"Oh Gott, nein, das kann ich nicht bringen!", war seine erste Reaktion, als er vom Zuschlag für die Rolle des Karl in der Amazon-Prime-Produktion "Sachertorte" erfuhr. Das Gespräch fand stilecht in einer Suite im Hotel Sacher statt und hinter Max Hubacher schaute Kaiser Franz Joseph I. milde lächelnd von einer Leinwand herab.
"Sissi", die Urmutter der österreichischen RomComs, ist natürlich auch im schweizerischen Haushalt der Hubachers gelaufen – Mutter und Schwester sei Dank. Sonst ist Hubacher ein absoluter RomCom-Neuling, wie er zugibt: "Vor so einer Rolle habe ich richtig Schiss, weil es einmal nicht so eine krasse Figur ist."
Solche hat der 29-Jährige schon mehrfach gespielt, darunter den Nazi-Hochstapler Willi Herold im Film "Der Hauptmann". Der findet in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs eine Naziuniform und wird vom Machtrausch mitgerissen.

Die Figur des Karl in "Sachertorte" ist so ziemlich das Gegenteil, wobei: Mitgerissen wird er auch, zunächst von der Euphorie der Liebe auf den ersten Blick. Als der Berliner zufällig die Wienerin Nini (Michaela Saba) trifft, ist es um ihn geschehen. Blöd nur, dass er ihre Telefonnummer verliert. Was er weiß, führt ihn Hals über Kopf nach Wien: Nini trifft sich jedes Jahr zu ihrem Geburtstag um Schlag 15 Uhr mit ihrem Vater im Café Sacher. Also geht Karl nun auch dorthin – Tag für Tag. Schützenhilfe bei der Suche nach Nini bekommt er von der Wienerin Miriam (Maeve Metelka, Tochter von Nicholas Ofczarek) und einer feinen Runde heimischer Stars, darunter Krista Stadler, Karl Fischer und Ruth Brauer-Kvam.


Regisseurin Tine Rogoll hat für ihr Spielfilmdebüt das Experiment RomCom gewagt und durchaus gewonnen. Gelingt der Einstieg rund um Nini noch ein wenig zu konstruiert ("Before Sunrise" lässt grüßen), nimmt die Handlung mit dem Umzug nach Wien deutlich an Fahrt auf. Rogoll inszeniert Karls Suche nach der Liebe nicht nur als Hommage an Wien (die Touristiker werden jubeln), sondern vor allem an das Wienerische. In der dynamischen Inszenierung rennt der Schmäh, aber er verrennt sich nicht.
"Mir wird manchmal bei RomComs oder anderen Filmen oft viel zu wenig auf die Sprache vertraut. Die Sprache ist oft nur Informationsmedium, aber wird nicht genutzt, um ein Milieu zu erzählen. Und das ist ja hier so schnell mit der Sprache gemacht!", schwärmt Hubacher von der Dialektvielfalt.



Hubacher und Metelka üben sich also gekonnt im sprachlichen Gag-Ping-Pong, während Karls WG-Kollegen als Gegenpart die weniger feine Klinge schwingen. In Summe ergibt das die sympathische Verdichtung eines Klischees: der Wiener Charme, wie er im Buche steht. Wobei Rogoll und ihr Ensemble noch eine Zutat einbringen, die bei RomComs so etwas wie der magische Feenstaub ist: die richtige Portion Leichtigkeit.

Das mag auch daran liegen, dass man sich bei "Sachertorte" längst vom RomCom-Klischee selbst verabschiedet hat: Karl ist hier nicht mehr "der Player", wie es Hubacher ausdrückt, also der, der alle Zügel in der Hand hat. Im Gegenteil, hier ist eindeutig Miriam die Taktgeberin. Als fabelhafter Gegenpol werden sich wohl Krista Stadler und Karl Fischer in die Herzen der Zuschauer spielen.
Und dann erwischt der Film auch noch das richtige Momentum: Inmitten von Krieg, Krisen und Weihnachten im Anflug rennt man damit wohl in offene Herzen rein.


Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4/5)

„Sachertorte“ ist auf Amazon Prime zu sehen.