"Nomadland" als großer Gewinner Oscars 2021: Chloé Zhao und Frances McDormand freuen sich über Auszeichnungen

Die Preise sind vergeben: "Nomadland" räumte ab. Viele Favoriten und Favoritinnen setzten sich durch. Österreichs Oscar-Hoffnung "Quo Vadis, Aida?" musste sich gegen Thomas Vinterbergs "Der Rausch" als bester internationaler Film geschlagen geben.

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Beste Hauptdarstellerin, beste Regisseurin: Frances McDormand und Chloé Zhao triumphieren mit "Nomadland" © AP
 

Nun ist es amtlich: "Nomadland" reüssierte nicht bei fast allen Filmpreisen im letzten Jahr, sondern auch bei den 93. Academy Adwards. Der Roadtrip als Abgesang auf Amerika holte sich auch die Königsdisziplin bester Film. Frances McDormand ist beste Hauptdarstellerin. Und Chloe Zhao, die den Film auch mitproduzierte, das Drehbuch schrieb und den Schnitt arrangierte, ist auch die beste Regisseurin dieses Oscar-Jahrgangs.

Zhao ist nach Kathryn Bigelow und ihrem Oscar 2010 für "The Hurt Locker" überhaupt erst die zweite Frau, die einen Regie-Oscar erhält. Mehr noch: sie ist die erste Chinesin und die erste Person of Color.  Die Rede ist von Chloé Zhao. Die in China geborene und in Großbritannien und den USA aufgewachsene darf sich über den Goldritter in bester Regie für ihren Roadtrip "Nomadland" freuen. In dem bildgewaltigen Drama spielt Frances McDormand eine Witwe, die aus wirtschaftlicher Not ihr Hab und Gut in ein Auto lädt und als Nomadin durch die USA zieht. Bei ihrer Dankesrede unterstrich die 39-Jährige in poetischen Worten, dass sie immer noch an das Gute im Menschen glaube.

Sie ist nur eine der Frauen, die bei dieser 93. Oscarverleihung Geschichte geschrieben hat. Auch bei den Nebendarstellerinnen konnte sich erstmals eine Frau mit asiatischen Wurzeln durchsetzen: Yuh-Jung Youn wurde für ihren Part als schrullige Oma im Einwanderungsdrama "Minari" aus den Händen von Brad Pitt mit der Statuette gewürdigt. Nachdem sie die Gala in Südkorea stets im Fernsehen verfolgt habe, sei es nun umso surrealer, diese live zu erleben. "Ich glaube nicht an Wettbewerb", zeigte sich die Gewinnerin konziliant.

Oscars 2021: Die Bilder vom roten Teppich

Aufstellung der Nominierten bitte in strahlendem Gold-Look bis hin zu gar nicht unschuldigem Weiß (von links nach rechts): Carey Mulligan, Leslie Odom, Jr., Andra Day, Maria Bakalova and Viola Davis

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Tüchtig und mutig in den Farbtopf gegriffen haben indes Amanda Seyfried, Angela Bassett, Reese Witherspoon, Halle Berry, Emerald Fennell and Regina King (von links)

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Das kleine oder größere Schwarze geht immer: Nicolette Robinson, Yuh-Jung Youn, Alan S. Kim mit Christina Oh (von links nach rechts)

(c) AP (Chris Pizzello)

Großer Auftritt in diesen Roben gab es u.a. für Margot Robbie, Laura Pausini und Marlee Matlin (von links nach rechts)

(c) AP (Chris Pizzello)

Angela Bassett war am meisten aufgemascherlt. Muss man sagen.

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Der "Black Panther"-Star kam in einer knallroten Robe mit Schleppe von Dolce & Gabbana und glänzte darin wunderbar.

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Carey Mulligan

Preisverdächtige goldene Robe: Cary Mulligan glänzte in Valentino

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Carey Mulligan

... auch von hinten top!

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Amanda Seyfried

Knallt: Amanda Seyfried macht keine Kompromisse, wenn es um den großen Auftritt geht und trägt einen knallroten Plüschtraum von Armani Prive

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Anders als Zendaya. Der "Malcolm & Marie"-Star traute sich in einem knallig gelben und bauchfreien Meermädchen-Albtraum auf den roten Teppich.

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Dafür verantwortlich: das Haus Valentino

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Stilvoll (und ebenso bauchfrei) glänzte Sängerin und Neo-Schauspielerin Andra Day in Gold

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Die Robe stammt von Vera Wang

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Schauspielerin, Oscarpreisträgerin und Neo-Regisseurin Regina King kam - wie von einem anderen Stern - gekleidet zur Gala

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Schultern nach oben - muss man zu diesem blau-silbernem Traum nicht mehr extra erwähnen. Das Design stammt von Louis Vuitton.

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And the oscar for best dress ... geht an sie.

