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Verein für Konsumenteninformation24-Stunden-Pflege-Agenturen im Test: Unverschämte Klauseln

Immer mehr ältere Menschen wollen lieber in ihren eigenen vier Wänden gepflegt werden. Deshalb testete der Verein für Konsumenteninformation Agenturen, die dementsprechende Pflegekräfte vermitteln.

© FOTOLIA
 

Immer mehr ältere Menschen wollen lieber in ihren eigenen vier Wänden gepflegt werden. Die Beschäftigung einer 24-Stunden-Pflege ist für viele Angehörige aber recht mühevoll. Deshalb testete der Verein für Konsumenteninformation (VKI) Agenturen, die dementsprechende Pflegekräfte vermitteln. Das Fazit: "Es ist komplex und teuer", meinte VKI-Juristin Ulrike Docekal bei einer Pressekonferenz in Wien.

Von 800 Agenturen, die ihre Angebote in ganz Österreich stellen, hat sich der VKI 26 nach dem Zufallsprinzip näher angesehen. Bewertet wurden sowohl die Informationen über Leistungen und Kosten, als auch die Nachfrage zu Gründen der Betreuung, ob ein eigenes Zimmer für die Betreuungsperson vorhanden ist und ob diese einen Führerschein benötigt. Der VKI kontaktierte die Pflegekraft-Vermittler sowohl offiziell, als auch über anonyme Tester. Diese Tester gaben zwei Pflege-Szenarien an: Zum einen wurde eine 24-Stunden-Pflegekraft sofort gebraucht, zum anderen war eine solche Pflege noch nicht absehbar.

Das Ergebnis

Fünf Agenturen - Caritas, Hilfswerk, BestCare24, Pura-Vita und Volkshilfe 24h Personenbetreuung - waren die Testsieger und erreichten ein "Sehr gut". Der Verein Pflegegruppe erhielt als einziger ein "Gut". Zehn Agenturen schnitten mit "durchschnittlich" ab, weitere zehn Unternehmen waren "weniger zufriedenstellend".
2011 hatte der VKI Pflege-Agenturen schon einmal getestet. Damals gab es ernüchternde Ergebnisse. Nun hatte sich vor allem die Information für Konsumenten verbessert. Knapp sechs Prozent der Pflegegeldbezieher nehmen Personenbetreuung in Anspruch.

Bei der offiziellen Anfrage durch den VKI gaben sich die Agenturen jedoch recht zugeknöpft. Nur elf der 26 Agenturen kamen der Aufforderung nach, einen Fragebogen zu Leistungen und Kosten auszufüllen. Die 15 Anbieter, die nichts aufgefüllt hatten, wurden von der VKI-Rechtsabteilung angeschrieben und dazu aufgefordert, ihrer Informationspflicht nachzukommen. Nur acht Agenturen regierten daraufhin und schickten die Verträge zu. Zwei weitere Verträge erhielt der VKI nur deshalb, weil sie von einer Kundin und einer Testperson zugeschickt wurden.

Enorme Preisschwankungen

Bei Prüfung der 60 Vermittlungs-, Betreuungs- und Organisationsverträgen zeigten sich enorme Preisschwankungen. So wurde für die einmalige Vermittlungsgebühr 240 bis 793 Euro verlangt, die laufenden Kosten - wie etwa die Qualitätssicherung - beliefen sich jährlich von 249 bis 3600 Euro. Für die tägliche Betreuung musste man 39 bis 110 Euro berechnen. Hinzu kamen noch Fahrtkosten der Pflegekräfte, die zwischen 50 und 420 Euro schwankten.

Laut Angela Tichy, VKI-Projektleiterin zum Thema Gesundheit und Medizin, kann man etwa mit 1500 bis 2000 Euro monatlich für eine 24-Stunden-Pflege rechnen. Was sich eher nur gut verdienende Angehörige leisten könnten, fügte Docekal hinzu. "Es geht hier um relativ viel Geld, deshalb möchte ich als Konsument wissen, was ich zahle und was ich dafür bekomme", meinte die Rechtsexpertin.

Unverschämte Klauseln in den Verträgen

Auch waren bei den Verträgen Klauseln darunter, die unverschämt waren. In neun Fällen wurden Konkurrenzklauseln vom VKI entdeckt. Darin ist vereinbart, dass die Kunden die Betreuungskraft nicht ohne Vermittlungsagentur beschäftigen dürfen. Bei Zuwiderhandeln ist eine Vertragsstrafe fällig. So war in einem Vertrag eine Konkurrenzklausel enthalten, die bei Verstößen 10.000 Euro fällig machten, berichtete Docekal.

Problematisch sehen die Konsumentenschützer die von der Hälfte der getesteten Agenturen verwendeten Inkassovollmachten. Das heißt der Lohn für die Betreuung wird nicht direkt an den Pfleger, sondern an die Agentur gezahlt. Somit sind die Betreuer in einem Abhängigkeitsverhältnis und der Kunde gibt die Kontrolle völlig aus der Hand. Deshalb wurden jene Anbieter, die Inkassovollmachten anboten, abgewertet.

 

Kommentare (8)

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lieschenmueller
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Weil mir das Thema - aufgrund eigener Betroffenheit - sehr am Herzen liegt:

Schätzen Sie bitte diese Frauen! Sagen Sie ihnen jedesmal "Danke", wenn sie nach den 14 Tagen von daheim wieder dorthin fahren. Es ist für mich allein nicht mit dem Bezahlen abgetan.

