Putzen mit Natron & Co.Welche Rezepte wirklich funktionieren

Was Chemiker zum "Wundermittel" Natron sagen, wie selbst gemachte Reiniger mit Zutaten aus dem Lebensmittelschrank wirklich wirken und wo man sich keine Wunder erwarten darf. Plus: Rezepte auf dem Prüfstand.

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Natron schäumt in Kombination mit einer Säure auf und setzt dabei Kohlendioxid frei © (c) Andreas - stock.adobe.com
 

Rund 650.000 Einträge listet die Suchmaschine Google zum Stichwort „Natron und Haushalt“ auf und Dutzende Bücher über Natron als Alleskönner sind auf dem Markt. Der aktuelle Ökotrend befördert die Do-it-yourself-Gemeinde und steigert das Interesse an dem weißen Pulver, das schon zu Omas Zeiten nicht nur zum Backen, sondern auch zum Putzen seine Verwendung fand. Dabei werden allerdings gern ein paar Begriffe durcheinandergebracht, wie der Chemiker und Ökotoxikologe Harald Brugger von „Die Umweltberatung“ erklärt. „Natron ist immer wieder ein Thema in unseren Beratungen, es wird aber häufig mit Backpulver und Waschsoda verwechselt“, sagt er.

Natron ist chemisch gesehen Natriumhydrogencarbonat, das man auch als Backsoda oder Speisesoda bezeichnet. „Gemeinsam mit Säuren reagiert der Stoff schäumend und setzt CO2 frei“, sagt Brugger und ergänzt: „Natron neutralisiert Gerüche und ist ein guter Wasserenthärter, hat aber keine bleichende Wirkung.“

Natron für die Mundhygiene

Mit Natron die Zähne zu putzen, hält man bei „Die Umweltberatung“ für eine schlechte Idee, „weil es den Zahnschmelz abschleift.“ Und wer die Zähne mit Backpulver reinigen will, sollte bedenken, dass dieses meistens auch Stärke enthält, also einen Nährstoff, der Karies begünstigt!

Mit Soda hingegen meint man Natriumcarbonat, in konzentrierter Form wird es als Waschsoda angeboten. „Es wirkt als Enthärter und Bleichmittel“, sagt Brugger. Ähnlich wie Natriumhydrogencarbonat schäumt es in Verbindung mit starken Säuren auf und setzt dabei CO2 frei. „Der Unterschied ist aber, dass es auch eine Lauge bilden kann mit fett- und schmutzlösender Wirkung. Es quillt Fett auf und verseift es dann, dadurch kann Fett leichter gelöst werden“, erklärt der Experte.

Backpulver wiederum ist eine Mischung aus verschiedenen Stoffen. „Um CO2 als Triebmitttel zu erhalten, benötigt man Natron und eine Säure – etwa Phosphatverbindungen als Säureträger oder Weinsteinsäure. Meistens wird auch noch Stärke aus Mais, Reis oder Weizen zugesetzt“, sagt der Chemiker.

Das ist der Einsatzbereich

Die Wirkung von Natron und Waschsoda macht sich folgerichtig auch die Industrie in herkömmlichen Haushaltsreinigern und Waschmitteln zunutze. Natron macht das Wasser als Enthärter weicher, es erhöht damit die Reinigungswirkung. „Man findet es folglich in einigen Wasch-, Reinigungs- und Geschirrspülmitteln“, erklärt Brugger. Viel stärker sei allerdings noch die Wirkung von Natriumcarbonat bzw. Kristall- oder Waschsoda - „Weil es fettlösend und bleichend ist.“ Das hilft in Waschmitteln und Maschinengeschirrspülmitteln.
Die ökologische Bewertung von Natron und Waschsoda fällt ganz gut aus: „Die Grundsubstanz wird meist chemisch aus Kalk und Kochsalz hergestellt“ , sagt Brugger. Zur Entsorgung hält er fest: „Natron und Waschsoda verhalten sich im Abwasser unproblematisch.“

Bei Rezepten für selbst gemachte Haushaltsreiniger und Kosmetik warnt Brugger vor allzu großen Erwartungen. „Aber es gibt ein paar Tipps, die gut funktionieren.“ Gesichert sei, dass sich Natron (in Verbindung mit etwas Zitronensaft) gut zur Reinigung von Silberbesteck eignet. Und sowohl mit Natron als auch mit Waschsoda könne man den Abfluss reinigen. Auch hier bedarf es der Verbindung mit einer Säure: Also nach einem Esslöffel Natron etwas Essig aufbringen und dann mit heißem Wasser nachspülen. „Die erste Wahl sollte freilich die mechanische Methode sein, also die Abflussreinigung mit Saugglocke oder Rohrreinigungsspirale“, betont Brugger. Manchmal reiche auch schon heißes Wasser.

Rat für den Putzmittelkauf

Umwelt- und gesundheitsschonende Wasch- und Reinigungsmittel sind in der Datenbank „Ökorein“ aufgelistet – abrufbar unter www.umweltberatung.at/
oekorein. Im Verkaufsregal sind das Österreichische Umweltzeichen, das CSE-Ecolabel oder das Austria-Bio-Garantie-Siegel eine gute Orientierungshilfe.

Grundsätzlich gilt: Optimale Sauberkeit lässt sich mit normalen Haushaltsreinigern erzielen. Finger weg von Mitteln mit der Aufschrift „desinfizierend“, bakterizid, biozid oder antibakteriell – der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe!
In den Öko-Putzschrank gehören: ein milder ökologischer Allzweckreiniger, Sanitärreiniger, Küchenreiniger und Geschirrspülmittel. Dazu noch Mikrofasertücher in verschiedenen Feinheitsgraden für unterschiedliche Verschmutzungen, Schutzhandschuhe, Boden-Wischgeräte mit Textilaufsätzen (die gewaschen und wieder verwendet werden können), Abflusssieb, Saugglocke und Rohrspirale, Zitronensäure, Haushaltsessig und ein Staubsauger.
Nicht kaufen sollten Sie Kühlschrank-Deos, Abflussreiniger, Backofenreiniger, WC-Beckensteine, Möbelreinigungssprays.

