„Drama, Baby, Drama!“ Was Bruce Darnell den Models auf dem Laufsteg von „Germanys Next Topmodel“ zu raten pflegte, erfüllt der Bergfilm seit seinen Anfängen – ganz ohne Aufforderung. In der Ausgesetztheit spitzer Felsnadeln oder ganz alleine im Überhang einer mächtigen Wand, am Berg ist die Dramatik zum Greifen. Leichtsinnigkeit ist kein guter Begleiter.

Und dieses Drama am Berg fängt das „Mountainfilm Festival Graz“ auch in diesem Jahr perfekt ein. Momente des Triumphes, Augenblicke des Scheiterns, das absolute Glück, wenn der Durchstieg einer Wand gelungen ist. Von 11. bis 15. November sind das Schubertkino und das Congress Graz Schauplätze großer Filme. Eine kleine (persönliche) Auswahl aus den 93 Filmen, die ab Dienstag zu sehen sind.

Robert Schauer über das Festival

Schneeleoparden-Schwestern

Das „Mountainfilm Festival Graz“ lebt auch von den vielen menschlichen Geschichten. Ein ganz besonderer Film ist „Snow Leopard Sisters“, der von den nur noch 90 Schneeleoparden in der nepalesischen Dolpo-Region erzählt. Naturschützerin Tshiring Lhamu Lama und Tenzin Bhuti Gurung werden zu Schneeleoparden-Schwestern: Es gilt, eine Balance zwischen dem Schutz der bäuerlichen Herden und Wildtierschutz zu finden (12. November, 20.15 Uhr, Schubertkino).

Die Schneeleoparden-Schwestern
Die Schneeleoparden-Schwestern © Lama/ Lynch/ Ayers

Als das Leben fast zu Ende war

Philipp Hrozek baut mit dem Auto auf einer regennassen Fahrbahn einen Unfall, liegt danach im Koma und kann sich anfangs kaum bewegen. Dieser kleine, aber sehr feine Film zeigt, wie sich Hrozek alles wieder beibringt: Das Reden und das Gehen. Und dabei hilft ihm nicht nur, dass er wieder klettern will, sondern auch die Geburt seines kleinen Sohnes Emil. Ein sehr zu Herzen gehendes Porträt, das es auch in die Short-List geschafft hat, denn am Samstag entscheidet sich in Graz, wer einen der begehrten Preise gewinnen wird. Auch ein Publikums-Voting (gemeinsam mit der Kleinen Zeitung) gibt es dieses Mal. „Nach jedem Film, der auf der Shortlist ist, wird ein QR-Code eingeblendet. Den scannt man ein und kann abstimmen“, erklärt Festival-Leiter Robert Schauer. (15. November, 12 Uhr, Grüner Saal).

Philipp Hrozek kämpfte sich zurück ins Leben
Philipp Hrozek kämpfte sich zurück ins Leben © Florian NIck

Der Überlebenskampf des Hermann Buhl

Dem österreichischen Bergsteiger Hermann Buhl gelang mit der Erstbesteigung des Nanga Parbat am 3. Juli 1953 eine singuläre alpinistische Leistung: Mehr ging damals nicht. Es war ein Grenzgang, der noch heute als eine der kühnsten Leistungen im Alpinismus bezeichnet werden kann. Regisseur Werner Bertolan zeigt in „Buhl – über alle Gipfel hinaus“ nicht nur die heroische Seite des Alpinismus, sondern auch den Menschen Buhl, der zeitweise im Waisenhaus aufwuchs und die Lücke der fehlenden Mutter irgendwie zu verarbeiten suchte. „Die Reenactment-Szenen werden hier nicht übertrieben“, sagt Schauer. Vitus Auer (Bruder des vor einigen Jahren verstorbenen Weltklasse-Alpinisten Hansjörg Auer) tritt in den nachgestellten Szenen als Hermann Buhl auf. Der Film besticht aber auch durch die Interviews mit Buhls Töchtern Kriemhild und Silvia Bögl (14. November, 19.15 Uhr, Steiermarksaal).

Hermann Buhl schaffte eine solitäre Leistung

Eine legendäre Wand

Jakob Schubert ist einer der weltbesten Sportkletterer. Am Fels hat in den letzten Jahren vor allem der Tscheche Adam Ondra die Kletterschwierigkeiten ins Unvorstellbare geschraubt. Im norwegischen Flatanger haben die beiden versucht, eine Route im Schwierigkeitsgrad 9c zu klettern. Diese in einer Höhle gelegene Route ist so schwer, dass eine Durchsteigung wie eine Erzählung aus dem Reich der Science Fiction klingt. Jakob Schubert gelang das Unfassbare: „B. I. G. – A World First“ erzählt in beeindruckenden Bildern von dieser Leistung (14. November, 20 Uhr, Stefaniensaal). Im Anschluss an den Film beantwortet Schubert Fragen.

Besonderer Nachmittag

Everest-Legende Robert Schauer (er war gemeinsam mit Wolfgang Nairz, Horst Bergmann und Sherpa Ang Phu der erste Österreicher auf dem Everest und als Filmemacher mehrfach am Berg) zeigt „50 Jahre Hidden Peak“. Die legendäre Expedition mit dem großen Grazer Alpinisten Hanns Schell sowie dem Schladminger Herbert Zefferer ist eine Zeitreise in eine Welt, als die höchsten Gipfel noch nicht von 8000er-Touristen bestürmt wurden (15. November, 16 Uhr, Stefaniensaal). Im Anschluss kann man mit Kletter-Legende Alexander Huber „In den Felsen der Ogliastra“ auf Sardinien klettern und spüren, welches Lebensgefühl diese Sportart vermittelt. Und als wäre das nicht genug, greift der Ausnahmealpinist sogar noch filmisch in die Tasten: Huber am Klavier und Burkard Maria Weber am Cello. Ein mehr als außergewöhnlicher Film, ein „Concerto Vertical“.

Alexander Huber in „Den Felsen der Ogliastra“

Weil es ohne Everest nicht geht

Ohne Mount Everest geht es nicht. Das ist nicht ironisch gemeint, sondern ein Faktum. Der höchste Berg der Erde gehört dazu, weil er der höchste ist. In „Everest Revisited: 1924 bis 2024“ werden 100 Jahre Besteigungsgeschichte erzählt. Chris Bonington, Leo Houlding, Rebecca Stephens und andere kommen zu Wort (14. November, 19.30 Uhr, Blauer Salon).