TV-TagebuchJa nur nicht hinschauen!

Über die Satire "Don't Look Up" auf Netflix und warum es Film-Fiktion zunehmend schwer hat.

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© KK
 

Stellen Sie sich vor, Wissenschafter haben mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit errechnet, dass ein riesiger Komet auf die Erde zurast und diese in sechs Monaten und 14 Tagen völlig zerstören wird – sofern nicht sofort etwas unternommen wird.

Stellen Sie sich weiters vor, die trumpelige US-Präsidentin reagiert auf diese Hiobsbotschaft mit den Worten „Ruhe bewahren!“, weil sie die Menschen nicht verängstigen möchte und zudem ein Wahlkampf bevorsteht.

Und stellen Sie sich dann noch vor, dass die wissenschaftliche Expertise durch den Kakao der Unterhaltungsindustrie gezogen wird und sich eine Bewegung gründet, deren Slogan „Don’t Look Up“ lautet. Also: Nicht hinaufschauen! Motto: Nicht hinschauen, dann ist die Bedrohung auch nicht vorhanden!

Willkommen in der bitterbösen Satire „Don’t Look Up“ von Regisseur Adam McKay, in der Meryl Streep, Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio eine glanzvolle Vorstellung geben und man sich als Zuschauer leicht verkutzt, weil das Lachen im Hals stecken bleibt.

Denn wenn man etwa das Wort „Komet“ durch das Wort „Pandemie“ austauscht, findet man sich – mit leichten Abwandlungen – unversehens in der Wirklichkeit wieder. Die Fiktion hat es zunehmend schwer, mit der Realität Schritt zu halten.

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