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Interview mit Gernot LercherDer neue "Universum"-Chef will das ORF-Flaggschiff breiter aufstellen

Als neuer „Universum“-Chef möchte Gernot Lercher die Dokuschiene breiter aufstellen. Der Steirer, der Andrew Solomon ablöst, erzählt im Interview über den richtigen Mix und ausgelebte Kinderträume.

Gernot Lercher
Gernot Lercher übernimmt ab Juli von Andrew Solomon. © (c) ORF
 

"Universum“ ist ein traditionsreiches Schwergewicht des ORF. Welche Schwerpunkte wollen Sie als neuer redaktioneller Leiter setzen, Herr Lercher?
Gernot Lercher: Wir wollen die Marke „Universum“ breiter aufsetzen und es nicht bei der einen wahrnehmbaren Fernsehsendung am Dienstagabend belassen – die natürlich das Flaggschiff bleibt. Wir wollen Naturthemen und „Universum“ auch in anderen Medien spürbar machen. Online, aber auch im Radio. Jede „Universum“-Sendung schafft so viele Inhalte, bei denen es schade wäre, würden sie ungenutzt bleiben, nur weil in der Doku vielleicht kein Platz dafür ist. Es gibt wissenschaftliche Aspekte, die man auch noch anderer Stelle aufarbeiten könnte, oder auch die Möglichkeit, die Gestalter und Gestalterinnen ausführlicher zu Wort kommen zu lassen. Wir wollen also „Universum“ breiter und spürbarer machen als nur einmal in der Woche am Dienstagabend.

Sie haben als Naturfilmer auf der ganzen Welt gedreht, dennoch lässt sich in ihren Arbeiten eine starke regionale Prägung erkennen. Ist Regionalität der Weg, den „Universum“ gehen muss?
Lercher: Was unter anderem den Erfolg von „Universum“ ausgemacht hat und auch weiter ausmachen wird, ist der perfekte Mix aus Berichterstattung vom anderen Ende der Welt und dem Fokus auf das, was vor der eigenen Haustür passiert. Nur Österreich-Sendungen herzustellen, ginge schon allein durch die Kleinräumigkeit nicht. Nur ganz weit zu gehen, auch nicht.

Auf TV-Messen ist „Universum“ ein Verkaufshit. Wie wichtig sind diese Verkäufe für den ORF?
Lercher: Wir sind so ehrgeizig zu sagen, jede „Universum“-Doku muss der internationalen Marke und den höchsten Qualitätsstandards gerecht werden. Aber klar ist es so, dass wir am liebsten alles gut verkaufen wollen und es werden daher nur Dokus in Auftrag gegeben, von denen man erwarten kann, dass sie auch am internationalen Naturfilmmarkt reüssieren können.

Europas letzte Nomaden
Gernot Lercher und Kameramann Lucas Chelos unterwegs für "Europas letzte Nomaden" Foto © (c) ORF (Gernot Lercher)

Im Jahr 2019 war eine regionale Folge über Gartenvögel in Klagenfurt die erfolgreichste Episode des Jahres. Gibt es da einen Widerspruch? Solche Sendungen sind am internationalen Markt schwer verkäuflich, national aber offenbar beliebt.
Lercher: Wir stehen vor zwei Herausforderungen. Wir wollen unserem Publikum einerseits eindrucksvolle österreichischen Inhalte präsentieren– das, was die Menschen zu kennen glauben noch schöner als sie es je gesehen haben, darstellen. Andererseits wissen wir, dass es eine Sehnsucht nach Exotik und unbekannten Welten gibt. Viele dieser Produktionen vom anderen Ende der Welt tragen ja die Handschrift preisgekrönter heimischer Naturfilmregisseure und Regisseurinnen. Das weiß unser Publikum mittlerweile und so bringen uns diese Filme beides: Tolle Quoten und Reputation am internationalen Verkaufsmarkt.

Ihren Wunsch, Dokumentationen zu machen, hatten Sie schon als Kind. Woher kommt dieser für ein Kind doch sehr ungewöhnliche Traum?
Lercher: Der Urgedanke, Dokumentarfilmer zu werden, der ist tatsächlich mit zwölf Jahren entstanden und von dem habe ich dann nie mehr abgelassen. Ich hatte nie einen Plan B. Was mich rückblickend am meisten freut, ist, dass es mir gelungen ist, auch meine soziale Ader auszuleben, indem ich mich unter anderem auch mit Menschenrechts- und Sozialthemen auseinandersetzen konnte. Und mich dann letztlich über Naturfilme zu „Universum“ vorgearbeitet habe. Ein wenig stolz bin ich auf die breite Palette meines Schaffens. So habe ich viel Zeit in Ländern des Südens verbracht, habe unter anderem in unüberschaubaren Armenvierteln gedreht, in denen Millionen Menschen leben. Viele gezwungener maßen, weil der Klimawandel ihre Naturräume zerstört hat, kein Leben am Land mehr zulässt. So haben sich mich letztlich meine Interessen zu bündeln begonnen.

Als „Universum“-Chef sind die Zeiten als herumreisender Naturfilmer vorüber. Stört Sie das?
Lercher: Weil ich wirklich sagen kann, dass ich einen Kindheitstraum gelebt habe, glaube ich nicht, dass es mir fehlen wird. Ich durfte so viele unvergessliche Erlebnisse auf allen Kontinenten sammeln. Diese wertvollen Erfahrungen sollten nun ein starkes Fundament für meine neuen Aufgaben bilden, weil ich sowohl die filmische Arbeitswelt als auch die Welt „da draußen“ kennenlernen durfte. Und, das sag ich auch ganz offen: Der Sendung „Universum“ redaktionell vorzustehen, ist eine Riesenehre.

Kommentare (1)

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shaba88
6
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Bitte endlich andere Sprecher und weniger Wolkenraffaufnahmen