Sie sind jung, fröhlich und auch wenn auf die Dächer der Häuser in der Aomori-Präfektur der Schnee drückt und die prekären Verhältnisse die Möglichkeiten beschränken: Für Kiyo und Sumire steht die Welt offen, als sie zum Busbahnhof aufbrechen. Ihr Ziel ist aber nicht die große Freiheit, jedenfalls nicht jene, wie sie in Mitteleuropa geläufig ist. Die beiden 16-Jährigen zieht es nach Kyoto, wo sie sich zu Geisha ausbilden lassen wollen.

Die Serie, die den Bestseller-Manga-Comic "Kiyo und Sumire" adaptiert, wurde vom mit einer Goldenen Palme ausgezeichneten Regisseur Hirokazu Koreeda („Shoplifters") entworfen und umgesetzt. Es schuf ein glanzvolles Arrangement, das von einer lieblichen Lebendigkeit ist. Anhand der zwei Protagonistinnen zeichnet er zwei Wege in diese japanische Sphäre: Sumire ist eine Vorzeige-Schülerin, die sich als gelehrig Maiko schnell einfügt in das Metier der traditionellen japanischen Unterhalterinnen. Kiyo ist als Geisha-Anwärterin hingegen untauglich, glänzt dafür in der Kunst der japanischen Küche.

Koreeda lässt eintauchen in eine optisch überwältigende Welt, in der Frauen einander Schwestern und Mütter nennen, obwohl sie in keinem verwandtschaftlichen Verhältnissen stehen. Eine artifizielle Welt, in der Haltung, traditionelle Kleidung und der Teint Voraussetzung sind für ein Lächeln, das an Perfektion heran reicht. Es ist aber auch eine Welt, die zu verschwinden droht - einige hundert Geishas soll es heute noch geben.