Serie "Und was jetzt?"Chef des Kindermuseums: "Wir bleiben optimistisch"

Das Kindermuseum FRida & freD im Grazer Augarten darf am 7. Dezember wieder aufsperren. Leiter Jörg Ehtreiber über die Erfahrungen mit Corona und was man aus Krise lernen kann.

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Jörg Ehtreiber leitet das Grazer Kindermuseum seit 2003 © Juergen Fuchs
 

Auch für das Kindermuseum brachte Corona ein Jahr mit Unwägbarkeiten und vielen organisatorischen Herausforderungen. Wie bleibt man da motiviert?
JÖRG EHTREIBER: Wir lachen viel bei der Arbeit und versuchen den Spaß nicht zu verlieren, wir müssen uns den Optimismus bewahren, mein Grundsatz ist: Es gibt immer eine Lösung. Von dieser Grundhaltung zehren wir derzeit. Aber manches Mal ist es zugegebenermaßen deprimierend, etwa, wenn man Dinge vorbereitet, die dann nicht stattfinden können.

Wo hat Sie denn die Krise in diesem Jahr am allerstärksten getroffen?
Das Aktuelle war sicher die Schließung im November, wir hätten im CoSA am Joanneum, das wir mitbetreuen, eine Ausstellung über 50 Jahre Weltrauminstitut eröffnet. Wir hatten das unter Hochdruck produziert, jetzt haben wir sie gleich um ein Jahr verschoben.

Ihre Kundschaft sind ja Kinder. Für Kinder sind soziale Kontakte besonders wichtig, wie empfanden Sie diese Schwierigkeiten?
Tatsache ist, dass Kinder massiv an den fehlenden Kontakten leiden, dieses Zwischenmenschliche ist für die Entwicklung von Kindern entscheidend. Digitale Medien können das nicht ersetzen. Das merken viele Kinder vielleicht erst jetzt, dass das Digitale und soziale Medien nett sind, aber wie sehr ihnen das Persönliche fehlt. Und viele unserer Besucher nutzen unsere Angebote sehr regelmäßig, für die fiel da viel weg.

Kinder stellen ganz andere Ansprüche an ein Museum. Da geht’s mit Anschauen allein nicht. Wie begegnet man so einem Umstand bei der Gestaltung in Zeiten von Schutzmaßnahmen?
Das betrifft ja auch klassische Museen, etwa technische Museen, mittlerweile stärker. Die arbeiten auch immer stärker interaktiv. Wir mussten die Besucherzahlen reduzieren, Zeitslots einführen, dafür gab es zusätzliches Personal, um Oberflächen zu desinfizieren usw. Wenn es gar nicht geht, sperren wir. Aber das Soziale, die Kontakte zwischen den Kindern, das müssen wir leider unterbinden. Das ist schwer, weil es in der Natur von Kindern liegt, sich austauschen zu wollen. Schulgruppen sind problematischer, aber die sind seit Corona ohnehin fast zu 100 Prozent ausgefallen.

Wie schaut denn die finanzielle Situation aus?
Dank der Hilfspakete haben wir aktuell keine angespannte Situation. Viel härter trifft es unsere externen Auftragnehmer: Illustratoren, Bühnenbildner, Künstler und die vielen freien Kindertheater, die bei uns gastieren. Denen entgehen Aufträge und Arbeitsmöglichkeiten. Mit Onlineprojekten versuchen wir da einiges auszugleichen. (Anmerkung: siehe unten). Für uns im Haus ist 2021 aber noch nicht abschätzbar. Wenn wir aufsperren dürfen und viel weniger Besucher kommen, wird die Situation für uns auch viel schwerer. Dann gibt es diese Hilfen nicht mehr, unsere Budgetziele werden wir vermutlich schwer erreichen. Aber wir haben einen sehr guten finanziellen und ideellen Rückhalt durch die Stadt Graz.

Zur Person

Jörg Ehtreiber (53) leitet das Grazer Kindermuseum FRida & freD seit dessen Eröffnung 2003. Der in Graz geborene Museumsleiter studierte Physik und Chemie und arbeitete im technischen Museum in Wien.



Wie schätzen Sie Ihre künftige Arbeit 2021 grundsätzlich ein?
Die wirtschaftliche Situation ist ja nicht so genau abzuschätzen, das ständige Auf- und Zusperren ist marketingtechnisch eine Herausforderung, auch die Planung der Projekte. Rein aufs Programm bezogen ist die Situation bei uns aber nicht so schlimm, weil die Ausstellungen ja relativ lange laufen. Da geht es anderen im Kulturbereich viel schlechter. Worauf wir uns vorbereiten können, sind die Antworten auf die Frage, wie man das Angebot sinnvoll online erweitert.

Also auch über eine Krise hinaus?
Ja, neue digitale Formate könnten sich auch als Ergänzung zum regulären Programm etablieren. Ich glaube, wir werden in Zukunft wieder so arbeiten wie früher, aber es ist spannend, darüber nachzudenken, was wir von den heuer neu entwickelten Projekten in Zukunft behalten können.

 

Kostenloses Online-Programm

Kultur in Zeiten der Pandemie: Seit Beginn der Coronakrise verlegen immer mehr Institutionen ihre Kulturangebote ins Netz. Auch das Grazer Kindermuseum FRida & freD hat jetzt ein breites Online-Programm aufgestellt. Das Besondere daran: Interaktion soll dabei nach wie vor Kernkompetenz des Hauses bleiben. Auf dem Plan stehen deshalb Dinge wie: 30-minütige Workshops, bei denen Kinder nicht nur passiv konsumieren, sondern mitarbeiten können. Auch das altbekannte „FRida & freD“-Knopftheater findet seinen Weg ins Netz und bindet Kinder in die Vorstellung mit ein. Gänzlich neu ist hingegen das Programm für Erwachsene: Expertinnen und Experten geben in einem mehrteiligen Gesprächsformat Rat und Tipps, wie Familien die aktuelle Krisenzeit meistern können. Nächste Woche Donnerstag um 20 Uhr vor dem Bildschirm: Psychologin Christine Trausner, die über Homeschooling, veränderte Arbeitssituationen und Konflikte innerhalb der Familie sprechen wird.

Das gesamte Online-Programm ist kostenlos. Teilnahme ist nur per Anmeldung möglich. Die Plätze sind limitiert. Das FRida & freD selbst öffnet seine Ausstellung zum Thema Zeit nun wieder am 7. 12. Gegen Voranmeldung kann man Zeitslots zur Besichtigung buchen. Anmeldung und Information zu Besuch und Online-Programm:
www.fridaundfred.at

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