Ihre kraftvollen Werke tragen meist keine Namen, sind aber ausdrucksstark und sprechen das Publikum unmittelbar an: Es sind abstrakte, reduzierte und oft großformatige Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren, die Christine de Pauli in der Alpen-Adria-Galerie des Klagenfurter Stadthauses zeigt, luftig-leichte Strukturen in hellen Farben, da und dort akzentuiert mit schwarzen, kalligraphisch wirkenden Einsprengseln. Transparent und weit wirken sie, poetisch wie Lyrik auf einer Leinwand. Oft sind es flirrende Blau- und Türkistöne, die in einen naturnahen Kosmos aus Sinneseindrücken und Seelenzuständen führen und zum meditativen Betrachten einladen, dann fängt wieder ein Weiß, das mehr ist als nur weiß, den Blick.
Den Entstehungsprozess dieser in Eitempera gemalten Werke schildert die Künstlerin als langwierig. Immer wieder lege sie die Bilder beiseite, nehme sie später wieder zur Hand, übermale und ergänze sie – „gelegentlich sogar noch nach einer Ausstellung“, erzählt sie schmunzelnd. Die 1946 im italienischen Trient geborene und in Klagenfurt aufgewachsene de Pauli studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Josef Mikl und nennt sich selbst im Gespräch „eine altertümliche Malerin und Zeichnerin. Die Zeichnung ist der Ursprung von allem, die direkte Verbindung vom Kopf zur Hand.“
Selbstironie mit „Die Alternde“
Mit einem gezeichneten Porträt von sich („Die Alternde“) beweist sie Selbstironie, mit zwei düster-schwarzen Bildern („Die Ausgelöschten“) in einer Nische des großen Ausstellungsraums dokumentiert sie unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges „in welcher Zeit wir leben“. Der Schau „Gestaltete Zeit“ in der Alpen-Adria-Galerie folgt übrigens Mitte April eine Präsentation von neuen Arbeiten de Paulis in der Galerie Walker in Schloss Ebenau („Im Fluss“).