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Petition, Polizei und GewerkschaftNachwehen der Terror-Berichterstattung

Journalistengewerkschaft fordert, die Presseförderung künftig an die Einhaltung ethischer Regeln zu knüpfen. Hintergrund der Aufforderung ist die Terror-Berichterstattung einiger Boulevardmedien.

ANSCHLAG IN WIEN: TATORT: KERZEN
© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Die Journalistengewerkschaft in der GPA-djp fordert angesichts der Berichterstattung rund um den Terroranschlag in Wien Konsequenzen für Medien, "die ethische Grenzen überschritten" haben. "Voyeurismus im Angesicht eines brutalen, verabscheuungswürdigen Verbrechens hat im seriösen Journalismus keinen Platz", betonte die Gewerkschaft am Dienstag in einer Aussendung.

"Medienunternehmen, die Grundregeln ethischen Verhaltens am Altar der Eitelkeiten opfern, haben das Recht auf Presseförderung verwirkt", so die Bundesvorsitzender Eike-Clemens Kullmann. Gleiches gelte für das Schalten von Inseraten. Um seriöse Berichterstattung sicherstellen zu können, müsse die Medienförderung massiv erhöht und an Qualitätskriterien, etwa die Verknüpfung mit Arbeitsplätzen, geknüpft werden.

Tausende unterschrieben Petition

Als Reaktion auf Terror-Berichterstattung hatten am Dienstag mehrere große Handelsketten, darunter Billa, Spar und Hofer angekündigt, auf oe24.at vorerst keine Inserate schalten zu wollen. Teilweise ist auch krone.at vom Boykott betroffen.

Puls24-Infochefin Corinna Milborn erklärt in einem Erklärvideo, ohne den Fellner-Mitbewerber direkt zu nennen, warum ihr Sender bewusst darauf verzichtet, die Gewalttaten des Terroristen zu zeigen:

Indes unterschrieben mehr als 25.000 Personen (Stand Dienstagabend) eine Petition, die eine Neuordnung der Medienunterstützung einfordert: "Konkret fordern wir, dass die Medien-Fördergesetze wie das KommAustria-Gesetz oder das Presseförderungsgesetz reformiert werden. Staatliche Medienförderungen sollen noch stärker an grundlegende, ethische und moralische Qualitätskriterien geknüpft werden", heißt es auf mein.aufstehen.at.

Appell gegen Verbreitung von Videos

Sowohl die Polizei als auch die Journalistin und Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig warnten erneut vor der Verbreitung von Videos rund um den Terroranschlag in Sozialen Medien. "Die Gefahr besteht darin, dass man Terroristen einen Gefallen tut, dass man in der Hast auch falsche Dinge teilt oder Material, das belastend ist für Menschen", sagte Brodnig am Dienstag im Gespräch mit der APA.

Auch die Polizei bat eindringlich darum, keine derartigen Videos oder Fotos zu veröffentlichen. Das Verbreiten derartiger Inhalte in den Sozialen Medien gefährde Zivilisten wie auch Einsatzkräfte, wurde betont. Stattdessen appellierte die Exekutive an die Bevölkerung, entsprechendes Material auf der vom Innenministerium bereitgestellten Pattform https://upload.bmi.gv.at/ hochzuladen. Bisher gebe es über 20.000 Uploads - vor allem Videos und Bilddateien, teilte ein Sprecher der APA mit. 35 Ermittler arbeiteten an der Sichtung, laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) waren am Nachmittag bereits rund 50 Prozent der Daten gesichtet worden.

Kommentare (1)
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Tingel
1
9
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Gemeldet

habe ich gestern ein Video auf YT. Es zeigte, wie der Täter einen Unschuldigen erschiesst. Getan hat sich nichts seitens YT. Die können da gut Werbung vorschalten und verdienen sich eine goldene Nase an sowas. Toll, hm? Also nicht nur gegen die unseren hauen!! Andere sind KEINEN DEUT besser! Und ehrlich gesagt, hab ich nie verstanden, warum manche 'Qualitätsmedien' ein Facebook Cookie setzen. Genauso schäbig. Zum Glück gibt es da aber Cookieblocker....