Warum wird bei einer international erfolgreichen Krimireihe der Schlussakkord angestimmt, wenn die Quoten am stärksten sind? Denn in Großbritannien lief auf BBC 2 bereits im August der Zweiteiler „Vienna Blood – Mephisto“ und hatte dort die bisher stärkste Reichweite. „Es ist immer eine schwierige Entscheidung, bis wohin man eine Serie oder Reihe erzählt und wo man innehält oder gar einen Schlusspunkt setzt. Wir sagen eben mit einem Höhepunkt dem Publikum: Das war‘s!“, erklärt Co-Produzent Oliver Auspitz. Und dementiert klar Fortsetzungsgerüchte: „Es gibt keinen Auftrag für eine weitere Drehbuchentwicklung!“

Das zweiteilige Finale im Wien des Jahres 1909 basiert lose wieder auf einem Krimi des Briten Frank Tallis, dem 2018 erschienenen Buch „Mephisto WaltzTeuflischer Walzer“ aus der Max-Liebermann-Romanreihe. Max (Matthew Beard) ist inzwischen ein bekannter Psychoanalytiker und Neurologe und kommt von einer erfolgreichen Vortragsreise aus Amerika zurück. Der Kriminalbeamte Oskar Rheinhardt (Juergen Maurer) benötigt dringend seine Hilfe, da es auf der Jagd nach einem Maulwurf im Geheimdienst der Monarchie zu mehreren Morden kommt. Wer ist dieser „Mephisto“, der mit seinen Mitverschwörern zu einem vernichtenden Schlag gegen die Monarchie ausholen will?

Gedreht wurde bereits in den Sommermonaten 2023 in Wien und Niederösterreich; so wurde etwa das Obere Belvedere zu einem Casino im Wien der Jahrhundertwende umfunktioniert, wo eine undurchsichtige Mätresse des Kaisers zu den Stammgästen zählt; die unterirdischen Szenen wurden in der Seegrotte Hinterbrühl gefilmt. Und alle übrigens auf Englisch (etwa im Gegensatz zum internationalen Mehrteiler „Maria Theresia“), denn „die Briten als Koproduzenten würden keine Synchronisation akzeptieren“, so Auspitz, „das war seit der ersten Folge so“. Mit „Mephisto“ kommt die Reihe nun auf elf Folgen, wobei eine dem Vernehmen nach ein Budget von fast vier Millionen Euro hat, was für eine High-End-Produktion üblich ist und sich durch den weltweiten Verkauf bezahlt macht. Der US-Sender PBS etwa wird das Finale Anfang Jänner 2025 ausstrahlen. Zwei skurrile gegensätzliche Typen als Ermittlerduo – ein raubeiniger Inspektor und ein Sigmund-Freud-Schüler – sowie das Wien nach der Jahrhundertwende als fruchtbarer Nährboden sind der Motor für den Erfolg.

„Die Abgründe, in die man bei ,Vienna Blood‘ schaut, sind keine fremden Abgründe, sondern sie haben große Parallelen zur heutigen Zeit“, beschreibt Regisseur Umut Dag die Faszination an dem Stoff. „Auf Oskar Rheinhardt kommt das Ende der Welt zu – zumindest das Ende der Welt, wie er sie kennt“, verrät Juergen Maurer. Die Enthüllung der Identität von „Mephisto“ ist morgen um 20.15 Uhr in ORF 2 zu sehen.

Vienna Blood - Mephisto Teil 1 - Wien, 1909. Inspektor Oskar Rheinhardt ist fassungslos, als der Sicherheitsdirektor Strasser auf ein geheimes Treffen mit dem kürzlich gefangenen Waffenhändler Franz Burgstaller besteht. Dort wähnt sich der berüchtigten Verbrecher in Sicherheit und bemisst seine Möglichkeiten freizukommen, als plötzlich Schüsse fallen und Strasser und Burgstaller zu Tode kommen. Der Doppelmord erschüttert Wien bis ins Mark und Oskar muss die Identität eines hochrangigen Verräters mit dem Decknamen
„Vienna Blood - Mephisto“ im Wien des Jahres 1909 mit verdeckten Ermittlungen im Casino: Charlene McKenna (Leah Liebermann), Matthew Beard (Max Liebermann), Luise von Finckh (Clara Weiss) © ORF/Glanzl