Er steigt im pinken Anzug aus seinem Cadillac Eldorado und schon beginnt die Freiheit: Die Girls lassen ihre Sonnenbrillen neugierig auf die Nasen rutschen, drei Buben trommeln auf Farbeimern und immer mehr Hüften fangen zu wippen an in den Straßen von New Orleans, sogar jene von Cowboys oder Stelzengehern... Ja, singt Jon Batiste teils im Falsett, wenn er seinen Körper so wie jetzt bewegt, er wisse auch nicht warum, das fühle sich jedenfalls an wie „Freedom“.

Coole Socke, der Mann. Für dieses Musikvideo, ein herrliches vierminütiges Antidepressivum, erhielt der Sänger am Sonntagabend einen von fünf Grammys, etwa auch in der Kategorie „Album des Jahres“ für „We Are“; bei den wichtigsten amerikanischen Musikpreisen war er gleich elf Mal nominiert gewesen. Nach einer mitreißenden Live-Performance von „Freedom“ bei der Gala sagte der 35-Jährige in seiner Dankesrede, er glaube eigentlich gar nicht daran, dass es so etwas wie einen besten Künstler gebe. „Die kreativen Künste sind subjektiv, und sie finden einen Menschen an einem bestimmten Punkt in seinem Leben, wenn er es am meisten braucht.“

Batiste, der aus einer Musikerfamilie aus New Orleans stammt, hatten bis zum Vorjahr viele wohl höchstens aus der Late Show von Stephen Colbert gekannt, dem Nachfolger von David Letterman. In dieser leitet der Ausnahmekünstler, der an der renommierten Juilliard School in New York seine Master in Jazz und klassischer Klaviermusik machte, die Studioband. Mit „Soul“ aber kam der endgültige Durchbruch: Er hatte zusammen mit Trent Reznor und Atticus Ross den Soundtrack zum Pixar-Animationsfilm über die Magie des Jazz und den Sinn des Lebens geschrieben und dafür 2021 einen Golden Globe und einen Oscar ergattert.

Jon Batistes Stil lässt sich nicht festmachen. Aber „We Are“, sein viertes Album, soll als Melange aus Jazz, Soul, Blues, Gospel, Funk, R’n’B, Hip-Hop und Afrobeat einfach „all das verkörpern, wovon ich träume und wofür ich kämpfe“.