Die „andere Maria“, eine Figur, die in die Lazarus-Legende ebenso vorkommt wie in der Passionsgeschichte, wird hier zu dem, was sie vielleicht schon in den Bibeltexten ist: eine Platzhalterin für weibliche Figuren. Komponist John Adams und Librettist Peter Sellars haben mit dem 2012 uraufgeführten Stück ein zutiefst amerikanisches Werk geschaffen: Sie platzieren ihre Bibelgeschichte in die Gegenwart, ziehen Parallelen zwischen den Jüngerinnen und Jüngern Jesu und politisch-ethischen Öko-, Queer- und Sozialaktivisten unserer Zeit. Es wird ein vielstimmiges Oratorium, das um die Bedeutung von Religion, Heilsgeschichte und die Figur Jesu nachfragt. Der erste Akt ist stark an die konkrete Wirklichkeit aktivistischer Gruppen und ihrer sozialen Beziehungen angelehnt, während der zweite, ästhetisch völlig anders geartete, symbolische Wucht entfaltet und mit spannenderen Theaterbildern arbeitet.
Volksoper/Wiener Festwochen
Adams-Oper: Viel Gegenwart, brave Ästhetik
Kritik.
Auf die Spuren von Johann Sebastian Bach begibt sich das Opernoratorium „The Gospel According to the Other Mary“ von John Adams, das die Volksoper als szenische Weltpremiere zeigt.
© Volksoper/Palffy