Es ist wie mit einer ausschweifenden Partynacht, auf der getreu dem Motto „Anything goes“ persönliche Geschichten geschrieben werden - natürlich begleitet vom passenden Soundtrack. Heute endet die Party des Fernsehsenders Viva endgültig und offiziell: Das Publikum und die mittlerweile prominenten Partygäste, von Stefan Raab, Heike Makatsch bis Oliver Pocher und Klaas Heufer-Umlauf, sind ohnehin schon längst (zu ihren nächsten Karrierestationen) weitergezogen.
Der sperrige deutsche Name „Videoverwertungsgesellschaft“ ließe nicht darauf schließen, dass sich dahinter eine innovative Talentschmiede befand, die als Musiksender in den 90er-Jahren vor Kameras und Bildschirmen eine ganze Generation prägte. Der deutsche Gegenentwurf zu MTV diente als Spielwiese der Jugendkultur, gab sich progressiv und war massentauglich.
Bloß: Zukunftsfähig ist Viva in Zeiten von Youtube, Netflix und Spotify nicht mehr. Der Marktanteil in der Zielgruppe war zuletzt verschwindend gering, lag bei 0,1 Prozent. Die Jugend konsumiert Musik heute anders als in den 90er-Jahren.
„Der Fan in Köln ist anders sozialisiert als der in New York und was dem Fan dort sehr nahe ist, hat für deutsche Fans vielleicht keine Relevanz“, erklärte Viva-Gründer Dieter Gorny gegenüber dem Branchenportal Dwdl.de die Grundidee von Viva. Der Sender sollte neben MTV eine regionale Lücke füllen. Am 1. Dezember 1993 - damals war in Österreich Meat Loafs Popschnulze „I'd Do Anything for Love“ an der Spitze der Charts - ging die erste Viva-Sendung on air: „Wir sind Viva und wir sind mehr als nur ein Fernsehsender, denn wir sind euer Sprachrohr und euer Freund. Und ab heute bleiben wir für immer zusammen“, begrüßte Heike Makatsch, damals 22 Jahre jung, die Zuschauer. Heute weiß man: Es war nicht für immer. 25 Jahre später - vor wenigen Wochen wurde das Jubiläum gefeiert - macht der Sender die Luken dicht, das Senderschiff wird eingemottet. Das letzte Lebenszeichen ist heute für 13.59.59 Uhr mit der Show „Viva Forever“ und einem letzten Musikvideo geplant. Danach: Sendepause.
Vom Aus von Viva profitieren wird der Comedy-Central-Kanal, dessen Sendezeit auf 24 Stunden ausgeweitet wird