Jenen, die ihren Haushaltsreiniger oder ihr Waschmittel mit Natron selber machen möchten, sei gesagt: „Das ist gar nicht so einfach, es handelt sich im Prinzip um ein Baukastensystem.“ Verwendet man zum Beispiel Soda zum Wäschewaschen, braucht man zusätzlich noch waschaktive Substanzen wie Seifenflocken oder Waschnüsse. „Das ist schon ein bisschen eine Wissenschaft“, warnt Harald Brugger vor allzu großer Euphorie. Hier geht es zum praktischen Ratgeber für alle, die Öko-Reiniger selbst machen wollen.

Rezepte auf dem Prüfstand

Scheuerpulver

100 g Natron und je 20 g getrocknete Salbei- und Rosmarinblätter (grob gemahlen) in einen luftdicht verschließbaren Behälter füllen und gut durchschütteln. Eine kleine Menge davon ins Spülbecken schütten und mit einem nassen Schwamm schrubben.

Harald Brugger sagt dazu: „Eigentlich reicht der nasse Schwamm schon aus, da die Mechanik genug sein sollte, um den reinigenden Effekt zu haben. Die Kräuter sind wohl für die Optik dabei. Eher als Natron könnte Soda für die Reinigung für Spülbecken verwendet werden, da dieses auch die fettlösende Wirkung hat.“

 

Waschpulver

50 g Waschsoda, 50 g Natronpulver, 50 g Seifenflocken und 10 Tropfen ätherisches Öl nach Wahl.
Waschsoda und Natron vermischen, mit dem Öl beträufeln, dann die Seifenflocken untermengen und das Ganze gut durchmischen. Das Gemisch in eine luftdicht verschließbare Kunststoffdose füllen und bei Bedarf wie gewohnt und in der üblichen Dosierung in das entsprechende Waschmaschinenfach füllen.

Harald Brugger: „Dieses „Waschpulver“ kann funktionieren, dürfte aber schwierig zu dosieren sein. Da empfehle ich eher ein Baukastensystem aus der Öko-Rein-Datenbank.“

Flüssiger Allzweckreiniger

10g Waschsoda, 1 Liter Wasser, Saft einer Zitrone. Sodapulver mit Wasser verrühren. Zitronensaft mit Kaffeefilter filtern, zur Sodalösung gießen und kräftig durchrühren. Den konzentrierten Reiniger in eine Vorratsflasche füllen und kühl aufbewahren. Für den Gebrauch das Konzentrat mit drei bis vier Teilen Wasser verdünnt verwenden.

Harald Brugger sagt dazu: „Soda wird hier als Enthärter eingesetzt und hat eine entfettende Wirkung. Für die tatsächliche, schmutzlösende Wirkung eines Allzweckreinigers fehlt in dieser Rezeptur aber das Tensid.“

 

Kühlschrank-Reinigungsmittel

Eine Lösung aus 100 Milliliter Wasser, 20 Gramm Natron und fünf Tropfen ätherischem Pfefferminzöl zubereiten und den (ausgeschalteten) Kühlschrank damit auswischen.

Harald Brugger sagt dazu: "Das Natron hat eine geruchsneutralisierende Wirkung, kann also bei schlechten Gerüchen eingesetzt werden. Allerdings ist die gründliche regelmäßige Reinigung des Kühlschrankes viel wichtiger (mit Wasser, eventuell verdünntes Essigwasser). Die Umweltberatung empfiehlt keine Beduftung im Kühlschrank, was hier mit dem Pfefferminzöl gemacht wird. Denn dann riecht man nicht mehr, wenn irgendwo etwas Verdorbenes im Kühlschrank liegt oder sich Schimmel (z.B. im Kondenswasserablauf) bildet.
Falls sich Schimmel auf den Gummidichtungen gebildet hat, kann Natron aufgrund seiner pH-stabilisierenden Wirkung durchaus zur Reinigung verwendet werden."

WC-Reiniger

100 g Natron, 100 ml weißer Essig, 10 Tropfen ätherisches Zedern- oder Kiefernöl, 10 Tropfen ätherisches Zitrusöl:
Natron in einem passenden Glas vorsichtig mit Essig übergießen. Achtung: Es schäumt heftig! Wenn sich die Sache beruhigt hat, gut durchrühren, bis das Natron vollständig im Essig aufgelöst ist. Dann ätherische Öle unterrühren und den Reiniger in eine luftdicht verschließbare Flasche füllen. Den Reiniger bei Bedarf auf der Innenfläche der WC-Schüssel aufbringen und über Nacht einwirken lassen, am Morgen einfach die Spülung betätigen!

Harald Brugger sagt dazu: "Auch hier werden ätherische Öle zur Beduftung eingesetzt. Die Emulgierung dürfte schwierig sein bei diesem Produkt. Damit könnten sich Öle auch als Fettränder an den Oberflächen absetzen. Da hier Natron mit einer Säure vermischt wird, kommt es zu einer CO2-Freisetzung. Damit verliert aber Natron die enthärtende Wirkung. Viel sinnvoller ist reine Zitronensäure, die für die WC-Reiniger verwendet wird, oder ökologische WC-Reiniger, auf Basis von Zitronen- oder Milchsäure  - siehe www.umweltberatung.at/oekorein."

 

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