„Langsam verschieben sich die Dinge in die richtige Richtung“, stellt Moderator Robin Klengel am Dienstag in seinem Eingangsstatement beim Plattformtreffen von „Kulturland retten“ fest. Verhaltene Zuversicht, die dieser Abend bestätigen wird. Wie berichtet war das Antreten der blauschwarzen Landesregierung vor knapp fünf Monaten von teils harschen Förderkürzungen und der Umbesetzung des Fördergremiums Kulturkuratorium begleitet. Seither formierte sich die freie Kunst- und Kulturszene, von den Kürzungen teils schwer getroffen, zum gemeinsamen Netzwerk, versammelte mit der Petition „Kulturland retten“ bereits mehr als 11.000 Unterstützerinnen und Unterstützer und trifft sich wöchentlich zum Austausch. „Wenn die Krise etwas bewirkt hat, dann einen viel stärkeren Zusammenhalt untereinander“, war zuletzt von vielen zu hören.

Vehementer Widerstand

Ein weiterer Effekt des gemeinsamen Agierens: Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (VP), bei seinem Antritt erst vom Ausmaß des Schocks, dann von der Vehemenz des Widerstands offensichtlich überrascht, ist um Vertrauensbildung bemüht. Aus dem Budget für 2025 holte er zusätzliche 1,3 Millionen Euro für die freie Szene, wie berichtet sollen zweimal 500.000 Euro und einmal 300.000 Euro in drei „Sonderfördercalls“ fließen. Am Dienstag stellt er sich im Graz Museum gemeinsam mit Kulturamtsleiter Patrick Schnabl einer Fragerunde der Plattform rund um das Kulturförderbudget. Mit immerhin einem wesentlichen Ergebnis.

Graz am 06.05.2025, Kulturland Retten, Diskussion, GrazMuseum, Kornhäusl, Baumhackl
Gebannte Aufmerksamkeit bei der Diskussion im Graz Museum © Klz / Nicolas Galani

Dieses betrifft den Fördertopf für Jahres- und Projektförderungen. Er ist heuer dramatisch unterdotiert – aufgrund des langen Budgetprovisoriums und valorisierter Verträge wurde die Fördersumme auf 200.000 Euro limitiert. Förderansuchen dafür konnten bis 30. April gestellt werden und werden derzeit gesichtet. Absehbar ist, dass die Gesamt-Antragssumme die 200.000 im Topf weit übersteigt. Das hieße: weitere dramatische Kürzungen für viele Antragsteller, denen dann nur die Möglichkeit bliebe, über erneute Anträge Geld aus den „Sonderfördercalls“ zu lukrieren.

200.000 Euro werden umgeleitet

Der letzte dieser Calls ist für 30. Oktober angesetzt, reserviert sind 100.000 für die Filmförderung und 200.000 Euro für Projekte. Viele Förderwerber planen den Hauptteil ihres Programms aber für die Monate davor, für sie liegt dieser Termin also zu spät. Kurzerhand bot Kornhäusl daher einen „Shortcut“ an: „Wenn es die Antragssumme erfordert, den aktuellen Fördertopf aufzustocken, werden wir diesem Wunsch entgegenkommen. Das können wir sofort in Stein meißeln.“ Soll heißen: Die 200.000 Euro aus dem Oktober-Topf werden zu den aktuell zu begutachtenden Jahres- und Projektförderungen umgeschichtet. Für die gibt es dann insgesamt 400.000 Euro. Eine spontane Entscheidung, für die Kornhäusl sogar Applaus in der Runde einheimste.

Die Fragerunde um die angekündigte Novellierung des steirischen Kunst- und Kulturförderungsgesetzes verlief danach entsprechend gelöst. Der Landesrat hat jüngst die Einsetzung einer Expertengruppe angekündigt, um die Novelle vorzubereiten. Ob es möglich sei, Angehörige der freien Szene in diese Gruppe zu nominieren, wollte Moderatorin Monika Klengel wissen. Kornhäusl: „Natürlich. Ich gehe sogar davon aus, dass das geschieht.“