedoch auffällt: Die Spitzen werden extremer, beim sogenannten „binge drinking“ oder Komasaufen werden extrem große Mengen Alkohol getrunken. Das sei gerade bei Jugendlichen problematisch, denn: „Alkohol ist eine psychoaktive Substanz. Bei Jugendlichen ist das Gehirn im Umbau, Alkohol kann großen Schaden anrichten“, sagt Weilharter.

Was in Österreich auch ein gesellschaftliches Problem ist: „Durch Rituale wie das gemeinsame Anstoßen oder Runden-Trinken wird ein Druck auf den Einzelnen aufgebaut, Alkohol zu trinken“, sagt Weilharter – die Frau müsse schon schwanger oder der Mann der Fahrer sein, damit ein Nein zum Alkohol akzeptiert werde.

2. Wie viel Alkohol ist zu viel?

Generell gilt: Es gibt keine Menge Alkohol, die gesund wäre! Ganz im Gegenteil: Alkohol ist ein Zellgift – „am besten ist es, keinen Alkohol zu trinken, vor allem nicht täglich“, sagt Ernährungsexpertin Sandra Holasek. Es gibt jedoch Grenzwerte für den risikoarmen Alkoholkonsum: Gesunde Männer sollten pro Tag nicht mehr als ein großes Bier oder ein Viertel Wein und gesunde Frauen nicht mehr als ein kleines Bier oder ein Achtel Wein trinken. Und: An zwei Tagen pro Woche sollte man gar keinen Alkohol trinken. Weilharter rät, regelmäßig zu reflektieren: Wie viel trinke ich? Dabei könne ein „Alkohol-Tagebuch“ helfen. Neben zwei alkoholfreien Tagen pro Woche rät der Suchtexperte auch, mindestens zwei Wochen pro Jahr durchgehend keinen Alkohol zu trinken – „Pausen einzuhalten ist wichtig“. Das Ziel der Suchtprävention: dass jeder gut mit Alkohol umgehen kann.

Wie viel ist zu viel?
Wie viel ist zu viel?
© Kleine Zeitung

3. Stichwort Alkoholsucht: Wann wird Alkoholkonsum bedenklich?

Die Grenzmengen für den risikoarmen Konsum gelten nur für organische Folgen, sagen aber nichts über das Suchtrisiko aus. Um das Suchtrisiko abzuschätzen, müsse man sich die Frage stellen: Warum trinke ich? Welche Funktion erfüllt der Alkohol für mich?

„Kann ich ohne ein Glas Bier am Abend nicht mehr einschlafen oder ohne das Glas Wein nicht mehr herunterkommen, sind das Warnsignale“, sagt Weilharter. Auch wenn ein starker Zwang besteht, Alkohol zu trinken, und wenn abstinente Tage nicht mehr möglich sind, sind das starke Anzeichen für ein Alkoholproblem. „Oft bemerken die nahestehenden Menschen diese Anzeichen schon früher als der Betroffene selbst“, sagt Weilharter – aber oft werde sehr lange über den Betroffenen gesprochen, anstatt ihn direkt anzusprechen.

4. Wird die Alkoholsucht in Österreich bagatellisiert?

„Leider wird die Alkoholsucht in der Bevölkerung noch immer oft als persönliche Schwäche angesehen und nicht als das, was sie ist: eine schwere Krankheit“, sagt Weilharter. Das sei ein gefährlicher Trugschluss, denn die Sucht ist eine komplexe Erkrankung und es braucht professionelle Hilfe, um sie zu behandeln.

Für Angehörige, die das Problem oft zuerst sehen, stellt sich die Frage: Wie spreche ich das Thema an? „Wenn man bemerkt, der Alkohol bestimmt das Leben eines Mitmenschen, die Familie oder die Arbeit werden deshalb vernachlässigt, sollte man das Thema direkt ansprechen“, rät Weilharter. Und zwar nicht in Form von Vorwürfen, denn diese können zu einer Abwehrhaltung führen, sondern mit der Formel: „Ich habe beobachtet, dass ..., und so geht es mir damit.“ Doch Angehörige könnten sich für diesen Schritt auch selbst Hilfe holen – bei Stellen für Suchtberatung.