Tabuthema WechseljahrePharmazeutin: "Es ist schon erstaunlich, dass man sich fürs Älterwerden schämt"

Pharmazeutin und Journalistin Diana Helfrich erklärt im Interview, warum die Wechseljahre noch immer ein Tabuthema sind, wann eine Hormonersatztherapie sinnvoll ist und warum der Wechsel auch positive Seiten haben kann.

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© Getty Images
 

Sie haben sich für Ihr neues Buch mit Frauen darüber unterhalten, wie sie die Wechseljahre erlebt haben. Auf welche Emotionen sind Sie gestoßen?
Diana Helfrich: Da gab es zum Beispiel viel Scham und es ist schon erstaunlich, dass man sich fürs Älterwerden schämt. Es gab aber auch ein großes Befremden darüber, jetzt plötzlich zu den Älteren zu gehören. Ich bin auch auf großen Kummer gestoßen. Manche merken, dass es ihnen zu schaffen macht, sie wären aber gerne stärker als dieses Gefühl. Oft wurde auch von einer Reizbarkeit berichtet, die zu Beginn der Wechseljahre mit den nachlassenden Gestagen-Werten verbunden ist, weil dieses Hormon beruhigend und entspannend wirkt. Da ist aber auch noch das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören, weil bei vielen Frauen noch immer der Gedanke da ist, womöglich nur so lange etwas wert zu sein, wie man für Männer attraktiv ist. Es ist sehr komplex.

Inwiefern spielt die Fruchtbarkeit eine Rolle?
Man hatte vorher eine Option, nach der Menopause hat man sie nicht mehr. Das hat sicher auch etwas mit diesem Wechselbad der Gefühle zu tun.

Nach Ihrer Recherche: Würden Sie sagen, dass die Wechseljahre auch eine positive Seite haben?
Ja, es gibt sogar zwei. Die eine ist, dass die Wechseljahre eine Einladung sind, sich mit dem Altern auseinanderzusetzen. Die Menopause ist wie eine Aufforderung: „Ich bin dein Körper und jetzt kümmere dich um mich, damit wir es noch 30 oder 40 Jahre gut miteinander haben.“ Darin sehe ich eine große Chance, weil man es ja ohnehin nicht verhindern kann, älter zu werden. Und man ist zwar nicht mehr jünger, aber nicht zu alt, um etwas zu verändern.

Zum Thema

Als Wechseljahre (Klimakterium) bezeichnet man die Zeit der hormonellen Umstellung am Ende der fruchtbaren Lebensphase. In diesen Jahren ist einmal sehr viel, dann wieder ganz wenig Östrogen im Körper. Daher treten Beschwerden wie z. B. Hitzewallungen auf.
Die Menopause ist die letzte Monatsblutung einer Frau, obwohl der Begriff auch gerne als Synonym für die Wechseljahre verwendet wird. Im Schnitt sind Frauen bei der Menopause 51 oder 52 Jahre alt, es kann aber auch erst mit 60 so weit sein.


Und der zweite Punkt?
Der hat mit den veränderten Hormonwerten zu tun, die auch Vorteile haben können. Hätten wir Frauen nicht so viel Östrogen wäre die große Frage, ob wir Frauen bereit wären, nachts dreimal aufzustehen und uns um unsere Kinder zu kümmern. Wenn es verschwunden ist, kommt eine Phase, in der man sich auf sich selbst besinnt und dann hat man noch genug Zeit, um das zu realisieren. Das ist ein Geschenk. Die Amerikanerin Darcey Steinke sprach in ihrem Buch „Fliegende Hitze“ davon, wie eine weise Eule über die Weite zu sehen. Man bekommt einen klareren Blick für die großen Zusammenhänge. Hinzu kommt, dass Frauen das Testosteron viel später verlieren als das Östrogen. Hier ist also noch länger noch mehr vorhanden. Das bedeutet, es kommt eine Zeit, in dem man im Verhältnis mehr Testosteron als vorher hat. Daher haben viele Frauen mehr Lust auf Sex.

Sie sagen, dass nicht die Wechseljahre das eigentliche Tabu sind, sondern die Monatsblutung. Können Sie diesen Ansatz genauer erklären?
In meiner Lebenswirklichkeit und Jugend sind und waren die meisten Frauen darum bemüht, das Thema Menstruation von Anfang an möglichst diskret abzuhandeln. Wenn man dann so überrascht ist, dass niemand darüber spricht, wenn die Regelblutung nicht mehr kommt, ist das die Fortsetzung des Tabus. Aber hier ändert sich gerade wirklich vieles. Da sind viele junge, engagierte Frauen und Mädchen, die das Thema aufs Tapet bringen.

Kommentare (2)
Ichweissetwas
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6
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da sieht man wieder

die Dummheit der Menschen.....! Wer nicht älter werden kann, muss dauerhaft zur Schönheits-OP und dgl. Falls man immer gearbeitet hat und nun in Rente gehen kann, der kann das Freiheitsgefühl so richtig genießen!

johannisbeere
3
3
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Darum geht's hier aber eher nicht.

Eher ein anderes Thema.