Streaming: „Der Trend geht zum Abschluss von zwei und mehr Abos“
Sky setzt künftig mehr auf lokale Eigenproduktionen. Programmchefin Elke Walthelm über den Umgang mit der Konkurrenz, den Erfolg der Netflixserie „Squid Game“ und ihr Faible für Ted Lasso.

Die Pandemie hat der Streamingbranche nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Welche Erkenntnisse nimmt man bei Sky für die Zukunft mit?
Elke Walthelm: Die Pandemie hat jetzt nicht die Zuschauerbedürfnisse fundamental verändert, aber unser Eindruck ist, dass sie ein bisschen ein Katalysator ist und gewisse Trends noch einmal beschleunigt hat. Was wir jetzt noch stärker sehen, ist die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Inhalten und dass auch die Zahlungsbereitschaft dafür da ist. Es gibt eine Überzahl an Angeboten, umso wichtiger ist eine kluge Strategie. Wir sehen klar, dass der Trend zum Abschluss von zwei und mehr Abos geht.
Wie geht man mit dieser Konkurrenzsituation um, welche Strategien gibt es?
Elke Walthelm: Unsere Antwort auf diese Marktentwicklung ist die Aggregation. Wir haben ja nicht nur unsere eigenen Sky-Inhalte, sondern bieten auch noch über Sky-Q einen einfachen Zugang zu anderen Streaminganbietern wie Netflix, Amazon, Apple TV+ oder Disney+ an. Wir zeigen auch deren Inhalte im User-Interface an und wollen so dem Zuschauer eine Navigation geben. Damit machen wir sehr gute Erfahrungen. Die Nutzung über die Plattform hinweg steigt.

Immer mehr internationale Streamingplattformen wie Netflix, Amazon Prime und Disney+ investieren in lokale Serien. Was steht bei Sky auf dem Programm?
Elke Walthelm: Das ist auch ein wichtiger Teil unserer Strategie. Anders als in der Vergangenheit, wo wir zwei bis drei Serien im Jahr on air gebracht haben, bauen wir massiv aus. Nächstes Jahr werden es schon sieben lokale, fiktive Produktionen sein, die auf die Plattform kommen. Nimmt man die Dokumentationen und Shows dazu, sind es 20 lokale Produktionen. Inklusive aller unserer Eigenproduktionen aus den anderen Märkten werden wir nächstes Jahr um die 60 Sky-Originals zeigen können.
Auf welche geplanten Serien in ihrem Portfolio freuen Sie sich besonders?
Elke Walthelm: Gefreut haben wir uns heuer über „Die Ibiza-Affäre“, die war sehr erfolgreich in Österreich und über die Landesgrenze hinweg. Was die Nutzung und Zuschauerschaft anging, war es die meistgesehene Serie seit Langem. Nächstes Jahr geht es weiter mit „Der Pass“. „Das Boot“ geht in die dritte Staffel, „Babylon Berlin“ in die vierte Staffel. Auf „Paradiso“ bin ich schon sehr gespannt, wie sie ankommt. Die Serie basiert auf dem Roman „Bestattung eines Hundes“ von Thomas Pletzinger. Ein tolles Setting: Südamerika, New York, Luganersee, München, eine kleine Weltreise. Ganz großes Storytelling und eine emotionale Reise.

Streaminganbieter sind ja immer auf der Suche nach „The Next Big Thing“. War der enorme Erfolg der Netflixserie „Squid Game“ für Sie absehbar?
Elke Walthelm: Nein. Auch nicht, warum es dann vor allem in der jungen Zielgruppe so abhebt, dass es Schüler dann im Schulhof nachspielen. Ich persönlich würde das vielleicht in einen pandemischen Kontext stecken. Die Pandemie, die ja auch ein bisschen ein Leben außerhalb des Normalen geprägt hat. Die Serie als eine Überhöhung und ganz extreme Darstellung, wie ein Leben sich verändern kann. Aber das ist eine persönliche Spekulation. Aber ob das jetzt ein einmaliger Effekt war oder ein Trend? Gewisse Genres kommen halt immer wieder. Aber letztlich ist das auch eine Art von Magie, wenn so ein Hype ausgelöst wird. Ein Algorithmus allein kann das so nicht vorrechnen.
Um welche Serie beneiden Sie die Konkurrenz?
Elke Walthelm: Ich persönlich bin ein großer Ted Lasso-Fan. Eine Feel-good-Serie, bei der man danach die Welt ein bisschen in zartrosa Tönen sieht. Eine gelungene Comedy, die anders, überraschend ist, mit so liebevollen Charakteren, die aber nie in Klischees abrutscht. Das muss ich neidvoll anerkennen.
Auswahl geplanter Skyserien 2022
Ab 21. Jänner startet die zweite Staffel der Erfolgsserie „Der Pass“. Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch sind neuerlich in den Hauptrollen zu sehen. Dieses Mal werden Leichen junger Frauen an der deutsch-österreichischen Grenze gefunden. Zwei weitere Erfolgsformate, die auch international Erfolge feiern, gehen in die Verlängerung: „Das Boot“ (Staffel 3) und „Babylon Berlin“ (Staffel 4).
Ebenfalls für 2022 geplant sind: „Munich Match“, ein Actionthriller um ein geplantes Attentat auf ein deutsch-israelisches Freundschaftsspiel. „Autobahn“, mit Brüdern von der Autobahnfahndung im Zentrum. „Tender Hearts“ handelt von einer Mittvierzigerin in der Zukunft, die eine Künstliche Intelligenz daten möchte. Oder „Chamäleon“, eine Politsatire im Berlin der Lobbyisten. Die Serie „Paradiso“ läuft voraussichtlich im ersten Quartal an. Regie führen Barbara Albert und David Dietl. Eine Entscheidung, ob „Ich und die Anderen“ von David Schalko fortgesetzt wird, steht noch aus.
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