Weg gewesen ist sie nie: Keine Schlacht ist der Frauenrechtlerin und „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer zu groß, keine Debatte zu heiß, kein Gegner zu mächtig. Seit einem Streitgespräch mit der Autorin Esther Vilar („Der dressierte Mann“) beim WDR im Jahr 1975 gilt Schwarzer als Medienstar, als öffentliche Person und zudem als Galionsfigur der Zweiten Frauenbewegung. Geliebt, gehasst, gefürchtet: Sie hat feministische Themen in der Mitte der Gesellschaft verankert, als es weder eine Fristenlösung gab noch Vergewaltigung in der Ehe strafbar war.

Die Wiener Regisseurin Sabine Derflinger setzte der streitbaren Publizistin von Büchern wie „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ von 1973 ein wohlwollendes, filmisches Denkmal. „Alice Schwarzer“ erhielt heuer den großen Diagonale-Dokumentarfilmpreis. Aktuell ist das Porträt auch in Deutschland im Kino zu sehen. Der ORF würdigt die Frauenrechtlerin aus Anlass ihres bevorstehenden Geburtstags am 3. Dezember heute mit dem Porträt als dok.film um 23.05 Uhr auf ORF 2.



Entlarvendes Archivmaterial wie TV-Kritiken vom „Stern“ oder Debatten mit „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein zeigen, wie sehr Schwarzer seit Beginn polarisierte. „Sie ist als Person ja Projektionsfläche für alle und alles. Es ist fast so, als hätte jede und jeder seine eigene Schwarzer. Wenn man einen Film über sie macht, wird man daran gemessen, ob dieser zum eigenen Bild von Alice Schwarzer passt oder nicht“, erklärte Regisseurin und Produzentin Derflinger.

Kachelmann-Prozess, Sexarbeit, Transgender-Debatte: Die Doku beleuchtet aktuelle Fragen und zeigt die bald 80-Jährige aber auch als verletzbare, selbstkritische, humorvolle, liebende und ehrgeizige Frau.

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