Im Jahr 1975 wurde das Uhren- und Schmuckunternehmen mit dem klingenden Namen Jacques Lemans gegründet. Nicht in Frankreich oder der Schweiz, sondern in St. Veit/Glan. Von zwei Brüdern: Alfred und Norbert Riedl. Markenbotschafter der Kärntner Firma sind Kevin Costner und Clint Eastwood ebenso wie Anna Veith oder Jürgen Melzer. Aufgrund einer Kooperation mit Bernie Ecclestone war man ab 2006 zehn Jahre lang offizieller Kooperationspartner der Formel 1, 2009 konnte man die Lizenzrechte für die UEFA Champions League erwerben.

Zeit ist Geld. Uhren bringen Geld. Und mit dem kann man Schlechteres machen, als eine Burg zu renovieren, Weingärten anzulegen und in Kunst und Kultur zu investieren. Das tat Alfred Riedl. 2011 kaufte er die Ruine Taggenbrunn östlich von St. Veit. Seither restauriert die Unternehmerfamilie die aus dem 12. Jahrhundert stammende Burg und umliegende Gebäude. Mittlerweile sind rund 40 Hektar Weinanbaufläche rundum entstanden.

Für drei Räume der Burg schuf Multikünstler André Heller „Zeiträume“: Im Juli wurde diese Ausstellung eröffnet, die mit interaktiven Objekten und multimedialen Elementen wie einem Riesenkaleidoskop, einer Weltzustandsmaschine oder einer Reise zum Mittelpunkt der Erde auf die – auch negative – Veränderung der Welt aufmerksam macht (wir berichteten).

Der imposante Konzertsaal im überdachten Burghof
© Taggenbrunn/KK


Schon im November 2019 begann das Herzstück von Burg Taggenbrunn zu pochen: Man weihte im überdachten Innenhof des historischen Juwels den imposanten Konzertsaal mit rund 650 Plätzen ein. Wie die gesamte Restaurierung des Anwesens vom Architekten Stefan Kogler konzipiert, spielt dieser akustisch alle Stückeln.

Seit damals waren Künstlerinnen und Künstler zu Gast, die man eher bei den Salzburger Festspielen als in einem versteckten Kärntner Winkel vermuten würde: Camilla Nylund, Piotr Beczała, Günther Groissböck etwa, Birgit Minichmayr oder Philipp Hochmair.

Alfred Riedl (70) und seine Frau Andrea mit dem polnischen Startenor Piotr Beczała
© Ferdinand Neumüller


Auch in der heurigen Saison bieten die Taggenbrunner Festspiele wieder Hochkaräter. So gibt zum Beispiel am 31. August Andrè Schuen einen Liederabend, begleitet von Daniel Heide am Klavier, mit dem der Ausnahmebariton im März eine beispielhafte „Schöne Müllerin“ bei der Deutschen Grammophon auf CD herausgebracht hat. Den Liederzyklus von Franz Schubert bringt der gebürtige Südtiroler auch nach Taggenbrunn mit.

© Deutsche Grammophon/Guido Werner


Der 37-Jährige war ja vier Jahre lang im Ensemble der Grazer Oper und fühlte sich „so wohl dort, dass ich heute noch in Graz wohne“, verriet er kürzlich unserer Zeitung. Zuletzt hat Schuen beim Festival in Aix-en-Provence Mozarts Figaro gesungen (zu sehen noch online auf Arte Concert) und ist am Donnerstag das letzte Mal in der Erfolgsproduktion „Così fan tutte“ bei den Salzburger Festspielen zu bestaunen (hier unsere Premierenkritik) ...

Aix, Salzburg, Taggenbrunn: Keine schlechte Achse für die Familie Riedl und das Publikum.