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LinzArs and the City im Lentos mit Spuren aus 40 Jahren

Die Ausstellung im Linzer Lentos, die sonst beim Ars Electronica Festival einem Featured Artist vorbehalten ist, wird dieses Jahr mit "Ars and the City" der Ars Electronica selbst und den Spuren, die sie in den 40 Jahren ihres Bestehens in der Stadt gezogen hat, gewidmet. Als Ergänzung findet sich am Dach in der PostCity "Ars and the Wire", das beschreibt, wie Kunst die digitalen Räume besiedelt.

© APA
 

Aufgeteilt in die vier Bereiche Hauptplatz, Donaupark, Voest und Stadtwerkstatt findet sich im Untergeschoß des Museums "ein völlig subjektiver, wilder Blick in die Geschichte, wobei es viel um Kollaborationen geht", schickte Festivalleiter Martin Honzik bei einem Presserundgang am Mittwoch voraus. Lentos-Direktorin Hemma Schmutz betonte: "Auch Kunst, die die Leute herausfordert, gehört gefördert". In einer Stadt solle alles in aller Öffentlichkeit diskutiert werden können, dafür stehe 40 Jahre Ars Electronica im öffentlichen Raum, schloss sich Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) an. Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) strich hervor, dass immer der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse, in der digitalen Zeit mehr denn je.

Die Ausstellung sei kein dokumentarisches Unterfangen, sondern "wie eine Geburtstagsparty, ein Eintauchen in gemeinsame Erinnerungen", vermittelte Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker die Intention. Als Dokumentation über die 40 Jahre empfahl er Andreas J. Hirschs Buch "Creating the future". Leute sollen sich von der Schau im Lentos inspirieren lassen, denn das sei, was die Ars Electronica immer gemacht habe. Die Konstante in den vergangenen 40 Jahren sei der Wandel gewesen.

In der gleichen Architektur wie in der PostCity - Peri-Regale - sind Projekte aus den 40 Jahren dokumentiert. Dazwischen präsentieren Bildschirme einzelne Projekten und Mitarbeiter, Mitstreiter, Journalisten und andere beantworten die Frage: "Was war für Sie die prägendste Erinnerung aus 40 Jahren Ars Electronica?" - allein die Vielfalt der Antworten zeigt die inhaltliche Breite auf. Auch Dia-Apparate surren und verdeutlichen wie ein Overhead-Projektor die lange Zeitspanne um die es hier geht. Partizipatorische Projekte wie "Ganz Linz" 2007, dessen Fotos heute noch im Rathaus den Boden zieren, Waltraut Coopers "Klangmikado" 1987 oder "Audience Partizipation" 1994 am Hauptplatz, bei dem die Menschen mittels rot-grüner Taferl Fragen beantworteten, liefern starke Bilder und lassen die Jahre Revue passieren.

Der Hauptplatz stehe für viele Ars-Installationen, aber auch dafür, dass die Stadt seit 1979 die Vorschläge der Veranstalter - damals Elektronikpionier Herbert W. Franke, Elektronikmusiker Hubert Bognermayr und ORF-Intendant Hannes Leopoldseder - mitgetragen habe, so Stocker. Der Donaupark sei klar als Austragungsort der Klangwolke, aber auch vieler anderer Projekte und das Gelände der heutigen voestalpine "war bis 2000 ein vitaler, aktiver Ort der Auseinandersetzung mit Kunst", erinnerte er an eine Künstlerkolonie auf dem Betriebsgelände 1996 und Zugfahrten durch das Gelände.

Die Freie Szene, für die als Synonym die Stadtwerkstatt stehe, spiele eine besondere Rolle. "Mir ist aufgefallen, dass es der freien Szene wichtig war, mit der Ars Electronica zu kooperieren, um ein ordentliches Standing bei der Stadt und in der Politik zu haben, weil das ein Schutzschild gegen die Polizei und für Experimentierfelder war", erinnerte sich Musiker und Künstler Fadi Dorninger. Die Freie Szene sei aber auch für die Ars Electronica immer wichtig gewesen, weil sie die Wirklichkeit gespiegelt hätte und die Technik sonst viel zu stark gewesen wäre.

Stocker hob bei dem Rundgang unter anderem das "Ponton-Projekt" 1986 hervor. Die Künstlergruppe Ponton kommunizierte nur mit elektronischen Medien aus einem Containerdorf. Fernsehsender hätten live gesendet, Hatespeech und Trolls seien auch damals schon Thema gewesen. "Hätte man die Künstler ernst genommen und zugehört, hätten wir uns als Gesellschaft einige Troubles ersparen können", mahnte Stocker für die kommenden 40 Jahre.

(S E R V I C E - "Ars and the City", Ausstellung im Kunstmuseum Lentos Linz, 5. bis 9. September, Do 10 - 21 Uhr, Fr bis Mo 10 bis 18 Uhr; ; Buch zu 40 Jahre Ars Electronica: Andreas J. Hirsch: "Creating the Future - A Brief History of Ars Electronica 1979-2019", Hatje Cantz Verlag, 512 Seiten, 40 Euro, ISBN 978-3-7757-4580-2)

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