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Viech im InterviewPaul Plut: "Gute Popmusik tröstet"

Kreativkopf Paul Plut erklärt, warum das neue Viech-Album zum Vergessen ist, welchen Geruch seine Jugend hatte, was ihn gerade umtreibt und was musikalische Nüchternheit ist

Viech: Paul Plut (Rechts), Christoph Lederhilger und Martina Stranger © Gerfried Guggi
 

Ihr neues Album heißt „Niemand wird sich erinnern, dass wir hier waren“. Das Album handelt aber vor allem von Erinnerungen. Ein Widerspruch?
PAUL PLUT: Ich denke nicht. Vielleicht kennen Sie das ja auch. Man erlebt den schönsten Augenblick und sagt sich noch im gleichen Moment laut vor: Dieses Gefühl, diesen Geruch, diese Person darf ich niemals vergessen. Und irgendwann legt sich dann trotzdem das Vergessen darüber. Und, na klar – auch dieses Album wird irgendwann niemanden mehr interessieren.

Haben wir Menschen die Kraft, Eindrücke zu konservieren?
Nein. Aber ich glaube, man muss gar nicht alles festhalten.

Der Vorgänger „Heute Nacht nach Budapest“ klang nach Ausbruch. Die neuen Songs klingen eher nach Abbruch.
Wir begeben uns tatsächlich in eine andere Welt. Wir betreiben eine Art Innenschau und lassen auf diesem Album tief blicken. Auf früheren Viech-Platten hatten wir Spaß an metaphorischen und wortakrobatischen Texten. Mit 30 hab ich jetzt endlich den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Heute schreiben wir ehrlicher.


Mit dem schonungslos ehrlichen Liebeslied „Küss mich“ haben Sie das geschafft.
Wir haben uns vorgestellt, wie unser 15-jähriges Ich einen Liebessong schreiben würde. Beim Song „Sag ja“ haben sich Christoph, Martina und ich gefragt, wie unsere Version des Obama-Slogans „Yes, we can“ lauten würde. Das wäre ein beherztes „Ja, ich bin ruiniert“.


Auffällig viele Songs auf dem Album handeln von der Jugend.
Stimmt. Ein Thema, das mich mehr und mehr interessiert hat, war das Mitgefühl. Als Jugendlicher fühlt man sich nicht verstanden. „Everybody Hurts“ von R.E.M. hat sich damals gut angefühlt für mich. Dieser Song spendete Trost. Gute Popmusik kann das.

Auf früheren Viech-Platten hatten wir Spaß an metaphorischen und wortakrobatischen Texten. Mit 30 hab ich jetzt endlich den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen.

Paul Plut, Viech

Welchen Geruch hat die Jugend für Sie gehabt?
Nach Tschick und Alk hat sie auch gerochen. Ich bin froh, dass ich das hinter mir gelassen habe. Ich hör von vielen Leuten, die bei uns im Rausch gestorben sind.

Die Musik hingegen klingt nüchtern und ruhig. Es ist eigentlich ein typisches Songwriter-Album.
Wir wollten alles möglichst roh einfangen und dem Verlangen nach zu vielen Spielereien widerstehen. Die Verlockung ist halt oft groß – „Ah, da würde sich noch eine fünfte Gitarrenspur ausgehen“.


Wie entscheiden Sie, ob ein Stück ein Viech- oder ein Solo-Song ist?
Na ja – da gibt’s Dur und da gibt’s Moll (lacht). Sagen wir’s so: Viech spielt im Freibad in Kindberg, Paul Plut am Friedhof in Liezen.


„Du bist ein Puzzle mit 40.000 Teilen“, singen Sie. Haben Sie sich mittlerweile selbst zusammengesetzt? Sie sind ja auch Vater geworden.
Jetzt suche ich ganz ohne Metapher die Puzzleteile meines Sohnes unter der Couch.

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