Gut zwei Wochen nach der Fernsehdokumentation
"Surviving R. Kelly" scheinen die darin genannten
Missbrauchsvorwürfe erste Konsequenzen für den Sänger zu haben.
Medienberichten zufolge beendete sein Label RCA, das zum Konzern
Sony Music gehört, die Zusammenarbeit mit dem dreifachen
Grammy-Gewinner. Auf dessen Website wird er nicht mehr genannt. Mehrere Radiosender in den USA kündigten an, die Musik des
52-Jährigen nicht mehr zu spielen. Im Raum Atlanta im Bundesstaat
Georgia laufen zudem strafrechtliche Ermittlungen gegen Kelly. Im
Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen stellte sich einem
CNN-Bericht zufolge Kellys Ex-Manager der Polizei. James Mason solle
einen Mann bedroht haben, dessen Tochter mutmaßlich von Kelly
festgehalten werde, berichtete der Sender. Mason kam demnach gegen
eine Kaution von 10.000 Dollar (8800 Euro) vorläufig frei.
Die Vorwürfe gegen Kelly reichen bis in die 1990er-Jahre zurück.
Im Sommer 2017 sorgte außerdem ein "Buzzfeed"-Bericht über einen
mutmaßlichen "Sex-Kult" Kellys für Aufsehen. Die Familie einer Frau
namens Joycelyn Savage beschuldigt Kelly etwa, sie festzuhalten und
ihr den Kontakt zur Außenwelt zu verbieten. Savage hatte dies im
Sommer 2017 in einem Video zurückgewiesen und erklärt, ihr gehe es
gut. R. Kelly hat sämtliche Vorwürfe abgestritten.
Mit mehr als 50 Millionen verkauften Alben zählt Kelly zu den
erfolgreichsten Musikern im R&B-Genre. Radio-DJs scheinen seine
Titel seit der TV-Dokumentation aber seltener zu spielen. Vergangene
Woche spielten der Datenbank "Mediabase 24/7" zufolge landesweit nur
31 US-Sender drei oder mehr seiner Titel. In der Vorwoche, als die
Doku bei Lifetime zu sehen war, waren es noch 145 Sender.
Einen vergleichbaren Radio-Boykott habe es zuletzt 2003 im
Vorfeld des Irakkriegs gegeben, schrieb die Zeitung "Atlanta
Journal-Constitution". Damals hatte eine Sängerin der Dixie Chicks
US-Präsident George W. Bush kritisiert und sich beschämt darüber
gezeigt, dass er aus ihrem Heimatstaat Texas stammt. Der Anteil an
Sendezeit bei Country-Radiosendern fiel daraufhin um 90 Prozent.
"Die Gruppe erholte sich nie", schrieb die Zeitung.