Als Geschäftsführerin der Marke "Stillfashion" sind Sie Expertin auf dem Gebiet der Umstandsmode. Was macht für Sie ein gutes Produkt aus?
Sonja Kresch: Während Funktionalität und Zweck natürlich einen hohen Stellenwert haben, ist es trotzdem wichtig, dass sich Frauen in der Kleidung, die sie in der Schwangerschaft und danach tragen, rundum wohlfühlen. Dazu zählt nicht nur bequemes Material, auch das Design spielt eine Rolle.

Der Anspruch an Umstandsmode hat sich in den letzten Jahren stark verändert.
Auf alle Fälle. Früher war die Auswahl deutlich geringer, oft handelte es sich um unvorteilhafte, sackartige Produkte, unter denen jede Kurve verschwand. Werdende Mütter sind stolz auf ihre Babybäuche und diese sollen auch mit genauso viel Stolz gezeigt werden dürfen. Heutzutage kann mit unterschiedlichen Schnitten gespielt und experimentiert werden und Frauen können ihrem Stil treu bleiben.

Wie setzen Sie all diese Elemente bei "Stillfashion" um?
Wichtig ist für mich, dass die Teile, die wir verkaufen, über die Schwangerschaft und die Stillzeit hinaus genutzt werden können, damit Kundinnen längerfristig etwas davon haben.

Aus Tencel und Bio-Baumwolle lässt Kresch ihre Stücke fertigen
Aus Tencel und Biobaumwolle lässt Kresch ihre Stücke fertigen
© lex-karelly

Ein nachhaltiger Gedanke und ein Konzept, dass sich durch Ihr Unternehmen zieht.
Ja, das stimmt. Wir lassen unsere Produkte ausschließlich in Europa produzieren und nutzen Tencel und Biobaumwolle in der Entwicklung.

Merken Sie, dass Nachhaltigkeit für werdende Mütter inzwischen eine größere Rolle spielt?
Wenn man ein Kind erwartet, nimmt man die Welt plötzlich ganz anders wahr. Ich habe selbst drei Kinder und erinnere mich noch an die Zeit, bevor ich Mutter wurde. Nachhaltigkeit war auf meiner Prioritätenliste ehrlicherweise nicht sehr weit oben. Wenn man dann die Verantwortung für so ein kleines Wesen trägt, macht man sich plötzlich Gedanken über gesundes Essen aus gutem Anbau und auch die Qualität der Produkte, die man nutzt. Das Bewusstsein ist ein ganz anderes. Im Allgemeinen merke ich bei meinen Kundinnen die Tendenz hin zu hochwertigen Materialien und regionaler Herstellung.

2019 hat die Grazerin ihr Label gegründet
2019 hat die Grazerin ihr Label gegründet
© lex-karelly

Sie haben "Stillfashion" 2019 gegründet? Wie kam es dazu?
Mit meinem dritten Kind wollte ich endlich meine eigene Situation beim Stillen optimieren. In der Nacht war mir regelmäßig kalt, weil entweder meine Schultern oder meine Brust frei waren und ich mit den verfügbaren Optionen nie richtig zufrieden war. Wenn man mehrere Kinder hat und draußen in der Natur unterwegs ist, gibt es auch nicht immer die Möglichkeit, drinnen zu stillen. Deshalb habe ich es dann selbst in die Hand genommen, praktische Mode für Stillende und Schwangere zu kreieren (lacht). Inzwischen arbeiten mein Team und ich gemeinsam mit werdenden Müttern an der Entwicklung neuer Stücke.

Oft wird von Frauen im öffentlichen Leben das Bild der unbeschwerten Schwangerschaft und Stillzeit vermittelt, setzt das Ihrer Meinung nach werdende Mütter unter Druck?
Wenn wir uns ehrlich sind, stehen Frauen ohnehin schon ständig unter Druck, egal ob sie schwanger sind oder nicht. Es ist wichtig, offen mit den Herausforderungen, mit denen werdende Mütter konfrontiert sind, umzugehen. Über die kleinen und großen Probleme zu sprechen, erleichtert die Situation nicht nur für einen selbst. Es sollte zudem auch gesagt werden, dass Väter genauso einen Druck verspüren, nur in anderer Form.

Wo liegt für Sie die Zukunft der Umstandsmode?
Drei Aspekte werden auch in Zukunft Kaufentscheidungen beeinflussen: langlebiges, nachhaltiges Material, gut durchdachte Lösungen und ein Design, das bequem ist und gleichzeitig gefällt.