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Oscarpreisträgerin Laura Dern kam in einer aufgeplusterten Schwarz-Weiß-Robe von Oscar de la Renta.

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Dazupassend ein wenig Bein unter gerupftem Rock

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Viola Davis kam in elegantem Weiß

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... Olivia Colman in bravem Rot.

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Viel Spaß mit den weiteren Bildern!

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In der Kategorie bester Nebendarsteller setzte sich ebenfalls ein sogenannter Toprunner durch: Daniel Kaluuya für seine Rolle als Fred Hampton von der "Black Panther"-Bewegung im Drama "Judas and the Black Messiah". Dabei hatte sich der 32-Jährige anfangs mit einem kleinen Gebet bei Gott bedankt. Kaluuya spielt in dem Film über die Black Panther Party den Aktivisten Fred Hampton. Er wurde bereits 2018 für seine Rolle in dem Horrorfilm "Get Out" für den Oscar nominiert. In seiner Dankesrede erinnert er auch an Hampton.  "Danke für dein Leben!", sagte er.

In der Kategorie bester Hauptdarsteller schaffte es Anthony Hopkins, der als demenzkranker Mann durch "The Father" brillant tänzelt, doch tatsächlich, dem Favoriten Chadwick Boseman posthum den Goldritter wegzuschnappen. 1992 für "Schweigen der Lämmer" geehrt, ist es sein zweiter Preis. Er ist nun mit 83 Jahren ältester Oscarpreisträger.

Oscars 2021: Wer sich heuer vergoldet hat

Yuh-Jung Youn

Es war eine der entzückendsten Szenen des Abends: Brad Pitt überreichte Yuh-Jung Youn den Oscar als beste Nebendarstellerin für "Minari" und sie freute sich in der Dankesrede dafür, dass sie ihn endlich kennenlernte.

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Yuh-Jung Youn

Die 73-jährige Mimin ist in Korea seit Jahrzehnten ein Star, nun ein vielfach ausgezeichneter.

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Frances McDormand und Yuh-Jung Youn

Posen mit der nun dreifachen Oscarpreisträgerin Frances McDormand, die für ihre Rolle in "Nomadland" als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.

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Daniel Kaluuya

Daniel Kaluuya ("Get Out", "Queen & Slim") sicherte sich bei seiner zweiten Oscarnominierung für "Judas and the Black Messiah" einen Goldritter für die beste männliche Nebenrolle.

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Daniel Kaluuya

Er dankte bei seiner Rede Fred Hampton für seine Vorbildwirkung - er verkörpert darin den "Black Panther"-Aktivisten

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Emerald Fennell

Vorhang auf, für Emerald Fennell: Die 35-jährige Britin erhielt einen Oscar für das beste Originaldrehbuch zu "Promising Young Woman".

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Emerald Fennell

Worum es im #MeToo-Rachedrama geht, erzählte die Hauptdarstellerin Carey Mulligan erst unlängst im Interview

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Die ausgezeichneten DarstellerInnen unter sich (Anthony Hopkins reiste nicht an): Yuh-Jung Youn, Daniel Kaluuya, Frances McDormand

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Chloe Zhao

Dieses war ihr erster Streich: die 39-jährige Filmemacherin darf sich über den Oscar als beste Regisseurin freuen

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Und weil sie "Nomadland" auch mitproduziert hat, darf sie sich auch noch über einen zweiten Goldritter für den besten Film freuen

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Das Produzententeam von "Nomadland" (von links): Peter Spears, from left, Frances McDormand, Chloe Zhao, Mollye Asher und Dan Janvey

(c) AP (Chris Pizzello)

Mia Neal

Mia Neal darf sich über einen Oscar für das beste Make-up und Hairstyling für "Ma Rainey's Black Bottom" freuen

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Ein Oscartänzchen in Ehren: Jon Batiste, Trent Reznor und Atticus Ross, gewinnen Oscars für den besten original Score für "Soul"

(c) AP (Chris Pizzello)

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H.E.R. hat sich für den besten Song "Fight For You" aus "Judas and the Black Messiah" vergoldet

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Zum Auftakt hatte Schauspielerin Regina King in einem live inszenierten Filmcredit das Bahnhofsgebäude der Union Station in Los Angeles City betreten. Diese dient, anders als traditionell, heuer nämlich anstelle des Dolby Theatres in Hollywood als Hauptaustragungsort des Events. 170 Stars samt Anhang fanden sich in dem historischen Bahnhofsgebäude ein, während im Dolby die Showelemente Platz finden sollen.

