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OpernpremiereEine Theaterperle, von den Nazis zerschmettert

Joseph Beers „Polnische Hochzeit“, eine hell funkelnde Operette mit dunkler Historie aus dem Jahr 1937, ist am 8. Dezember erstmalig an der Oper Graz zu hören.

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Szabolcs Brickner (Boleslav), Katharina Melnikova (Jadja), Ballett und Chor in der "Polnischen Hochzeit" © Werner Kmetitsch
 

Sein Vater? In Auschwitz ermordet. Seine Schwester? In Auschwitz ermordet. Sein Librettist Fritz Löhner-Beda? In Auschwitz ermordet. 1943 wacht Joseph Beer in einem seiner Verstecke in Frankreich schweißgebadet aus einem Albtraum auf, in dem seine Mutter zu ihm sprach. Nach dem Krieg musste er erfahren: Auch sie, genau an diesem Tag, in Auschwitz ermordet...

Kein Wunder, dass der Komponist sich von diesen Traumata nie mehr wirklich erholte. Zwar hatte der Exilant noch die Kraft gehabt, unter dem Decknamen Jean-Joseph Bérard in Paris und Nizza ohne Hilfe eines Klaviers diverse Orchesterstücke oder seine Commedia dell’Arte-Oper „Stradella in Venedig“ zu schreiben, eine Hommage an den italienischen Barockkomponisten. Aber Beer lehnte nach dem Ende der Kriegswirren etliche Aufträge und Posten ab, verweigerte die Aufführungsrechte an seinen früheren Werken und lebte mit seiner Frau Hanna und den Töchtern Suzanne und Béatrice zurückgezogen vom Glanz der Bühnen an der Côte d’Azur. Bis zu seinem Tod 1987 allerdings sollte der gebürtige Ukrainer in seiner zweiten Heimat an der Neufassung seines Paradestücks weiterfeilen, dem die Nazis einen braunen Riegel vorgeschoben hatten.

KK
Der jüdische Komponist Joseph Beer, geboren 1908 in Gródek bei Lemberg in der Ukraine, gestorben 1987 in Nizza © KK

Mit der „Polnischen Hochzeit“ hatte der in Wien ausgebildete Beer, Anfang der 30er-Jahre zu einem Senkrechtstarter der Operettenwelt geworden, eine echte Theaterperle vorgelegt. Das hell funkelnde Werk mit seinen frechen Einsprengseln von Folklore, Klezmer und Jazz à la Broadway wurde bei der Uraufführung 1937 in Zürich umjubelt, gleich danach in acht Sprachen übersetzt und auf 40 Bühnen gespielt.

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