Sie ist an Armen und Beinen an das Bett gefesselt Sie leidet, sie bäumt sich mit dem ganzen Körper dagegen auf, Pflegepersonal umgibt sie: Mit dieser Rahmenhandlung in trister, kalter Umgebung einer geschlossenen Anstalt beginnt, noch bevor die Musik anhebt, „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti bei den Tiroler Festspielen in Erl. Dann hört die namenlose Patientin im Radio die Oper, steigert sich immer mehr hinein und wird zu einer draufgängerischen Lucia. Und für sie verschwimmen immer mehr Fiktion und Realität. Das von einem Fadenvorhang umgebene Bett selbst bleibt bis zum Finale omnipräsent und obwohl Lucia schon gestorben ist, kniet dort die Patientin mit dem Radio in den Armen konvulsivisch zuckend.
Tiroler Festspiele Erl
Wahn in der geschlossenen Anstalt
Kritik.
Donizettis „Lucia di Lammermoor“: szenisch mit eigenwilliger Konzeption, sängerisch exzellent.
© Xiomara Bender