Zu Beginn wurden die beiden Drehbuchkategorien vergeben. Der Preis für das beste Originaldrehbuch ging dabei an das Rachedrama "Promising Young Woman": Die Britin Emerald Fennel, die den Film auch inszeniert hat, zeigte sich überwältigt. "Sie sagten: Schreib eine Rede. Aber natürlich habe ich keine geschrieben, weil solche Dinge normalerweise nicht passieren." Die Statue sei "so schwer und so kalt", lachte die Filmemacherin. Florian Zeller und Christopher Hampton durften sich indes über einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ("The Father") freuen, wobei beide nicht in Los Angeles vor Ort waren, sondern ihre Statuetten in Paris respektive London entgegennahmen.

Gleich im Anschluss musste Österreichs kleine Oscar-Hoffnung, Jasmina Zbanics rot-weiß-rot-koproduziertes Bosnienkriegsdrama "Quo vadis, Aida?" sich in der Kategorie des Auslandsoscars geschlagen geben. Das Werk war von Bosnien-Herzegowina eingereicht worden, zog aber gegen Thomas Vinterbergs Trinkerparabel "Der Rausch" aus Dänemark in der Kategorie des besten internationalen Spielfilms den Kürzeren.

Auch bei den Animationsfilmen gab es einen Favoritensieg, konnte sich doch Pixars neues Werk "Soul" gegen die Konkurrenz durchsetzen. Selbiges gilt für "Mein Lehrer, der Krake", der sich bei den Dokumentararbeiten an Platz 1 etablieren konnte. Und die Rassismusanklage "Ma Rainey's Black Bottom" konnte in den beiden Kategorien Make-up und Haare sowie Kostüme ihre ersten beiden Trophäen für sich reklamieren. Ihre nominierten Hauptdarsteller gingen jedoch leer aus.

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Die wirkliche Nullnummer des Abends war aber die eigentliche Gala selbst. Im Vorfeld war diese als erstes großes Showevent in der Coronakrise gedacht gewesen - und enttäuschte auf ganzer Linie. Im intimen Ambiente der Union Station von Los Angeles anstelle des traditionellen Dolby Theatres verzichtete man nicht nur auf Showelemente, Musikbeiträge oder in der Regel auch auf Ausschnitte aus den nominierten Werken, sondern vor allem gänzlich auf Humor. Stattdessen wurde die Veranstaltung im Stile redelastiger Preisverleihungen im Umfeld einer Provinzsparkasse vor 170 Stars plus Anhang abgehalten. Überraschenderweise blieb die Prägnanz aber selbst in den ausufernden Redebeiträgen vor die Tore des Bahnhofs verbannt. Weder spielte die Rassismusdebatte in den USA eine nennenswerte Rolle, noch fiel auch nur das Wort Covid - wenn man vom Produzenten Tyler Perry absieht, der mit dem Sonderpreis des Humanitarian Awards für sein soziales Engagement ausgezeichnet wurde. 

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Danke für Ihr Verständnis.

Mein Graz
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Nomadland

Toller Film, großartige Hauptdarstellerin, bewegendes Thema.
Ich werde ihn mir sicher bald noch einmal ansehen!

Allerdings wird nicht jeder meine Meinung teilen: ein Film der Kategorie "Lieben oder Hassen", der viel Verständnis und Erfassen der zarten Töne erfordert.

lieschenmueller
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Wo hast Du den Film schon gesehen?

Hab den Trailer geschaut und bin gespannt auf mehr.

Mein Graz
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@lieschenmueller

Oh je, das ist eine hier nicht zu beantwortende Frage...

Man KANN Nomadland auf Star Disney Plus streamen...

Mein Graz
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Sry, falsch...

Auf Hulu!

lieschenmueller
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@Mein Graz

Danke Dir.

Bin diesbezüglich unbedarft. Wir haben etliche Apps auf dem Fernseher, auch Sky und Netflix etc.

Einzig "the Crown" habe ich mir als Serie angeschaut, ansonsten ist bei mir das ziemlich unbenützt.

Egal wo ich "Nomadland" irgendwann sehe, freue mich drauf. Die Schauspielerin fand ich ebenfalls fantastisch im Film, wo sie Plakatwände mietete, dass der Mord an ihrer Tochter nicht in Vergessenheit gerät.

Seit gestern hat sie den dritten!! Oscar. Muss man erst einmal zusammen bringen.

Irmiernst
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Three billboards

outside Ebbing Missouri

Hapi67
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Gratulation

an Frances McDormand.

Unfassbare Darstellungen einer Frau jenseits des Mainstreams und der Vorstellungskraft.

Diese Frau hinterlässt nachhaltigen Eindruck.

Vielen Dank

aposch
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Scheinwelt

Es gibt kaum etwas, was mich weniger interessiert, als diese Scheinwelt aus Glanz und Glimmer.

oliba99
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Es gibt kaum....

Tip: NICHT lesen!!!!!

lieschenmueller
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Wollen wir jetzt alle aufzählen, was uns NICHT interessiert?

Das könnte lang werden ;-)