Mit „alles ist erleuchtet“, ist man hier fehl am Platz: Heißt, Licht ist hier nicht der Grundstoff, der zum Ausleuchten und zum Beleuchten gedacht ist. Licht war für die 2022 verstorbene Künstlerin Brigitte Kowanz ein Werkstoff, ihr wichtigster Werkstoff. Schnell und allseits verfügbar – in natürlicher, aber auch elektronischer Form – gilt es zunächst, das Licht gedanklich „einzufangen“, sich seiner Präsenz als Werkstoff überhaupt bewusst zu werden. Ein Prozess, der, wie in der großen Kowanz-Retrospektive „Light is what we see“ (Kuratorin: Angela Stief) schön zu sehen ist, schon im Frühwerk der gebürtigen Wienerin sichtbar wurde.
Es ist kein vorsichtiges Herantasten an den Leuchtstoff, sondern ein Experimentieren – macht nicht auch die Abwesenheit von Licht, das Licht selbst in einem gewissen Sinn greifbarer? Letzteres gelingt Kowanz durch ihre großen Lichtkunstarbeiten mit Leuchtstoffröhren, die das Licht als Informationsträger nutzen, um ihre Botschaft direkt in den Raum zu schreiben. Durch Licht, ja, aber natürlich auch durch Schatten, so ergeben sich in Summe neue Lichträume, die durch den Einsatz von Spiegeln eine scheinbare Unendlichkeit erzeugen, in die man regelrecht hineinkippen kann.
Nicht zu vergessen, der Schwarzlichtraum, in dem unter anderem die Installation „Light Step“ (1990) zu sehen ist. Das Licht entfaltet sich hier als schwebende Treppe, die klar strukturiert den Raum einnimmt. Eine wunderbare Nachschulung in Sachen Wahrnehmung.
Brigitte Kowanz. „Light is what we see“. Bis 9. November in der Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien. albertina.at