Die Bühnenumsetzung einer Kult-Romanze aus Hollywood ist ein Wagnis. Doch die Neuinszenierung des Musicals, das 2018 in den USA uraufgeführt wurde, unterhält sowohl eingeschworene Fans des Kinohits aus 1990 als auch Zuschauer, die damals gerade das Licht der Welt erblickten. Die niederländische Regisseurin Carline Brouwer jongliert gekonnt mit Vertrautem, hat Ehrfurcht vor dem Original, setzt das Liebesmärchen aber trotzdem mit eigener Handschrift und dem richtigen Tempo für ein Live-Vergnügen um – vor allem in Kombination mit den dynamischen Choreografien von Eline Vroon. Die beiden widerstanden einer künstlichen Verlegung des zeitlichen Rahmens; so bleibt diese Produktion optisch und atmosphärisch der Ära der späten 1980er-Jahre bzw. frühen 1990er-Jahre treu.

Anders als im Film ist die Musik – bis auf den Titelsong von Roy Orbison. Das Musical basiert nicht auf dem Soundtrack mit Roxette, Go West und Peter Cetera, sondern wurde eigens von Bryan Adams mit seinem Weggefährten Jim Vallance komponiert. Das Duo versteht sich auf balladesken Herzschmerz und Midtempo-Softrock, der selbst in der deutschen Übersetzung nicht zu plattem Schlager mutiert. Die lag in den Händen von Frank Ramond, der u. a. schon für Roger Cicero, Ina Müller, Annett Louisan und Barbara Schöneberger die Texte schrieb und ohnehin schon Musical-Erfahrung hatte (etwa „Das Wunder von Bern“).

Szene aus dem Musical nach dem Filmhit von Garry Marshall
Szene aus dem Musical nach dem Filmhit von Garry Marshall © Limelight

Im internationalen, fast 20-köpfigen Ensemble tourt auch ein Österreicher mit – der Grazer Benjamin Plautz verkörpert den Anwalt und Kumpel von Finanzjongleur Edward. Ihre eigene Vivian stellt die niederländische Newcomerin Shaana Slapp auf die Bühne, mit der Rolle des Edward wurde der in Berlin lebende Schwede Mathias Edenborn besetzt, der schon in etlichen großen Musical-Rollen überzeugte, aber natürlich weiß, dass immer wieder Vergleiche mit Richard Gere angestellt werden. „Ganz klar: Gere und Julia Robert sind Ikonen. Unsere Aufgabe war es, uns im Miteinander zu einer eigenen Version inspirieren zu lassen – denn als Stoff ist diese Liebesgeschichte zeitlos.“ Eines kann Bariton Edenborn als amerikanischer Millionär, der wachgeküsst wird, sicher besser als Gere: singen!

„Pretty Woman – Das Musical“: Wien/MuseumsQuartier, 25. März bis 12. April; Graz/Oper, 30. Juni bis 12. Juli; Linz/Musiktheater, 14. Juli bis 9. August. Karten: www.oeticket.com und Tel. (0316) 80 00.

Pretty Woman - Das Musical
Der Opernbesuch in „Pretty Woman – Das Musical“ © Limelight
Pretty Woman - Das Musical
Im Sommer in der Oper Graz: „Pretty Woman - Das Musical“ © Limelight

Hier ein Musical-Teaser mit anderen Darstellern: