1. Warum leiden immer mehr Menschen an entzündlichen Darmerkrankungen?

„Wir sehen tatsächlich einen stetigen Anstieg der Fälle“, sagt Christoph Högenauer, Gastroenterologe an der Med Uni Graz und Leiter der Arbeitsgruppe „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen“ (CED). Die Zunahme der Erkrankungen dürfte mit dem Lebensstil zusammenhängen – denn auch in Ländern wie China, wo diese Erkrankungen bis dato sehr selten waren, steigen die Fallzahlen parallel zum westlichen Lebensstil, der sich etabliert. Ob es an veränderten Lebensmitteln, übertriebener Hygiene, mangelndem Kontakt zu Natur und Tieren oder übertriebenen Antibiotika-Gaben in der Kindheit liegt – all das sind Hypothesen, eine eindeutige Antwort gibt es aber nicht.

 

2. Welche Rolle spielen die Gene?

„Es gibt eine genetische Komponente bei diesen Erkrankungen“, sagt Högenauer – dennoch sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa keine klassischen Erbkrankheiten. Vielmehr sind die genetischen Voraussetzungen vorhanden – Umweltfaktoren führen dann dazu, dass die Krankheit ausbricht. Die Forschung habe auch gezeigt, dass dieselben Genkonstellationen auch zu anderen Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte (medizinisch: Psoriasis) oder rheumatischen Erkrankungen führen können.

Michael Anderlik
Michael Anderlik
© Kogiku

3. Wie gut können Betroffene heute damit leben?

„In den letzten 20 Jahren hat sich sehr viel getan, CED sind wesentlich besser behandelbar geworden“, sagt Högenauer. Möglich machen das neue Medikamente, zu denen Biologika ebenso zählen wie die neue Substanzgruppe der „Small Molecules“: Diese greifen in das Immunsystem und damit in die Entzündungsprozesse im Darm ein. Aber: „Es gibt noch immer einen Anteil an Patienten, der sehr schwer zu behandeln ist.“ Auch wisse man heute noch zu wenig darüber, welches Medikament bei welchem Patienten wirkt – hier ist man auf der Suche nach Biomarkern, die anzeigen: Welcher Patient braucht was? Högenauer unterstreicht aber auch: „Nicht alle Patienten brauchen diese Medikamente, die ja auch sehr teuer sind.“

4. Kann die Stuhltransplantation Patienten helfen?

Ein krankes Mikrobiom im Darm mit dem gesunden eines anderen Menschen behandeln: Studien haben gezeigt, dass diese Methode Patienten mit Colitis ulcerosa helfen kann, die auf andere Therapien nicht ansprechen. Aber: Die Therapie wird bisher nur im Rahmen von Studien angewandt und hilft auch nur der Hälfte der Patienten.