„So, und jetzt wird es für mich ein bisschen emotional“, leitete Susanne Schnabl am Dienstagabend ihre letzten Momente in der wöchentlichen TV-Reihe „Report“ ein, die Kamera zoomte weg und das ganze Team trat für ein nostalgisches Stelldichein auf die Studiobühne. Am Ende sollten es 430 „Report“-Sendungen in zwölf Jahren für die gebürtige Kärntnerin gewesen sein.

Das neue Kapitel in der Laufbahn von Susanne Schnabl-Wunderlich, wie sie mit vollem Namen heißt, startet am 12. Jänner um 22.10 Uhr, wenn zum ersten Mal die Signation von „Das Gespräch“ erklingt. Am Donnerstag gab der ORF Namen und Konzept des Diskussionsformats bekannt, das „Im Zentrum“ nachfolgt. Der Titel soll, wenig überraschend, Programm sein, kündigt Schnabl an: „Es geht um das Wesentliche, das Gespräch. Das ist der Kit, der uns zusammenhält“, erklärt die 44-Jährige bei der Präsentation in Wien.

Das in Rottönen gehaltene Studio mit einem großen Holztisch in der Mitte weckt Assoziationen an Diskussionen am Mittagstisch, eine bewusste Entscheidung, wie Schnabl betont: In turbulenten Zeiten soll man wieder in den analogen Dialog treten. Zum Gespräch wird sie dort wöchentlich ein bis vier Gäste begrüßen – und verschafft sich damit mehr strukturelle Flexibilität. Hier wollte man sich von dem starren Prinzip des Vorgängers trennen, betont Chefredakteur Johannes Bruckenberger.

Nach „Im Zentrum“: Ab 12. Jänner ist „Das Gespräch“ mit Susanne Schnabl Pflichttermin am Sonntagabend - Weniger Gäste und ein Tisch im Mittelpunkt - Der Sonntagabend bietet ab 12. Jänner Platz für „Das Gespräch“ mit Susanne Schnabl. So lautet der Titel des neuen Talks um 22.10 Uhr in ORF 2. Doch nicht nur Name und Gastgeberin sind neu, auch die Anzahl der Gäste, die künftig um einen Tisch herum Platz nehmen, wird variieren. Im Rahmen eines Pressegesprächs am 19. Dezember im ORF-Infostudio haben der verantwortliche Chefredakteur Johannes Bruckenberger, die interimistische Leiterin der ORF-Diskussionssendungen Eva Karabeg und Susanne Schnabl erste Einblicke in die neue Sendung gegeben. „‘Das Gespräch‘ soll relevante Themen mit spannendsten Gästen bieten. Wir wollen mit der neuen Sendung unsere Position als Nummer-1-Talkformat stärken und öffentlich-rechtlichen Mehrwert und Gesprächswert liefern. Im Idealfall bekommt unser Publikum Antworten, Einordnung und Perspektiven“, so der für die Informationssendungen zuständige Chefredakteur Johannes Bruckenberger. Moderiert wird der neue Sonntagabend-Talk von Susanne Schnabl. - Im Bild: Eva Karabeg (interimistische Leiterin der ORF-Diskussionssendungen), Susanne Schnabl, Regisseurin Doris Peterka.

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Weibliches Sendungsteam: Eva Karabeg (interimistische Leiterin der ORF-Diskussionssendungen), Susanne Schnabl und Regisseurin Doris Peterka. © Roman Zach-Kiesling

Die Räumlichkeit, das Info-Studio am Küniglberg, ist Schnabl wohlbekannt: Am gleichen Ort fanden im Sommer die Wahlkonfrontationen statt und auf der anderen Seite des Studios führte sie ein Dutzend Jahre lang durch ihren „Report“. Wer ihr dort nachfolgen wird, ist noch offen. Solange, wie bei der Neuausrichtung von „Im Zentrum“ will man sich am Küniglberg mit der Personalentscheidung aber nicht Zeit lassen: Knapp ein Jahr verging zwischen der Ankündigung von ORF-Chef Roland Weißmann, die Diskussionsformate im ORF neu aufstellen zu wollen, und dem Umbau des Tankers am Sonntagabend.

ORF will die Nummer 1 bleiben

Die Verzögerung begründet Johannes Bruckenberger mit dem Superwahljahr einerseits und der notwendigen Akklimatisierung im multimedialen Newsroom andererseits. Vom neuen Talkformat verspricht er sich „tiefgehende und erkenntnisbringende Gespräche“, geführt von „einer der besten Journalistinnen des Landes“, das Publikum dürfe „Antworten, Einordnung und Perspektiven“ erwarten. „Das Gespräch“ werde „das Nummer 1-Talkformat“ sein, verweist er indirekt auf die Konkurrenz. ServusTV und Puls4/Puls24 hatten in den vergangenen Jahren mit innovativen Formaten und hoher Taktzahl und Aktualität den Druck auf den öffentlich-rechtlichen Sender deutlich erhöht.

Für ihre Vorgängerin Claudia Reiterer ist Schnabl voll des Lobes, ebenso Bruckenberger: Die Absetzung des Formats habe nichts mit ihr oder der Quote zu tun gehabt, betont dieser. Allerdings war es „hoch an der Zeit, ein neues, innovatives Konzept zu entwickeln", sagt der ORF-Chefredakteur, der ankündigt, bei der Einladungspolitik neue Wege zu gehen: Man werde "furcht- und tabulos" agieren, man müsse andere Meinungen aushalten, "es muss robust diskutiert werden dürfen", ergänzt Schnabl. Los geht es am 12. Jänner.