Johannes Pietsch alias JJ hat beim 69. Eurovision Song Contest von Basel einen triumphalen Sieg für Österreich errungen. „Meine Träume sind wahrgeworden“, unterstrich der 24-Jährige in seiner offiziellen Siegerpressekonferenz. Seine Conclusio angesichts des Umstands, dass er bei den Wettbüros noch während des laufenden Finales „nur“ auf dem 2. Platz gesehen wurde: „Man darf den Buchmachern nie vertrauen.“

Aber auch inhaltlich positionierte sich der Countertenor, an seine Anhänger gewandt: „Ihr seid ein Anwalt für eure Überzeugungen. [...] Vergesst den Hass - die Liebe ist die stärkste Kraft.“ Das sei auch mit seine Intention gewesen bei seiner Performance: „Ich wollte den Menschen einen Einblick in meine innersten Gefühle geben, die ich beim Schreiben des Songs hatte. Es gibt keine vergeudete Liebe. Wir müssen die Liebe nutzen.“

Möchte Contest kommendes Jahr moderieren

Einen besonderen Wunsch formulierte JJ angesichts seines Sieges nun abermals in Richtung ORF: „Darf ich bitte kommendes Jahr gemeinsam mit Conchita moderieren?“ Einen etwas kurzfristigeren Wunsch hatte der neue ESC-König zuvor im Gespräch mit Showmoderatorin Hazel Brugger geäußert: „Ich will in mein Bett. Ich will nur schlafen, ich bin so müde“, lachte der Sänger. Aber davor gibt es noch ein anderes Vorhaben: „Ich möchte meine Familie umarmen - und dann geben wir uns die Kante.“

„I bring“s hoam!„

Zum einen wandte sich JJ, der auch philippinische Wurzeln hat, an die Community des asiatischen Landes und bedankte sich für die Unterstützung, um sich schließlich mit einer finalen Botschaft vom österreichischen Publikum zu verabschieden: „Leitln, wir hab“n den Schaß gewonnen. I bring's hoam!„

Die Reaktionen

Eine der Personen, die das entscheiden können ob JJ nächstes Jahr in Österreich moderiert, ist ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz, die sich im APA-Gespräch vollends beglückt angesichts des Sieges zeigte: „Bei allem Aufwand, den das für den Sender bedeutet, darf man nicht antreten, wenn man sich das ersparen will.“ Jetzt müsse man eben alles zusammenkratzen, was finanziell vorhanden sei, und werde auch mit einem Klingelbeutel durch die Lande ziehen. Für sie selbst, die bereits beim Wiener ESC 2015 Head of Delegation war, ist ein Song Contest als Programmdirektorin jedenfalls eine ganz große Sache: „Ich bin sehr froh, das in meiner Direktionszeit umsetzen zu können! Es macht mir eine diebische Freude.“

„Was für eine Show!“ - Bundespräsident gratuliert

Bundespräsident Alexander Van der Bellen gratulierte JJ jedenfalls bereits via X: „Was für ein Erfolg! Was für eine Stimme! Was für eine Show! Lieber JJ, herzliche Gratulation zum fulminanten 1. Platz beim Eurovision Song Contest.“ Zuvor hatte bereits Bundeskanzler am selben Kanal seiner Freude freien Lauf gelassen: „Was für ein großartiger Erfolg - meine herzlichsten Glückwünsche zum Sieg. [...] JJ schreibt heute österreichische Musikgeschichte!“

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Staatsopernchef Roščić gratuliert

Der Countertenor JJ hat am Samstagabend in Basel den Sieg für Österreich beim 69. Eurovision Song Contest geholt. Das freut nicht zuletzt seinen bisherigen Chef - den Direktor der Wiener Staatsoper, Bogdan Roščić: „Von der ‚Zauberflöte‘ zum Sieg beim Song Contest, das ist doch irgendwie eine Geschichte, die nur in Österreich stattfinden kann“, zeigte sich der Opernchef in einem Statement gegenüber der APA verblüfft.