Natürlich, die Chemie muss stimmen. Bei unseren 2 Schwestern habe ich schon das Gefühl, sie gehören zur Familie. Und bei aller Traurigkeit, die eine schwere Krankheit mit sich bringt, wir können auch herzlich lachen, auch die zu Betreuende. Meine Mama ist ein lieber und umgänglicher Mensch (manch Pflegebedürftige werden oft allein wegen der Situation "ungut", sie zum Glück nicht, und auch mit mir als Tochter kann man denke ich auskommen). Also, es passt, zum Glück, für uns alle, den Schwestern und auch uns!

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pinsel1954
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Wirklich gute Pflerininnen.....

...haben es nicht notwendig sich von einer Agentur ausbeuten zu lassen. Sie finden reichlich Arbeit auch so.

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GordonKelz
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WARUM....

...gibt es 800 Agenturen neben den “ her-
vorragenden staatlichen Institutionen ?
Da scheint einiges im Argen zu liegen .
Gordon Kelz

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lieschenmueller
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@GordonKelz

Die Vermittlung - nehme ich an - ist ein freies Gewerbe. Wenn man auf jeden Cent bei der Pflege schauen muss, greift man oft zum Billigen. Aber der Spruch "wer billig kauft, kauft teuer" hat oft etwas Wahres.

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ichbindermeinung
4
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Pflegegeld massiv anheben

Das Pflegegeld für die 24Std. Pflege gehört massiv angehoben, sodass sich die Pensionisten, die das Land aufgebaut haben auch österr. Pfleger leisten können. Es ist unwürdig, dass 70.000 EU-Gastarbeiter ins Land geholt werden, da das Geld für die österr. Pflege nicht reicht und auf der anderen Seite sind derzeit ca. 365.000 in Ö arbeitslos und ca 332.000 beziehen die Mindestsicherung - alle im arbeitsfähigen Alter; für die Betreuung der ein paar tausend hergeflüchteten Unbegleiteten bzw. für die 10.000 Inhaftierten werden sehr wohl aber österr. Betreuer eingesetzt u. zur Gänze vom Bürger bezahlt

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lieschenmueller
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@ichbindermeinung

Sie wissen schon, was 24-Stunden-Pflege alles enthält? Die eigene Pflege des Menschen, die Versorgung des Kranken mit Essen, den Haushalt, die Wäsche auch noch dazu, Gesellschaft sein, damit ist gemeint, mit der Person zu plaudern, ihr ein Umfeld des Angenommenseins zu ermöglichen. Das ist nicht DAS SELBE, was eine einzige Person im Krankenhaus macht (für jeden Bereich extra wen), worauf Sie hinauswollen. (Inkl. der ganzen hinlänglich bekannten Spitzen bez. Ausländer)

Selbst wenn es finanziell möglich wäre - momentan ist man bei der Berechnung von Euro 9000 für einen Österreicher pro Monat - wer zieht von uns 2 Wochen zu jemanden, den er rund um die Uhr - und nicht 8 oder 12 Stunden - versorgen soll. Weg von der eigenen Familie. Der Kranke wünscht sich keinen Spitalsbetrieb, wo die Person mind. 2 x am Tag wechselt, das wäre dann kein Daheim mehr und nicht viel Unterschied zum Altersheim, außer die eigenen vier Wände. Letztere genügen aber wieder nicht alleinig für das SICHDAHEIMFÜHLEN.

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lieschenmueller
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Wir haben das Hilfswerk, verdient "sehr gut" zu Recht

Dass sie nicht die Billigsten sind, wird beim Erstkontakt ihrerseits erwähnt.

Wir brauchen Diplomschwestern. 86,50 pro Tag, plus Fahrtkosten (jede bleibt 14 Tage - Kosten etwa 100 Euro für viele Kilometer in die Slowakei hin und zurück), plus Verpflegung der Schwestern. Die leben von sich aus essensmäßig sehr sparsam. 258 pro Monat zusätzlich ans Hilfswerk. Zimmer muss zur Verfügung gestellt werden - wie sollte das auch anders gehen?

Ich habe mich im Internet kundig gemacht (war ehrlichgesagt schon überrascht ob der Kosten, aber nur, weil ich mir vorher nicht wirklich einen Kopf darüber machte), wir trafen uns im Haus der Pflegenden (die Organisatorin vom Hilfswerk und ich), als diese noch im Krankenhaus war, hatten sofort einen gut Draht zueinander und die Schwestern sind meine Engel.

Vom Staat bekommt man Pflegegeld plus 550 (ab Stufe 3).

Trotzdem braucht man Ersparnisse oder jemand, der dazuzahlt. Das deckt eine Pension nicht. Man hat eben noch seine "eigenen Kosten" fürs Haus, wie Erhaltung, Strom, Gas, Versicherung, Essen für sich selbst plus Medikamente.

Aber ein großes Glück für jene, die im Haus bleiben möchten so lange es geht. Holzklopf!

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lieschenmueller
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Die Vermittlungsgebühr - einmalig - begtrug ca. 600 Euro.

Zahlen tun wir die Schwestern direkt - vertraglich 2 Tage vor Abfahrt fällig.

Kündbar ist es an jedem 1. und 15. - bei Krankenhausaufenthalt haben die Schwestern Anrecht auf 8 Tage Fortzahlung. Tod des zu Pflegenden unterbräche den Vertrag sofort.

Ich habe nichts "zufällig" erfahren müssen, sondern es stand ALLES im Internet auf deren Homepage.

Falls leistbar kann ich es absolut empfehlen. Wir hatten das Hilfswerk schon 5 Jahre zuvor als mobile Pflege.

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