Urban FarmingSo funktioniert die Landwirtschaft in der Stadt

Kraut und Rüben: Urban Farming, die urbane Landwirtschaft soll viele satt und unsere Städte zu grüneren Orten machen.

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Es war ein Gefühl der Ohnmacht, das Laura Setzer und ihre Frau Juliane Ranck 2019 dazu brachte, eine seit langem nicht bewirtschaftete Parzelle in einem alten Gartenareal in Frankfurt zu bepflanzen. „Die Klimakrise war omnipräsent und wir wollten direkt vor unserer Haustüre etwas unternehmen. Und weil Ernährung einen Großteil des ökologischen Fußabdrucks ausmacht, wussten wir, dass wir hier starten müssen“, schildert die Grafikdesignerin Laura Setzer den Beginn der „GemüseheldInnen“.

Denn das Gartenareal sollte kein Idyll für sie und ihre Familie sein, sondern ein Platz für viele. Vorbilder waren unter anderem Mary Clear und Pam Warhurst aus dem kleinen englischen Städtchen Todmorden mit ihrem Projekt „Incredible Edible“ (unglaublich essbar), die kurzerhand in jeder noch so kleinen Ecke ihres Ortes Gemüse angebaut haben.

Laura Setzer und Juliane Ranck Foto ©

Personen und Buch

Laura Setzer und Juliane Ranck gründeten 2019 in Frankfurt die „GemüseheldInnen“.
Info: gemueseheldinnen-frankfurt.de
Ihr Buch: Urban Farming. Gemüse anbauen,
gemeinschaftlich gärtnern, Ernährungssouveränität
schaffen, Löwenzahn Verlag, 280 Seiten, 24,90 Euro.

Heute bewirtschaften Setzer und Ranck gemeinsam mit rund 250 freiwilligen Gärtnerinnen und Gärtnern 17 Gemeinschaftsgärten. Diese versorgen sie je nach Saison mit Salat, Radieschen, Auberginen, Kohl oder Mangold. Der jüngste Helfer ist zwei, die älteste Gärtnerin Ende 70. Im Beet sind alle Berufsgruppen vertreten – unter anderem eine Biochemikerin, ein Musiker, eine Pädagogin, ein Designingenieur. So funktioniert Urban Farming, die Landwirtschaft in der Stadt. Laura Setzer: „Der Unterschied zwischen Urban Farming und dem mittlerweile sehr bekannten Urban Gardening ist, dass man sehr viel produzieren will. Es geht um viel Ertrag und darum, so viele Menschen wie möglich ein Stück weit selbst zu ernähren.“
Urban Farming am Frankfurter Uni-Gelände Foto ©

Lebensmittel und Bewusstsein wachsen

Hier sollen aber nicht nur Lebensmittel mitten in der Stadt wachsen und gedeihen, sondern auch das Bewusstsein für eben diese und die Prozesse die dahinterstecken. „Zukunft braucht Herkunft“, erläutert Setzer. „Für Leute, die keinen Garten haben und sich im Supermarkt versorgen müssen, sind solche Projekte extrem wichtig. Es bewegt in den Menschen etwas, zu sehen, wie aus einem Samen eine Jungpflanze wird und aus dieser eine Tomate oder Kartoffel. Es verändert aber nicht nur den einzelnen, sondern auch die Stadtpolitik.

Buch- und Filmtipps

  • Permakultur. Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen. David Holmgren, Drachen Verlag, 415 Seiten, 41 Euro.
  • Permakultur im Hausgarten. Handbuch zur Planung und Gestaltung mit vielen Beispielen. Jonas Gampe, 141 Seiten, 17,40 Euro.
  • Tomorrow. Die Welt ist voller Lösungen. Cyril Dion, Kamphausen Verlag, 159 Seiten, 20,60 Euro.
  • Tomorrow – der Film. Cyril Dion, DVD, 22,90 Euro. Weiter Informationen: www.tomorrow-derfilm.de
Hier sind die beiden Frauen anfangs auf bürokratische Hürden gestoßen. Doch nachdem sie viel Zeit investiert haben, um Vertrauen aufzubauen und ihr Projekt vorzustellen, werden die beherzten Gärtnerinnen und Gärtner nun vonseiten der Stadt unterstützt. Daher lautet ihr erster Tipp an all jene, die einen Gemeinschaftsgarten umsetzen wollen: „Einfach den ersten Schritt machen und sich Gleichgesinnte suchen.“

Permakultur

Geprägt wurde der Begriff der Permakultur von Bill Mollison und David Holmgren. Für die beiden stehen drei ethische Prinzipien im Vordergrund: Trage Sorge für die Erde. Trage Sorge für die Menschen. Teile fair und setze dem Konsum Grenzen. Aber auch die fünf R stehen im Zentrum der Permakultur:
Refusing, Reducing, Reusing, Repairing und Recycling. Konsum widerstehen. Material, Energie, Müll reduzieren, Dinge wiederverwenden und reparieren sowie Upcycling.

Doch wie zu Gartengrundstücken kommen? „Suchen!“, so Setzers Tipp. „Flächen auskundschaften und bei Kirchen, Schulen, Büros oder Privaten nachfragen.“ Die Gemüseheldinnen waren und sind auch in den sozialen Medien sehr aktiv. Unter anderem, um Gleichgesinnte zu finden. Mit dem Beginn der Coronakrise kamen die Leute wie von selbst. „Wir haben Wartelisten, weil wir aktuell gar nicht genug Gärten haben für so viele Menschen.“

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