So richtig fröhlich waren die Schlagzeilen rund um Österreichs Ferienhotellerie zuletzt ja nicht: rückläufige Betriebsergebnisse trotz gestiegener Auslastung, landesweit fehlen aktuell 14.000 Arbeitskräfte. Und die anhaltende deutsche Wirtschaftsflaute lässt Touri-Einbrüche in der Skisaison befürchten. Da ist es zeitgemäß, dass der designierte nächste Wiener Volkstheater-Chef Jan Philipp Gloger an der Volksoper in seiner Inszenierung von Ralph Benatzkys Operette „Im Weißen Rössl“ auch die Fragwürdigkeiten des Massentourismus aufs Tapet bringt. Man sieht GoGo-Tänzer im Rinderkostüm, die bei der deftigen Hüttengaudi in der „Kuhstall“-Disco anzüglich mit den umgehängten Eutern wackeln. Man sieht Putz- und Stubenpersonal im Hintergrund schuften, während sich die Hotelgäste an der Rampe vergnügen, und kriegt einen Auszug aus Hans Magnus Enzensbergers Essay „Vergebliche Brandung der Ferne“ (1958) vorgelesen, der den Massentourismus als Instrument der kapitalistischen Verhältnisse geißelt. Und puh, man könnte sich von all dem auch ganz schön barsch belehrt fühlen, wenn man sich doch bloß unterhalten will. Aber der streng erhobene Zeigefinger wackelt letztlich so hübsch im Takt dieser aufgekratzten Inszenierung, dass ihn, wer will, auch ganz gut übersehen kann.
Volksoper Wien
Dirndlherrlichkeit und zarter Klischeebruch im „Weißen Rössl“
Kritik.
Jan Philipp Gloger beschert der Volksoper eine temperamentvolle Gagparade. Und Tourismuskritik in höchst verträglicher Dosis.
© APA/Volksoper