InterviewORF-Bewerber Prantner will 40 Prozent der Führungskräfte einsparen

Vize-Technikdirektor Thomas Prantner möchte Generaldirektor werden. Im Interview spricht er von möglichen Überraschungen, deutlich weniger Führungskräfte im ORF und mehr Bundesländer-Inhalte.

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Thomas Prantner
Thomas Prantner arbeitet seit 33 Jahren im ORF und hat die TVthek miterfunden. © ORF
 

Fangen wir beim Programm an: Herr Prantner, können Sie konkrete Schwerpunkte nennen, die Sie im ORF-Programm setzen wollen?
THOMAS PRANTNER: Inhaltlich müssen wir auf unsere Stärken, auf unsere unverwechselbaren USPs setzen, das sind Information, Live und Österreich. Mein Konzept sieht vor, dass die neun regionalen TV-Sendungen aus den Bundesländern bereits um 18.30 Uhr mit einer lokalen Talk-Sendung beginnen, gefolgt von der beliebten „Bundesland heute“-Sendung um 19 Uhr. Ein besonderes Anliegen sind mir große TV- und Digital-Programmoffensiven zu den Themen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Naturschutz, Bildung und Zeitgeschichte. Auch die Volksgruppen sollten eine verstärkte Präsenz in den Programmen bekommen.

War Ihre Bewerbung unabhängig davon, wer sich sonst noch bewirbt?
Ja klar. Es war meine eigene persönliche Entscheidung, mit einem Reformkonzept bei der ORF-Generaldirektor/innen-Wahl als unabhängiger Kandidat anzutreten.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir am Dienstag eine Überraschung erleben?
Ich bin seit 33 Jahren im ORF und erlebe bereits die achte GD-Wahl. Es hat immer wieder Überraschungen gegeben, warum nicht auch diesmal?

Sie schreiben im Intro Ihrer Summary, das Mindset im ORF müsse sich ändern. Was meinen Sie damit konkret?
Wir müssen den ORF neu denken – von der Selbstbezogenheit zur Kundennähe. Der ORF gehört allen Menschen, die hier leben und ihn bezahlen und ihn nach wie vor als wichtigste Informationsquelle ihres Medienkonsums nützen. Der im ORF-Gesetz auferlegte öffentlich-rechtliche Programmauftrag ist kein Selbstzweck, sondern kann nur dann in vollem Umfang erfüllt werden, wenn der ORF verstärkt, vermehrt und fokussiert seine ganze Unternehmenskraft, seine finanziellen Mittel und die Kreativität seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ein einziges Ziel ausrichtet: auf unsere KundInnen, auf die Seherinnen und Seher, die Hörerinnen und Hörer, auf die Online-Userinnen und User. Dieser Mind-Change bedeutet auch einen Change-Prozess im Unternehmen, und dieses neue Denken erfordert auch neues Handeln. Meine Vision des ORF neu ist, dass wir ihn für unser Publikum – für Österreich und seine Menschen – erneuern und modernisieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das erreichen können. Mit einer neuen Aufbruchstimmung im Haus, mit echtem Team-Spirit, mit einem Innovations- und Motivationsschub, mit der Förderung idealistischer Mitarbeiter/innen, mit dem Zulassen von Kreativem und Neuem und mit der klaren Bereitschaft, frischen Wind ins Haus zu lassen, dieses Unternehmen positiv zu verändern und zu einem modernen Medien-Player in Österreich zu machen.

Ist der große Tanker ORF wendig genug, um großflächig multimedial und plattformübergreifend arbeiten zu können?
Ja. Wir stehen an einer Zeitenwende und wir haben jetzt die Chance für Veränderungen. Wir stehen mitten in einer Digitalisierungsoffensive bei Programm und Technik – das geht von der Produktion bis zur Distribution. Kern der Strategie und entscheidendes Erfolgskriterium ist es, Top-Content auf allen Plattformen anzubieten. Dafür sind viele hausinterne organisatorische und technologische Veränderungen notwendig genauso wie neue, verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen, wie etwa eine Digitalnovelle im ORF-Gesetz, die etwa „Online first“ und „Online only“-Angebote ermöglichen.

NEOS LAB TALK - WOHIN GEHT DER ORF?
Prantner, zweiter von links, im Gespräch mit anderen ORF-Bewerbern. Foto © APA/HERBERT NEUBAUER

Sie peilen eine deutliche Verkleinerung der Führungsstruktur an, von 40 Prozent ist die Rede. Wie soll diese Verschlankung funktionieren?
Sie wird dann am besten funktionieren, wenn wir gleich damit starten. Wir müssen bei Strukturreformen und Sparprogrammen schon alleine wegen der Vorbildfunktion ganz oben beginnen – mit einer Verkleinerung der Geschäftsführung und Reduktion der zentralen Direktionen von Vier auf Drei. Mein 3- Direktor/innen-Modell ist inhaltlich logisch, multimedial konzipiert und in die drei großen Unternehmensbereiche „Programm/Content“, „Finanzen/Personal“ und „Digitalisierung/Technik“ organisiert. Auch bei den Leitungsfunktionen gibt es Handlungs- und Reformbedarf. Das sind über Jahrzehnte gewachsene Strukturen, die nie wirklich hinterfragt wurden. Ohne Berücksichtigung der ORF-Landesstudios, die sehr effizient und schlank aufgestellt sind, haben wir alleine in Wien in den fünf Direktionen (Generaldirektion und vier zentrale Direktionen) nicht weniger als 90 Leitungsfunktionen. Ich bin überzeugt davon, dass es möglich ist, in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren rund 40% dieser Leitungsfunktionen einzusparen – und zwar ohne Reduktion des Leistungsangebots. Diese Verschlankung an der Spitze und im mittleren Management wird mittelfristig auch zu Kostenreduktionen führen und frisches Geld bringen, das wir dringend in die Digitalisierung, ins Programm und den Ausbau der Regionalisierung investieren müssen.

Wie lässt sich das Publikum <30 wieder erreichen?
Erstens durch spannenden Content – Information, Entertainment, Sport -, den wir auf den neuesten Endgeräten, Devices und Plattformen digital rund um die Uhr anbieten und zweitens durch Produktinnovationen für Social Media, dort, wo die Jungen den Großteil ihrer Mediennutzungszeit verbringen.

Kommentare (1)
GordonKelz
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Lesenswert?

Was soll das alles....der nächste Chef desORF

...ist längst ausgehandelt, nur für den " PÖBEL " wird so getan, als ob es fair zugeht!
Gordon