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Thomas-Spitzer-Schau"Humor als Rettungsboot im Meer des Elends"

Das Karikaturmuseum Krems widmet dem Musiker, Grafiker und EAV-Urgestein Thomas Spitzer eine Ausstellung mit rund 200 bildnerischen Arbeiten aus den vergangenen 50 Jahren. Der 65-Jährige hat aber noch einen weiteren süßen Grund zu feiern.

Thomas Spitzer
Thomas Spitzer © Dominik Beckmann/ Pressefoto
 

Das Karikaturmuseum Krems widmet dem Musiker, Grafiker und EAV-Urgestein Thomas Spitzer eine Ausstellung mit rund 200 bildnerischen Arbeiten aus den vergangenen 50 Jahren. Diese erste Retrospektive des vielseitigen Künstlers ist unter dem Titel "Thomas Spitzer - Rockomix ein Leben lang!" von Sonntag bis 10. Februar 2019 zu sehen.

Von den Werken aus Kindertagen über die Grafiken aus der Studienzeit bis zu aktuellen politischen Karikaturen und großformatigen Collagen aus Kenia bietet die Schau in Krems einen umfassenden Einblick in Spitzers pointiertes zeichnerisches Werk. Der Karikaturist selbst sieht seine Kunst und den "Humor als Rettungsboot im Meer des Elends. Ich kann die Welt nicht ändern, aber ich kann das aktuelle Geschehen mit meinen Mitteln reflektieren", so der Künstler in einer Aussendung.

Karikaturen von Thomas Spitzer

Thomas Harald Spitzer wurde am 6. April 1953 in Graz geboren. 1966 kam er in einer Pflegefamilie unter. Zu dieser Zeit freundete er sich mit Gert Steinbäcker (STS) und Walter Hammerl - späterer 1. Conferéncier der EAV - an. Drei Jahre später starb der Vater. Von 1969 bis 1973 machte er eine Ausbildung zum Grafiker an der HTBLVA Graz - Ortweinschule. 1974 zog er nach Wien, inskribierte an der Universität für angewandte Kunst und begründete mit Hammerl, Eik Breit, Nino Holm und Anders Stenmo die Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV). Spitzer ist heute das letzte aktive verbliebene EAV-Gründungsmitglied.

Karikatur von Thomas Spitzer
Karikatur von Thomas Spitzer Foto © Spitzer

Darüber hinaus gestaltete er seit 1977 nicht nur die Artworks der meisten Alben mit Comics und Karikaturen, sondern entwarf auch Bühnenbilder, Show-Konzepte und große Teile der Musikvideos. Mit dem Maskottchen Neppomuk, dem rockigen Nasenbären oder dem charmanten Cover-Pinguin zeichnete sich Spitzer in die Herzen der EAV-Fans. Zahlreiche Skizzen, Bühnenbilder und Plattencover der vergangenen Jahre werden bei der Ausstellung gezeigt.

Gottfried Gusenbauer, Kurator und Direktor des Karikaturmuseum Krems: "Thomas Spitzer ist ein scharfer Kritiker unserer Gesellschaft. Seine Texte sind gekonnt im Rock verpackt, entfalten ihre politische Kraft und sind unglaublich witzig. Wortspiele wie "Tief in der Sahara - auf einem Dromedara" oder Songeinstiege wie "Es ist Samstagabend und die Dinge stehen schlecht" sind längst legendär. Sie zählen zu den Sternstunden österreichischer Satiregeschichte." Auch Co-Kuratorin Nora Tietz weist auf den "unvergleichlichen Wortwitz von Spitzers Texten und Comics" hin.

Die 23-Jährige ist übrigens "schuld", dass Spitzer noch einen weiteren Grund zu feiern hat: Im Frühling macht sie ihn zum zweiten Mal zum Vater, wie er „News“ verriet. Er sei sehr glücklich, und seine Lebensgefährtin, die die Schau in Krems mitgestaltet hat, sei „auch die Kuratorin meines Lebens“. Der 65-Jährige hat bereits eine Tochter – Anna Spitzer ist 39 und lebt als Grafikerin in der Steiermark.

Aufregung

Spitzers Texte sorgten aber auch immer wieder für Aufregung. 1987 wurde "Burli" vom Bayrischen Rundfunk auf den Index gesetzt. Auch "s"Muaterl", ein kirchenkritischer Song, wurde vom Bayrischen Rundfunk mit Spielverbot belegt. 1992 verklagte Jörg Haider Thomas Spitzer wegen Verleumdung (im Song "Erzherzog Jörgerl") und verlor damit seinen ersten Prozess. 1990 sang Spitzer seinen den deutschen Mauerfall skeptisch betrachtenden Song "Es steht ein Haus (in Ostberlin)". Ab 1991 textete er für Udo Jürgens, den er mehrfach in Portugal und am Zürcher See besuchte, und erarbeitete mit ihm auch eine Kooperation für die EAV ("Na Und").

2018 erschien zum 40-jährigen Bühnenjubiläum das letzte Album der EAV. Im November 2018 erhielt die EAV den österreichischen Kabarettpreis als Ehrenpreis. Für Frühjahr 2019 ist die Abschiedstournee der Gruppe angekündigt.

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