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LandschaftsbilderGerhard Richter im Wiener Kunstforum

Seit vielen Jahren führt er die Rankings als wichtigster zeitgenössischer Künstler an - nun ist es dem Bank Austria Kunstforum in Wien gelungen, Arbeiten von Gerhard Richter zu zeigen.

Gerhard Richter: Venedig, 1986 (Öl auf Leinwand, 86 x 121 cm, GR 606-3 Museum Frieder Burda, Baden-Baden) © Gerhard Richter 2020
 

Gerhard Richter in Wien. Nicht er persönlich, dazu ist der 88-jährige Deutsche nicht mehr fit genug, doch die bis dato größte Ausstellung weltweit, die ausschließlich Gerhard Richters Landschaften gewidmet ist. Über 130 Bilder, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Objekte sind ab 1. Oktober an der Freyung zu sehen.

"Manche der Arbeiten sind noch nie öffentlich gezeigt worden. Darauf sind wir besonders stolz", sagt die Kuratorin Lisa Ortner-Kreil beim Rundgang mit der APA. Vier Jahre Vorarbeit hat es gebraucht, um diese Schau in enger Absprache mit dem in Köln lebenden Künstler zu konzipieren und über 50 internationale Leihgeber, darunter viele Private sowie der Künstler selbst, dafür zu gewinnen. Hilfreich war die Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zürich, wohin die Schau anschließend weiterzieht. Coronabedingt verzichtet man am Mittwoch auf eine Eröffnung und veranstaltet stattdessen ein Open House, bei dem (nach Voranmeldung) pro Stunde maximal 100 Besucher zugelassen sind.

Gerhard Richter
Gerhard Richter Foto © APA/LILLI STRAUSS

Zur Ausstellung

"Gerhard Richter: Landschaft": Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien, Wien 1, Freyung 8, 1. Oktober 2020 - 14. Februar 2021, täglich 10 bis 19 Uhr, Freitag 10 bis 21 Uhr, Katalog, erschienen bei Hatje Cantz, 220 Seiten, 32 Euro. www.kunstforumwien.at

Was macht Gerhard Richter so erfolgreich? "Es ist die unglaubliche Vielfalt aber auch Tiefe seines Werkes. Im 20. Jahrhundert ist sonst nur Picasso mit ihm vergleichbar", sagt Ortner-Kreil. "Er macht alles gleichzeitig - arbeitet gegenständlich, abstrakt oder mit Fotografie. Er beherrscht sein Handwerk, baut aber gleichzeitig eine Reflexion über das Malen mit ein. Bei ihm muss man immer die Metaebene mitdenken. In seinen Arbeiten gibt es nie eine Eindeutigkeit. Er ist ein sehr konzeptioneller Künstler, aber gleichzeitig auch super sinnlich. Er ist eine echte Herausforderung - für Kuratoren und für Besucher gleichermaßen."

Uneindeutigkeit und Raffinement als Richters Markenzeichen sind auch in seinen Landschaftsbildern unübersehbar. "Es sind Landschaften aus zweiter Hand", erklärt die Kuratorin. Richter malt nämlich nicht die Natur, sondern die Abbilder der Natur. Er verwendet Fotos (die er seit 1968 auch immer wieder selbst aufnimmt) als Vorlage seiner Gemälde und bezieht so die mediale Vermittlung mit ein. "Er versucht, mit dem Ideal von Landschaft zu brechen." Das geschieht etwa durch unübliche Ausschnittwahl, Einarbeitung von kleinen, irritierenden Details oder die für Richter charakteristische Unschärfe, mit der er unsere Wahrnehmung zu schärfen sucht.

In seiner Auseinandersetzung mit romantisierenden Landschaftsbildern in der Tradition eines Caspar David Friedrich bezieht er die Kunstgeschichte gleich mit ein - und zeigt, dass er sie sehr wohl "draufhat", die unendlichen Weiten, die Seelenlandschaften gleichen und unser Gefühl direkt ansprechen. Mehrfach trifft man auf eindrucksvolle Wolkenstimmungen und auf "Seestücke", in denen Meer und Himmel miteinander eins zu werden scheinen. Detailliert wird gezeigt, wie Richter dabei mit Täuschungen operiert, Fotos verändert, verdreht und als Gemäldevorlage neu montiert.

Es gibt aber nicht nur konstruierte und manipulierte, sondern auch "abstrakte Landschaften". Das monumentale, 6,8 Meter breite Gemälde "St. Gallen" zählt etwa dazu. Und es gibt Bilder, die ihren Charakter verändern, wenn man ihnen näher kommt. So scheinen manche Gemälde des gebürtigen Dresdners eindeutig als Luftbildansichten von Städten zu identifizieren, zerfallen aber beim Näherkommen zunehmend in kleine, abstrakte Farbflächen. Und schließlich gibt es auch übermalte Landschaften, Bilder, die mit dem "unhierarchischen" Umgang von Gegenständlichkeit und Abstraktion, Vorder- und Hintergrund spielen.

Nach Wien konnte Richter aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen. Schon eine große Schau im Met Breuer in New York kurz vor dem Coronashutdown musste er auslassen. Schlagzeilen macht er jüngst, als er sagte, dass seine vor kurzem enthüllten drei großen Kirchenfenster für das Kloster Tholey im Saarland seine letzte Werknummer sein würden und er nun den Pinsel aus der Hand legen werde. "Die Fenster haben Nummer 957. Aus." Was hält Kuratorin Ortner-Kreil von dieser Ankündigung? "Dieses Mal glaube ich es ihm. Malerei ist ja auch ein anstrengender körperlicher Akt." Mit Farbstiften und Fettkreide zeichnet er allerdings weiter - dafür wird es eben ein eigenes Verzeichnis geben. Auch die jüngste Arbeit der Ausstellung im Kunstforum (aus dem Jahr 2018) ist eine Zeichnung. Und wie häufig bei Gerhard Richter kann man ein wenig darüber rätseln, was sie zeigt.

Gerhard Richter: Eis, 1981 (Sammlung Ruth McLoughlin, Monaco) Foto © Gerhard Richter 2020

 

 

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