„Aber wer auf der Bühne der Wiener Staatsoper die Nerven behält, der meistert eben auch einen Auftritt vor 150 Millionen Menschen“, gratulierte Roscic dem 24-Jährigen, der bis dato regelmäßig auf der Bühne des Traditionshauses am Ring zu sehen war. So war JJ unter seinem bürgerlichen Namen Johannes Pietsch in Nebenrollen in „Macbeth“, „Billy Budd“ oder „Tschick“ zu erleben. Er performte bei der Eröffnungsgala zum neuen Standort Nest und stand als 1. Knabe in der Premiere der neuen „Zauberflöte“ auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

ORF-Chef Weißmann: „Fantastische Performance“

„Wir gratulieren JJ zu seiner fantastischen Performance und sind stolz, ihn auf seinem Erfolgsweg, ähnlich wie auch schon bei Conchita Wurst, begleitet zu haben“, hielt der ORF-Chef fest und bezog sich auf den bis dato letzten rot-weiß-roten ESC-Triumph, als es 2014 hieß „Rise Like A Phoenix“. Das hatte damals zur Folge, dass der 60. Song Contest im Jahr darauf in Wien über die Bühne ging. Nun wird er „auch im 70. Jahr in Österreich zu Gast sein“, resümierte Weißmann. „Die Arbeiten dafür beginnen ab sofort, die Freude auf dieses Event ebenso.“

Eine Weile schien es fast so, als könne die Schweizerin Zoë Më den ESC-Titel in Basel verteidigen. Doch nach 214 Jurypunkten kamen dann null Punkte vom Publikum. In der Arena Plus löste dies baffes Erstaunen aus. So landete sie schließlich auf Platz zehn. Für ihren österreichischen Kontrahenten und Kollegen freute sie sich: „Ich bins mega stolz auf JJ. Sein Sieg ist komplett verdient.“

Italiens Presse: „Auftritt von JJ eine Tortur“

Italienische Medien haben unterschiedlich auf den Sieg von JJ beim 69. Eurovision Song Contest von Basel reagiert. Enttäuschung herrscht über den fünften Platz des Italieners Lucio Corsi. Hier die Reaktionen einiger Tageszeitungen.

La Repubblica (Rom): „Am Schluss hat ein Außenseiter, der Österreicher JJ mit seiner Countertenor-Stimme, gewonnen. Damit besiegt er die absoluten Favoriten, die Schweden Kaj, die mit ihrem Bara bada bastu ́ wochenlang als Sieger feststanden. Sie wurden von der stürmischen und ausgesprochen schrägen Performance des Wiener Künstlers, der die Töne eines Soprans erreicht und an der Wiener Staatsoper auftritt, überrollt.“

Corriere della Sera (Mailand): „Pop-Oper ist ein Steuer, die der Eurovision Song Contest zahlen muss. Nach „Il Volo“ und Nemo im letzten Jahr siegt jetzt der Österreicher JJ mit seinem Sopran-Falsett, das nur Virtuosität ohne Leidenschaft ist. Sein Auftritt im Finale ist eine Tortur.“

La Stampa (Turin): „Was sicherlich dazu beigetragen hat, JJs Stück so populär zu machen, ist das Ende des Lieds, das man als unerwartet bezeichnen könnte. Die Zartheit seiner Stimme kollidiert mit dem Techno-Rhythmus inmitten der Wellen auf der Bühne.“

Quotidiano Nazionale (Florenz): „Ein Austro-Philippiner, der mit der Stimme unglaubliche Höhen erreicht, siegt bei Eurovision Song Contest gegen die Favoriten am Ende eines Finales, das nicht hektischer hätte sein können.“

Il Messaggero (Rom): „JJ wandelt auf den Spuren von Conchita Wurst, für die er öfters seine Bewunderung ausgedrückt hat. Schade für den fünften Platz des Italieners Lucio Corsi, dessen Song Lob von Größen wie Laura Pausini, Ramazzotti und Gianna Nannini erhalten hat. Auch Ed Sheeran hat Corsis Song als ́genial ́ gelobt.“