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AUSSTELLUNG

Eine Wunderkammer mit Weltmaschine

Der amerikanische Zeichner und Maler Terry Winters überrascht im Kunsthaus Graz mit einem Arrangement der lustvollen Assoziationen.

Terry Winters verwandelt Informationen in Bilder
Terry Winters verwandelt Informationen in Bilder © UMJ/LACKNER
 

Terry Winters lädt ins "Kabinett des Malers", zum "Dialog mit der Natur". Das ist doch ziemlich untertrieben. Zwar kommen die Exponate, die der amerikanische Künstler für seine erste große Ausstellung in Österreich ausgewählt hat, aus den naturhistorischen beziehungsweise naturwissenschaftlichen Sammlungen des Universalmuseums Joanneum, aber die Gemälde und Zeichnungen des 67-Jährigen schöpfen auch aus anderen Reservoirs und führen Zwiegespräche mit vielen anderen Wirklichkeiten. Mit Charakterköpfen von Franz Xaver Messerschmidt beispielsweise. Oder einem Schwegel spielenden Mann mit gamsbärtigem Hut. Einem "Concetto spaziale" von Lucio Fontana. Der Venus von Willendorf und Ötzi. Mit Franz Gsellmanns Weltmaschine. Dem Styria Headquarter. Undundund.

"Die Vermessung der Welt" hieß 2011 eine Schau im Kunsthaus Graz. In ihr war Winters mit zwei Grafikzyklen vertreten. Als eine Art Weltvermessung ist auch die aktuelle Präsentation angelegt (die übrigens noch Peter Pakesch kuratierte). Winters Liebe zum Enzyklopädischen ist unübersehbar, der lustvoll-unpenible Umgang mit vielfältigem Material ebenso.

Kollektives Gedächtnis

Es ist eine anregend offene "Chronik des Zusammenhangs" (um mit dem Untertitel von Alexander Kluges eben erschienener Textsammlung "Kongs große Stunde" zu sprechen). Gespeist auch von Aby Warburgs Idee der Mnemosyne, dem Weiterleben von Bildern in einer Art kollektivem Gedächtnis. Mit dem Potenzial, im Betrachter Assoziationen, Verbindungen, Zusammenhänge sonder Zahl zu generieren und so vermeintlich bekannte Motive, Ikonen sogar, neu zu sehen.

In Winters großformatigen Gemälden - deren meiste man stilistisch als expressive Op-Art bezeichnen könnte - sind Vor-Bilder von der Pflanze bis zur Architektur in komplexen Prozessen verarbeitet. Dem Künstler, der als Maler und Zeichner weder mit Originalität noch Innovation punkten will, geht es um substanzielle ästhetische Erfahrungen. Darum, "Informationen in Bilder zu verwandeln" (wie er in einem Interview sagt). In Bilder, die sich nicht scheuen, "schön" zu sein, und von denen man tatsächlich (wie im Begleitheft nachzulesen) "nichts wissen muss, um sie zu verstehen".

Speziell für seinen beeindruckenden Kunsthaus-Auftritt entwickelte Winters ein "Graz Cabinet". Bestehend aus sieben großen Bildtapeten, zusammengesetzt aus Motiven, von denen einige eingangs erwähnt wurden. Allesamt entnommen der visuellen Online-Datenbank Pinterest (der sich heute vermutlich auch Warburg bedienen würde).

Darüber hinaus erinnert "Das Kabinett des Malers" an die fantastischen Schätze des zweitgrößten österreichischen Museumskomplexes. Dabei geht Winters das Risiko ein, dass die Exponate aus den joanneischen Kollektionen seinen Werken die Schau stehlen.

Äpfel, Austern, Wespen

Die gut 120 Jahre alten Apfelmodelle aus dem "Obstsortiment für Steiermark in plastischer Nachbildung" machen staunen, fast mehr noch die gläsernen Nachbildungen von Quallen und Anemonen, die Leopold und Rudolf Blaschka in den 1870er-Jahren fertigten. Eine Austernbank aus Wildon, Nester von Wespen, Mineralien, Hölzer und anderes mehr fügen sich in Summe zu einem wunderbaren "Affinity Atlas" (wie eine Ausstellung mit Winters' Beteiligung hieß). In diesem Atlas die Nähe zwischen scheinbar weit entfernten Kontinenten herzustellen, kann süchtig machen.

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