InterviewMarcus Merkel: "Bizets ,Perlenfischer' wurden ungerecht behandelt"

Heute (17. 12.) hat Georges Bizets "Die Perlenfischer" in der Grazer Oper Premiere. Wir sprachen mit dem Dirigenten der neuen Produktion, Marcus Merkel.

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Marcus Merkel in Aktion © Photowerk/Kmetitsch
 

"Die Perlenfischer" werden selten aufgeführt, warum hat es diese Oper schwer?
MARCUS MERKEL: Nach der Premiere haben sich die Librettisten entschuldigt: Wenn sie gewusst hätten, welch tolle Musik Bizet schreibt, hätten sie sich mehr Mühe gegeben. Natürlich hatte Bizet bei seiner ersten Oper noch nicht die Erfahrung, auf die er später bei der „Carmen“ zurückgreifen konnte, aber in den „Perlenfischern“ steckt das Genius eines jungen Menschen.

Kann man sie mit „Carmen“ vergleichen?
Sie haben wie „Carmen“ ein starkes exotisches Element. Die Oper spielt ja im vormaligen Ceylon – niemand in Europa wusste damals viel über die Musik dort. Bizet hat alles mögliche Orientalische hineingemischt, etwa Arabisches. Das Genie von Bizet besteht in der Erfindung der Melodien.

Am berühmtesten sind die Tenor-Arie „Je crois entendre encore“ und das Tenor-Bariton-Duett „Au fonds du temple saint“.
Die Oper hat drei Duette, die alle umwerfend schön sind. Die zeitgenössische Kritik empfand die Musik als zu laut, was ungerecht ist, weil es sehr intime Stellen gibt. Aber es stimmt schon, es gibt viel Blech, da muss man im Orchestergraben gegensteuern.



Stimmt es, dass Sie gar nicht Dirigent werden wollten?
Ich habe Gesang studiert, meine Lehrerin hat mir geraten, dass ich das Dirigieren versuchen solle. Ich habe auch Komposition studiert und eigene Werke dirigiert, da habe ich entdeckt, dass mir das viel Spaß macht, und habe noch ein Dirigierstudium begonnen. Im letzten Studienjahr kam das Angebot als Gastkorrepetitor an der Oper Graz. Ich habe mich ins Haus verliebt. Und man hat mich schnell ans Orchester gelassen, das war eine Riesenchance.

Vom Korrepetitor zum Dirigenten, das ist der klassische Werdegang. Viele sagen, es sei der beste Weg ans Dirigierpult.
Das stimmt, man lernt am Klavier, mit den Sängern zu arbeiten.

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