Arbeit in den FerienWie Jugendliche von einem Ferialjob profitieren können

Was es beim Ferialjob zu beachten gilt und wie Jugendliche an ihm wachsen können.

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Jugendpsychologin Petra Pölzl machte zum Beispiel Kundenbefragungen bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Heute, fest angekommen in der Arbeitswelt, ist sie davon überzeugt, dass Jugendliche von einem Ferialjob profitieren können. Und das in vielerlei Hinsicht.

Nicht nur das erste selbst verdiente Geld ist ein Motivationsfaktor, ein Ferialjob bietet auch die Möglichkeit zur ersten Berufsorientierung. Petra Pölzl: „Es geht ja auch darum, etwas Neues kennenzulernen, etwas, das sich stark vom Schulalltag unterscheidet. Jugendliche kommen bei einem Ferialjob mit vielen neuen Menschen und Berufsgruppen in Kontakt mit denen sie in der Schule nicht wirklich zu tun haben. Dort gibt es im Grunde ja nur die beiden Gruppen ,Lehrer‘ und ,Schüler‘.“

Tipps der Arbeiterkammer

Mindestalter: 15 Jahre (arbeiterkammer.at/ferialjob)
Einen schriftlichen Arbeitsvertrag abschließen
Jugendliche unter 18 dürfen höchstens acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich arbeiten.
Achtung: Es gibt Ausnahmen – Gastgewerbe
Der Ferialjob muss mindestens nach Kollektivvertrag bezahlt werden.
Es hängt von der Branche ab, ob Ferialarbeiter anteilig auch Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhalten.
Auch in einem Ferialjob hat man Urlaubsanspruch – und zwar anteilig an der Beschäftigungsdauer. Pro gearbeitetem Monat sind das, bei einer Fünf-Tage-Woche zwei Urlaubstage.
Ferialarbeiter müssen korrekt versichert sein. Der Ferialarbeiter sollte eine Kopie der Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse erhalten. Beim Ferialjob werden bereits Ansprüche für die Pension erworben.

Gregor Fasching betreut bereits seit sieben Jahren die Logo-Jobbörse. Er weiß, wovon die Jugendlichen in Sachen Ferialjob träumen – „Bürotätigkeit und viel Gehalt“. Die Realität sieht aber anders aus. „Es gibt derzeit ein großes Angebot an Promotionsjobs.“ Fasching weiß aber auch, worauf man im Vorfeld besonders achten muss. Zum Beispiel, dass der Arbeitsplatz nicht zu weit entfernt liegt und der Arbeitsvertrag keine offenen Fragen hinterlässt. „Man sollte vorab das Grundlegende regeln. Hier sind die Jugendlichen auch selbst gefordert. Man sollte den Arbeitsvertrag nicht nur lesen, sondern auch verstehen. Nachzufragen kann nie schaden, weil es dem Unternehmen durchaus zeigt, dass man selbstständig ist.“

Interessen entscheidend und nicht das Gehalt

Vor allem in einem Punkt sind sich Gregor Fasching und Petra Pölzl einig: Der Ferialjob sollte nach persönlichen Interessen und Stärken ausgewählt werden und nicht etwa nach der Entlohnung. So könnte die erste Stippvisite vielleicht schon ein Türöffner für die zukünftige Laufbahn sein. Jugendpsychologin Pölzl: „Im Jugendalter geht es um Autonomie- und Identitätsbildung. Und ein Ferialjob kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Was gefällt mir? Wie gehe ich mit neuen Situationen um? Wie reagieren Chefs oder Mitkollegen auf mich? Das sind Dinge, die in der Schule in dieser Form nicht stattfinden können.“

Auch aus Firmensicht seien Ferialjobber nicht zu unterschätzen, erklärt Gregor Fasching. Nicht nur, dass kurzfristige Personalengpässe in Urlaubszeiten oder wegen Krankenstands mithilfe der jungen Arbeitskräfte abgedeckt werden können. Unternehmen haben auch die Möglichkeit, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. „In Zeiten der Wirtschaftskrise hat man gemerkt, dass Firmen keine Zeit dafür hatten. Nun sieht man schon, dass sich viele Unternehmen der jungen Menschen annehmen und begleitende Maßnahmen setzen“ – um sich in Zeiten des Fachkräftemangels selbst ins beste Licht zu rücken. Hat man sich in einem Unternehmen bereits einmal bewährt, sind die Chancen hoch, in den folgenden Ferien wieder aufgenommen zu werden. Gregor Fasching: „Natürlich schätzt man es auch von der Arbeitgeberseite, wenn Jugendliche den Betrieb und die Kollegen ein Stück weit kennen.“ Laut dem Fachmann der Logo-Jobbörse ist es übrigens nie zu spät, sich auf die Suche nach einem Ferialjob zu machen. „Es kommen ständig neue Angebote rein, weil jemand abgesprungen ist oder Firmen später dran sind.“

Und wenn die Motivation fehlt?

Doch was tun, wenn Jugendliche nicht am Arbeiten interessiert sind? Pölzl: „In dem Fall sollte man nichts erzwingen. Es geht ja darum, Arbeit als etwas Sinnstiftendes und Positives zu erleben. Wenn der erste Kontakt mit der Arbeitswelt ein erzwungener ist, dann ist das im Hinblick auf die weitere Karriere fraglich zu sehen.“