AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Neuer Ö1-Chef"Wir sehen uns als Nationalarchiv des Wissens"

Mit Martin Bernhofer als neuem Ö1-Chef geht der Kultursender den Weg der Kontinuität. Der 60-Jährige über Jugend- Ambitionen, das Funkhaus und Liebe für alle.

Martin Bernhofer zum �1-Chef bestellt
Seit Sommer für das Ö1-Programm zuständig: Martin Bernhofer © (c) ORF (Hans Leitner)
 

Herr Bernhofer, Sie sind seit einigen Monaten Programmchef von Ö 1. Haben Sie in dieser Zeit negative Überraschungen, Leichen im Keller von Ö1 entdeckt?

Martin Bernhofer: Überhaupt nicht. Ich habe einfach sehr viele gute Ideen vorgefunden, die ans Tageslicht geholt werden können und an denen arbeiten wir gerade.

Wie sieht Ihre eigene Radiobiographie aus?

Martin Bernhofer: Das Radio war in meiner Jugend, die ja noch nicht so vom Fernsehen oder anderen Medienangeboten bestimmt war, mein Leitmedium. Ich habe immer schon eine große Faszination damit verbunden, Stimmen aus dem Äther zu holen und in Hörräume einzutauchen.

In welchen Bereichen wollen Sie ihre Ideen einbringen?

Martin Bernhofer: Ich setze sehr stark darauf, Ö1 als starke Kulturmarke weiter zu entwickeln. Das in erster Linie in Verbindung mit der Entwicklung neuer, multimedialer und digitaler Ausspielwege. Da befinden wir uns im Konzert mit der Unternehmensstrategie. Stichwort ORF-Player. Und ich setze auch sehr auf das Erschließen neuer Ausspielwege, Stichwort Podcast. 2020 starten wir einen großen Senderschwerpunkt mit dem Titel „Reparatur der Zukunft“, wo wir sehr stark auf die Ideen und Sichtweisen einer jüngeren Generation fokussieren.

Ö1 für das junge Publikum?

Martin Bernhofer: Nicht in der Intention, dass Ö1 jetzt ein Jugendsender werden soll, sondern dass das Themen sind, die für die Zukunft relevant sein werden: Nachhaltigkeit, Klimawandel, technologische Disruption, digitale Transformation der Gesellschaft. Wir sehen das nicht nur als Themen der jungen Generation, sondern wir wollen das in Bezug zu unserem Kernpublikum setzen – auch ältere Hörerinnen und Hörer – und die Generationen mit solchen Projekten in einen neuen, medial vermittelten Dialog bringen.

Diese Ziele zielen auf der Entwicklung von Bestehenden ab. Welche neuen Ideen bringen Sie ins Spiel? Die Rede war von der Öffnung des Archivs.

Martin Bernhofer: Das Thema Archiv verbindet sich sehr gut mit dem Thema Digitalisierung und multimediales Ausspielen, weil wir in den verschiedensten Programmbereichen über die Jahre große Archivschätze angehäuft haben. Die würden wir gerne großflächiger und breiter zugänglich machen. Daran hindern uns derzeit die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wir sehen uns da als Nationalarchiv des Wissens und würden dieses Wissen auch gerne mit aktuellen Inhalten kombinieren.

Sie haben das enge Korsett des ORF-Gesetzes erwähnt. Welche Wünsche hat ein Ö1-Chef an die künftige Regierung?

Martin Bernhofer: Zuzulassen, dass wir Inhalte länger anbieten können und Inhalte entwickeln können, die noch nicht in den üblichen Sendewegen ausgestrahlt worden sind. Das heißt, wir wollen auch „online first“ anbieten können, weil das neue Kombinations- und Reflexionsmöglichkeiten von Inhalten anbietet. Ich sage bewusst Inhalte und nicht Content, da es uns wirklich um die Inhalte geht.

Ihr Vorgänger hat in seinem Abschiedsinterview gemeint, sein Nachfolger bräuchte eine große Widerständigkeit, im Kampf um Geld und andere Ressourcen. Bringen Sie das mit?

Martin Bernhofer: Ja, ich würde mir das positiv zuschreiben. Ich verbinde diese Widerstandsfähigkeit oder Beharrlichkeit im Erschließen von Möglichkeiten und Mitteln mit dem Thema Innovationen. Und über Innovationen erschließen sich auch immer neue Möglichkeiten – da bin ich ein Medienoptimist.

Sie haben also keine Angst, dass der Spardruck sich mittelfristig auf die Qualität von Ö1 durschlägt?

Martin Bernhofer: Es ist sicher eine meiner zentralen Aufgaben, genau die Qualität, die Ö1 jetzt seinen Hörerinnen und Hörern und auch Online liefert, auch unter schwierigeren Bedingungen zu gewährleisten.

Ab 2022 sendet Ö1 nicht mehr aus dem Funkhaus, sondern vom neuen Standort am Küniglberg. Der Umzug war lange umstritten. Waren Sie für oder gegen diesen Ortswechsel?

Martin Bernhofer: Das war ein Prozess, den die ganze Belegschaft durchgemacht hat und natürlich hing in diesem Prozess auch ein großer Teil der Belegschaft – und auch ich – am Funkhaus. Es ist ein wunderbarer Ort der Kultur und auch der Kommunikation. Wir alle haben aber auch die pragmatische Entscheidung positiv und konstruktiv zur Kenntnis genommen und werden uns auch am neuen Medienstandort kreativ und mit der Stärke von Ö1 aktiv einbringen.

Was ist Ihre Lieblingssendung auf Ö1?

Martin Bernhofer: Ich höre alle Sendungen sehr gerne und schätze die gesamte Sendungsfamilie gleichermaßen. Es wäre sonst. ungerecht. Man soll alle Kinder, Nichten und Neffen lieben, gleichermaßen.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.